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Lokales DDR-Flair in der Karli – Kritik von Naturschützern
Leipzig Lokales DDR-Flair in der Karli – Kritik von Naturschützern
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22:00 20.07.2017
Die neuen Gehwegplatten wurden dem DDR-Design nachempfunden – ob sie rutschfest sind, wird sich im Winter zeigen. Der Baum im Hintergrund sollte weichen.   Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

 In der Karl-Liebknechte-Straße ist die Umgestaltung der Freifläche gegenüber dem Volkshaus abgeschlossen. Die in DDR-Zeiten entstandene Anlage hat weitgehend das Aussehen der frühen 60er Jahre zurückerhalten. Neben Lob war bei der offiziellen Freigabe auch Kritik zu hören: Statt Materialien aus der DDR-Zeit nachzuempfinden, hätten schalldämpfende und schall-absorbierende Baustoffe verwendet werden müssen, hieß es mit Verweis auf den heute deutlich stärkeren Verkehrslärm auf der Karli. Naturschützer kritisierten die ebenfalls auf die DDR-Zeit zurückgehende Pflanzenauswahl. Statt dieser hätten viel mehr heimische Pflanzen in den Boden kommen sollen, die Vögeln und Insekten Nahrung bieten, hieß es.

Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) nannte die Freifläche trotzdem ein „Kleinod“ und lobte die DDR-Planer dafür, dass sie ihre Wohnbebauung nicht mehr direkt an der Straße, sondern versetzt platziert haben. Dort war im Zweiten Weltkrieg eine Häuserzeile zerbombt worden. Auch Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) attestierte den eingesetzten Unternehmen, dass sie das Areal in einen „sehr gepflegten und sehenswerten Zustand“ versetzt haben. Die eingesetzten 552 000 Euro seien „gut angelegtes Geld“.

Doch auch bei diesen Reden zeigte sich, dass die Kritiker nicht ganz unrecht haben: Bürgermeisterin Dubrau musste ihre Rede unterbrechen, weil sie nicht gegen das Donnern einer Straßenbahn ankam, die knapp 30 Meter entfernt auf der Karli fuhr. „Die Anlage wirkt jetzt wie ein Schalltrichter“, warf ihr daraufhin der Connewitzer Uwe Bachmann vor. „Wenn es vor dem Umbau Lärmmessungen gegeben hätte, würde sich zeigen, dass es jetzt in der Anlage und bei den Anwohnern deutlich mehr Lärm gibt als vorher.“ Und Anja Werner vom Umweltbund Ökolöwe bedauerte, dass die vom Bund zugearbeitete Pflanzliste nicht von den Planern verwendet wurde. Der Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer Rüdiger Dittmar entgegnete, dass an der Einmündung ein farbenprächtiges Hochbeet angelegt wurde, das zahlreiche Insekten anlockt, die dort Nahrung finden.

Wie berichtet, hatten die Ökolöwen auch den Schulterschluss mit Anwohnern geprobt, die die geplante Fällung zahlreicher alter Bäume kritisierten. Gemeinsam gelang es, einen großen Teil von diesen zu erhalten; sie spenden jetzt weiter Schatten, binden Feinstaub und reduzieren Lärm. Die Bäume sollten weichen, weil sie in den alten DDR-Plänen nicht vorgesehen waren.

Experten des Amtes für Stadtgrün und Gewässer betonten gestern, dass das letzte Wort beim Erhalt der alten Bäume noch nicht gesprochen ist. An der benachbarten Karl-Liebknecht-Straße seien vor einigen Monaten Platanen in den Boden gekommen – wenn diese etwas höher gewachsen seien, werde es vielleicht doch noch möglich, die nicht vorgesehenen Bäume zu fällen, hieß es. Neu ist auch eine Anlehnstange für Fahrräder, die an der Ladenzeile angebracht wurde. Sie war notwendig, um die dort zuletzt vorhandenen queren Fahrradständer zu beseitigen: Diese hätten die heute vorgeschriebene Feuerwehrzufahrt blockiert.

Von Andreas Tappert

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