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Comic-Kurs im Knast - eine Premiere

Comic-Kurs im Knast - eine Premiere

Für Johannes, Mitte 30, war es "der wöchentliche Ausbruch aus dem Gefängnisalltag". Als einziger der Häftlinge hielt er vom Anfang bis zum Ende des ungewöhnlichen Projektes hinter Gittern - eines Comic-Kurses - durch: Jeden Mittwoch drei Monate lang zeichnete Kristin Meyer in der Justizvollzugsanstalt Leipzig (JVA) mit Gefangenen.

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Comic-Zeichnerin Kristin Meyer präsentiert den "Heftling", der Arbeiten der Gefangenen bündelt.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Eine Premiere im Knast. Einige der Arbeiten und Übungen vereint nun ein Heft - der "Heftling" soll künftig in Büchereien aller sächsischen Haftanstalten ausliegen und ausleihbar sein. Als Anregung, auch selbst zum Stift zu greifen.

Vielleicht waren es die verborgenen Talente Inhaftierter, die sie interessierten? Vielleicht auch der Blick hinter dicke Mauern? "Ich war neugierig auf den Ort hier", gesteht Meyer, die in Leipzig Kunstgeschichte und in Berlin Comic-Design studiert hat. Über den Verein "Kunst im Gefängnis" stellte die 34-Jährige den Kontakt zu Sozialarbeiterin und JVA-Sprecherin Susann Mielke her. "Ich habe schon viele Comic-Kurse gemacht. Aber hier interessierte mich: Welche Geschichten werden erzählt? Wie können sich diese besonderen Teilnehmer über ein nonverbales Medium ausdrücken?", erzählt die Zeichnerin, die zugleich auch Kunstvermittlerin in Leipzig ist. Für sie war es ein ehrenamtliches, ein reines Forschungsprojekt - "aus Interesse am Leben", so die junge Frau, die in Wismar geboren wurde und in Mecklenburg aufgewachsen ist.

"Am Anfang waren wir alle ganz schüchtern, haben ganz wenig gesprochen", erinnert sie sich lächelnd. "Letztlich war es eine Begegnung auf Augenhöhe. Ich fand es sehr bewegend, was wir für eine positive Atmosphäre geschaffen haben, sehr herzlich, sehr konzentriert." Für sie sei es dabei nicht relevant gewesen, warum jemand hinter Gittern gelandet sei. "Es wollte auch niemand explizit darüber reden."

Zunächst meldeten acht Insassen Interesse am Comic-Workshop an, dann kamen fünf, zum Schluss waren noch drei regelmäßig dabei. Mit dem Durchhaltevermögen sei es eben so eine Sache in der Haftanstalt, weiß Sozialarbeiterin Mielke aus Erfahrung, zudem würden Häftlinge öfter auch rasch verlegt. "Aus diesem Grund können wir uns hier beispielsweise auch keine großen Theaterproduktionen vornehmen." Comic-Formate indes passten "gut in die heutige Zeit", würden Insassen herausfordern, darüber nachzudenken: Was kann ich? Was interessiert mich? Wie kann ich in meinem Leben etwas ändern?

Johannes zeichnet schon länger, "er hat einen lockeren und flüssigen Strich", meint die Dozentin. Und Teilnehmer Christopher räumt ein: "Schwierig war es, sich Gedanken zu machen über Sachen, die man hier drinnen vermisst." Zum Beispiel über die Familie. Keine Straftat lohne sich, wenn der Preis dafür Haft sei, lautet sein Resümee. Natürlich sind Themen der Comics "die geschlossene Gesellschaft" - der Alltag in der Haft, die Suche per Haftbefehl, das Sich-Selbst-Stellen.

JVA-Chef Rolf Jacob unterstützt das Kunstprojekt, auch weil es die Teilnehmer als "kleine Oase der Freiheit im Gefängnis" empfinden würden, sich zudem Erfolgserlebnisse verschafften und der Kurs somit schon fast therapeutische Wirkung habe.

Die Druck- und Materialkosten für den "Heftling" hat der Verein "Leben ohne Fesseln" übernommen. Und wird es noch einmal tun: "Ende 2015 wollen wir den Kurs wiederholen", freut sich Meyer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.12.2014
Sabine Kreuz

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