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Lokales DOK Leipzig: Künstler protestieren gegen türkische Regierung
Leipzig Lokales DOK Leipzig: Künstler protestieren gegen türkische Regierung
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14:08 08.11.2016
Die Protestierenden richteten sich auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel.  Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Die Festnahme führender Politiker der prokurdischen Partei HDP in der Türkei schlägt international hohe Wellen. Die Ausläufer reichen sogar bis nach Leipzig. Am Freitagnachmittag haben rund 20 Künstler des Dokumentarfilmfestivals DOK Leipzig vor dem Museum der bildenden Künste gegen das Vorgehen der türkischen Regierung demonstriert.

„Wir sind alle entsetzt, was dort gerade passiert“, erklärte die deutsch-türkische Regisseurin Ayşe Polat. „Die Türkei wird immer mehr zu einem faschistischen Land.“ Besonders für Kunstschaffende sei die aktuelle Lage sehr riskant. Mit dem Protest wollte Polat zusammen mit ihren Kollegen den unterdrückten Menschen in dem Land eine Stimme geben. Der Zeitpunkt sei allerdings sehr spontan gewesen und hänge unmittelbar mit dem harten Vorgehen der türkischen Sicherheitsbehörden gegen die prokurdische Partei HDP zusammen.

Hintergrund: Wie der staatlich-türkische Sender TRT in der Nacht zum Freitag mitteilte, wurden die beiden HDP-Vorsitzenden Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ im Zuge von Terrorermittlungen verhaftet. Die beiden Politiker gehören dem türkischen Parlament an. Allerdings wurde ihre Immunität – wie bei zahlreichen anderen HDP-Abgeordneten auch – im vergangenen Mai auf Betreiben von Präsident Recep Tayyip Erdoğan aufgehoben. Die HDP gilt als drittgrößte Partei des Landes.

Schwerpunktland mit trauriger Aktualität

Die Protestierenden vor dem Leipziger Bildermuseum wiesen auf die strikte Zensur hin, die es im kurdischen Teil der Türkei gebe. Zum Beispiel sei dort das Internet vollständig abgeschaltet worden. Sie machten auf die Verhaftung des Chefredakteurs der regierungskritischen Tageszeitung Cumhuriyet aufmerksam. Und sie forderten die europäische Gemeinschaft auf, nicht zu still bleiben im Angesicht der türkischen Vorfälle. Mithin richteten die Demonstrierenden eine direkte Botschaft an Angela Merkel: Die Bundeskanzlerin solle endlich die Unterstützung für Präsident Erdoğan beenden.

Die jüngste Verhaftungswelle in der Türkei erzeugt auch deshalb ein großes Echo in Leipzig, weil das Land in diesem Jahr beim DOK den Länderfokus einnimmt. „Das ist vermutlich einer der aktuellsten Länderschwerpunkte, die das Festival je hatte“, betonte DOK-Direktorin Leena Pasanen im Vorfeld der Eröffnung der Filmwoche. Mit der Situation in der Türkei befassen sich insgesamt 18 Kurz- und Langfilme. Sie entstammen überwiegend den Jahren 2015 und 2016 und stehen allesamt unter dem Motto „Schatten des Halbmondes“. Das 59. DOK Leipzig läuft noch bis Sonntag.

Von Matthias Klöppel

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