Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Da braut sich was zusammen: Leipziger Ratskeller steigt auf eigenes Bier um
Leipzig Lokales Da braut sich was zusammen: Leipziger Ratskeller steigt auf eigenes Bier um
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:03 20.04.2018
Quelle: Andre Kempner
Leipzig

„Sagt mal, was habt ihr denn da?“ werden die Leute vom Leipziger Ratskeller jetzt öfter gefragt. Zwei kupferne Sudkessel mitten im Gastraum ziehen die Blicke auf sich. Vorerst blubbert in den 1000-Liter-Kesseln noch keine Würze – offizieller Einweihungstermin ist der 21. März. Erst wenn auch die zwölf Gär- und Lagertanks im Keller stehen, kann die „Ratskeller Braumanufaktur“ in Betrieb gehen.

Denn: Das Traditionslokal am Burgplatz braut sein gesamtes Bier jetzt selbst. „Wir wollen unseren Gästen etwas Eigenes anbieten, handwerkliches Bier, das wir hier vor Ort selbst machen“, sagt Ingo Winkler (55), Inhaber und Geschäftsführer des Lokals. So wie der Ratskeller schon eigenen Käse, eigenen Wein, eigene Spirituosen auf der Karte hat. Demnächst kommt Treiberbrot aus dem eigenen Steinbackofen hinzu. Die Bier-Idee sei im Team schon vor Jahren aufgekommen. Nach dem Besuch der Brauereimesse in München vor vier Jahren wurden die Pläne dann konkret. Begünstigt auch durch den Umstand, dass es Brauanlagen immer preiswerter zu kaufen gibt. Für den Hausgebrauch schon ab 2500 Euro – für große Anlagen geht’s hoch bis zu Millionenbeträgen. Der Ratskeller hat reichlich 500 000 Euro investiert. Eine Anschaffung, die in drei bis fünf Jahren refinanziert sein soll.

Ratskeller-Chef Ingo Winkler (rechts) und sein Braumeister Norman Jung. Quelle: Andre Kempner

Die Trennung vom bisherigen Hauslieferanten, der Krostitzer Brauerei, ist bereits vollzogen worden. Denn eigentlich ist der Ratskeller schon Mitte November komplett auf eigenes Bier umgestiegen – vorerst wird es aber noch außer Haus nach eigener Rezeptur gebraut. „Die Resonanz der Gäste ist super, 95 Prozent sind begeistert“, sagt Winkler. Nicht ganz so begeistert war Wolfgang Welter, Chef der Krostitzer Brauerei, als er einen Kunden verlor. Aber er kann damit leben: „Bei der Menge Bier, die insgesamt getrunken wird, fällt das nicht ins Gewicht.“ Den Trend zur Hausbrauerei sieht er eher skeptisch: „Man muss einen langen Atem haben dafür. Klar, die Anlagen sind relativ preiswert, aber man muss auch eine Menge Hektoliter verkaufen, sonst rechnet es sich nicht.“ Deshalb glaubt der 59-Jährige eher an eine Modeerscheinung, die in zwei bis drei Jahren, wieder abebbt.

Nicht so, wenn es nach Norman Jung geht. Der 30-jährige Leipziger ist der Braumeister des Ratskellers. Streng nach dem deutschen Reinheitsgebot braut er künftig Helles, Schwarzbier und Weizenbier, dazu je nach Saison Bockbier, Märzen, Weihnachtsbier oder Gose. Der junge Mann hat (ausgerechnet!) in Krostitz sein Handwerk gelernt, anschließend in München seinen Meister gemacht. Er arbeitete in Thüringen, auf dem Urlauberschiff Aida und zuletzt in Halle. Mit dem Ratskeller steht er seit zwei Jahren in Kontakt, hat die Gründung der Braumanufaktur nach seinen Wünschen mit vorbereitet Ab März bildet Meister Jung einen Brauer- und Mälzer-Azubi aus. Die beiden werden vorwiegend im Gärkeller anzutreffen sein, wo sie Bier mit Hefe versetzen, die Gärung kontrollieren, das Bier von Tank zu Tank umpumpen oder in Flaschen abfüllen. Das Ratskeller-Bier wird auch außer Haus verkauft und auf Wunsch an andere Gaststätten geliefert.

Kleine Handwerksbrauerei als Alternative zum Bier industrieller Großhersteller – für Holm Retsch vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga kommt darin das Bedürfnis zum Ausdruck, sich mit einem Alleinstellungsmerkmal von anderen Lokalen abzuheben. „Nur wer als Gastronom ein besonderes Angebot hat, wird mittel- und langfristig ein gutes Geschäft machen.“ Weitere Trends zur Individualisierung sind Bio, Fair Trade und Vegan. Oder die Kombination von Gastronomie mit Unterhaltung – sprich Rockopern, Musicalshows oder andere thematische Programme zum mehrgängigen Menü.

Von Kerstin Decker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Leipzig wird ab März ein Bahnhof für Reise- und Fernbusse errichtet. Ende 2017, wenn der Probebetrieb für das 15-Millionen-Euro-Projekt neben dem Hauptbahnhof startet, sollen die Passagiere deutlich mehr Komfort finden.

28.01.2017

18.500 Sprungfedern in 132 Trampolinen auf 2700 Quadratmetern Sprungfläche – im Leipziger Westen öffnet am Freitag der bisher größte Trampolin-Park Deutschlands. Was die Messestadt erwartet, zeigen erste Einblicke in die Halle.

25.01.2017

Im Pavillon der Hoffnung auf der Alten Messe in Leipzig ist am Dienstag ein neuer Indoor-Spielplatz eröffnet worden. Unter dem Motto "PlayTogether" sollen hier Flüchtlingskinder und Kinder aus einkommensschwachen Familien gemeinsam spielen.

25.01.2017