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Lokales Cyber-Mobbing gegen Leipziger Ärztin
Leipzig Lokales Cyber-Mobbing gegen Leipziger Ärztin
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19:39 23.10.2015
Von Mobbing im Internet betroffen: Kerstin Hohdorf in ihrer Praxis für Nuklearmedizin im Klinikum St. Georg in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Chatten, surfen, skypen – die Internetnutzung gehört längst zum Alltag. Genauso gehören aber auch damit verbundene Schikanen dazu: Von Cyber-Mobbing sind längst nicht mehr nur Schüler und junge Erwachsene betroffen, die etwa von Gleichaltrigen tyrannisiert, beleidigt, bloßgestellt werden. Auch Unternehmen machen mittlerweile sehr unangenehme Erfahrungen.

Als Opfer einer solchen Cyber-Attacke sieht sich die Leipziger Fachärztin für Nuklearmedizin, Dr. Kerstin Hohdorf. Im Internet erhielt derjenige, der den Namen der Medizinerin bei der Suchmaschine Google eingab, über mehrere Monate hinweg die Information, dass ihre Praxis für Nuklearmedizin im Klinikum St. Georg in der Delitzscher Straße „Dauerhaft geschlossen“ sei. Die fatale Falschinformation wurde auch bei zig auf Google-Daten beruhenden Portaleinträgen verbreitet. Bis dato ist unklar, wer der Verursacher ist. Die 50-Jährige hat Strafanzeige erstattet. „Wir gehen der Sache nach, der Fall ist noch in Bearbeitung“, sagt Polizeisprecher Uwe Voigt. Es werde wegen Fälschung beweiserheblicher Daten ermittelt.

„Die Fehlinformation bedeutet nicht nur einen wirtschaftlichen Schaden, sondern auch eine enorme Rufschädigung“, ist die niedergelassene Ärztin überzeugt. Mit ihrem Team behandelt sie Patienten sowohl vom Klinikum, vor allem aber auch diejenigen, die sich nach einer Überweisung zur Diagnostik und Therapie in der Nuklearmedizin-Praxis anmelden. Einige Patienten seien wohl auch verunsichert worden, glaubt die Ärztin, die betont: „Die Attacke tangierte nicht unser internes Netz. Patientendaten sind nicht betroffen.“ Ihren Angaben zufolge befindet sich die Praxis seit Februar 2013 in komplexer Erneuerung, technisch sei hochgerüstet worden – auch in punkto IT-Sicherheit.

Hohdorf möchte offensiv mit dem Thema Mobbing-Angriff umgehen und die Öffentlichkeit sensibilisieren. Bekanntlich vergisst das Internet nichts, „selbst gelöschte Inhalte können wieder auftauchen“, warnt die Polizei auf ihrem Beratungsportal – im Internet. Dort ist nun der Fehleintrag zur betroffenen Praxis nach fünf Monaten gerade verschwunden.

Das Team sowie die für die Internet-Präsentation zuständige Designerin Katrin Ernst setzten dafür Himmel und Hölle in Bewegung, informierten über den Online-Angriff außer der Polizei auch die Ärztekammer, Anwälte sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik; betrieben mit hohem Zeitaufwand Schadensbegrenzung. „Die Ärztekammer zeigte sehr viel Verständnis, ein solcher Fall war ihnen auch völlig neu“, so die Fachärztin. Katrin Ernst: „Ein solcher Vorfall kann jeden treffen. Er kann existenziell sein.“

Die zur Beseitigung des Fehleintrages aufgeforderte Google Germany GmbH in Hamburg erklärte sich allerdings für nicht zuständig. In einem Schreiben heißt es: „Die Google Germany GmbH ist nicht die Betreiberin des Dienstes Google Maps. Bereit gestellt wird der Dienst allein von der Google Inc. mit Sitz in Mountain View, Kalifornien ... bitte wenden Sie sich an die Google Inc.“ Womöglich führte jetzt eine ständige Fehler-Meldung auf der Seite zum Erfolg. Was tatsächlich den Ausschlag für das Verschwinden des Falscheintrages gab, ist weithin unklar. „Das Gefährliche an Cyber-Mobbing ist die Tatsache, dass die Täter durch die Anonymität im Netz sehr lange unerkannt ihr Unwesen treiben können“, meint Designerin Ernst. „Die Strafverfolgung erschwert sich dadurch, dass Server im Ausland angemeldet sind, weshalb sie nicht unter deutsches Recht fallen“, meint sie.

Laut Polizeisprecher Uwe Voigt sind Unternehmen in der Leipziger Region zum Glück bislang nur in Einzelfällen betroffen. „Im letzten Quartal war das der einzige Fall.“ Sich vor Cyber-Mobbing zu schützen, sei „ganz schwer“. Bei Manipulationen sollte sofort Anzeige erstattet werden. Zudem seien regelmäßige Prüfungen von Sicherheits-Spezialisten ratsam. Aber: „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, so Voigt.

Von Sabine Kreuz

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