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Lokales Coffe Baum schließt Ende des Jahres – Wirtsleute gehen in Ruhestand
Leipzig Lokales Coffe Baum schließt Ende des Jahres – Wirtsleute gehen in Ruhestand
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06:01 29.11.2018
Schließen das Coffe Baum am Jahresende für immer ab: Bettina und Peter Steffen. Quelle: André Kempner
Leipzig

In zwei Jahren wird das Traditionsrestaurant „Zum Arabischen Coffe Baum“ 300 Jahre alt. Das Jubiläum findet ohne die jetzigen Betreiber statt: Bettina und Peter Steffen hören Ende des Jahres auf. Nach zwanzig Jahren schließen sie am 31. Dezember für immer die Türen in der Kleinen Fleischergasse hinter sich. „Die Zeit hier war die Krönung unserer Laufbahn, sie ist wie im Flug vergangen“, blicken die Wirtsleute zurück. Dennoch freuen sie sich, nach 46 Jahren in der Gastronomie kürzer zu treten, den geschäftlichen Druck los zu sein und Zeit für Privates zu haben.

Längerer Leerstand zu erwarten

Nach ihrem Abgang muss das Haus ertüchtigt werden. Die Steffens genossen Bestandsschutz, doch bevor ein neue Betreiber einzieht, muss das Kulturamt als Eigentümer hinsichtlich Brandschutz, Lüftung, Sanitärtechnik, Hygiene gemäß den aktuellen gesetzlichen Vorschriften aufrüsten. Die Gelder dafür hat die Stadt auch schon eingeplant. Mit Bauplanung, Ausschreibung und Bauausführung dürfte das Haus etwa anderthalb Jahre leer stehen. Auch das Kaffeemuseum kann nur noch temporär öffnen.

Personalnot als Grund zum Aufhören

Die Entscheidung zum Aufhören hat das Ehepaar schon vor zwei Jahren getroffen. Peter Steffen wird nächstes Jahr 65, seine Frau 63. Aber ausschlaggebend ist noch etwa anderes: die dramatische Personalnot in der Gastronomie. „Ausgebildetes Personal zu finden ist fast nicht mehr möglich, wir haben gerade mal noch zwei Fachkellner“, erzählt der Koch und Küchenchef. Einstmals hatten sie 32 Mitarbeiter, jetzt sind es nur noch zwölf. Die treue Kernmannschaft reicht nicht aus.

Arbeitszeiten sind Hauptproblem

Schon seit drei, vier Jahren werden im Coffe Baum keine Lehrlinge mehr ausgebildet, weil es keine geeigneten Bewerber gibt. Nicht an der Bezahlung scheitere es – die sei gut, und die internationalen Gäste würden auch gutes Trinkgeld spendieren. Das Hauptproblem seien die Arbeitszeiten in der Gastronomie. „Für diesen Job begeistern Sie keinen mehr. Was haben wir für Tränen gesehen, weil unsere Mitarbeiter den Freund oder die Freundin verloren haben. Und weil sie keine Zeit mehr für ihren Freundeskreis haben.“

Neuer Betreiber braucht neues Konzept

Bei Steffens war das anders, sie lernten sich in der Gastronomie kennen, blieben beide dabei und sind über 40 Jahre verheiratet. Sie zogen ihre Tochter groß - aber das war es auch schon an Privatleben. Keine Zeit für Sport, Hobbys, Vereine. Drei Etagen des Hauses bewirtschaften sie mit ihrem traditionsorientierten Restaurant- und Cafébetrieb. Zwei Küchen betreiben sie. Auch Torten und Kuchen werden selbst hergestellt, das ist personalintensiv. „Das Alltagsgeschäft als Wirt ist harte Arbeit. Heute kann man sein Geld leichter und schneller verdienen“, sagt Restaurantfachfrau und Diplom-Betriebswirtin Bettina Steffen. Ein neuer Betreiber wird daher auch ein neues Konzept benötigen. Die jetzigen Mitarbeiter des Coffe Baum haben schon neue Jobs gefunden.

Von Robert Schumann bis Bill Clinton

Das Haus „Zum Arabischen Coffe Baum“ ist eines der ältesten Café-Restaurants Europas. Berühmte Dichter, Komponisten und Professoren der Leipziger Universität hielten dort ihre Stammtische ab, so ist das Schumannzimmer nach Stammgast Robert Schumann benannt. Zur Wendezeit wurde das Gasthaus noch betrieben, danach stand es sieben Jahre leer, nahezu abrissreif. Nach der Sanierung des Gebäudes schlossen Bettina und Peter Steffen am 4. November 1998 als neue Betreiber die Türen auf. Sie bewirteten unter anderem Bill Clinton, Liza Minelli, Gerhard Schröder, Horst Köhler, Kurt Masur, Udo Jürgens und Otto Waalkes. Die Historie des Hauses und dass es in jedem Reiseführer steht, sorgte für einen kaum versiegenden Strom an Gästen.

Von Kerstin Decker

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