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23:59 22.04.2014
Meissener Porzellan in Bahnhof-Besitz: Die Bodenvase (rechts), der Buddha und die Deckelvase wurden 1915 zur Hauptbahnhof-Eröffnung fürs Fürstenzimmer ausgeformt. Quelle: Andreas Döring

Diesmal: Der Hauptbahnhof.

In den 1,3 Millionen Kubikmeter umbauten Raum fahren täglich gut 1000 Züge ein und aus. Bis zu 120 000 Menschen, davon gut die Hälfte Reisende sind pro Tag unterwegs. Mit einer Fläche von fast 84 000 Quadratmetern war er bislang der flächenmäßig größte Kopfbahnhof Europas.

76 Architekten stellten sich 1906 dem ausgeschriebenen Wettbewerb für den Bau.

Im sonst spiegelverkehrten Bau gibt es an der knapp 300 Meter breiten Fassade nur einen Unterschied: der überdachte Fürstenzugang auf sächsischer Seite.

Auf 3125 Pfählen gegründet, wächst der Bau, der sechs Einzelbahnhöfe ersetzen und die Aura einer römischen Therme ausstrahlen soll, aus gelblichem Elbsandstein, Beuchaer Diorit und Stahlbeton in die Höh'.

Aus der Ausstattung der Fürstenzimmer im Ostseite-Eckgebäude sind vier Stücke Meissener Porzellan erhalten. Sie sind nach wie vor in Bahn-Besitz und per Vertrag ans Stadtgeschichtliche Museum ausgeliehen.

Nach der Einrichtung einer "Tauben-Vergrämungsanlage" vor gut 15 Jahren lebten nur noch fünf Exemplare in den riesigen Hallen, die von Bahnern auf Berta, Erna, Frieda, Fritz und Otto getauft wurden.

In früheren Jahren waren hier unter anderem ein Zeitkino, ein Kindergarten und eine Kegelbahn beheimatet. Zu Beginn ebenso eine Auswanderer-Registrierstation, später in den Katakomben Räume für die Stasi.

Ein letzter Rest des ursprünglich mal geplanten und begonnenen Tunnels auf der Ostseite zum Bayerischen Bahnhof liegt versteckt im heutigen Parkhaus.

Mittlerweile tickt die vierte Uhren-Generation in den Hallen.

Bis 1934 treffen sich die Vorsteher beider Stationen Punkt 9 Uhr zum Uhrenvergleich.

In den 1930er-Jahren gibt es die Idee, einen Flugplatz auf dem Dach zu installieren.

Von den Bahnsteigsperren, an denen einst Bahnsteigkarten abgerissen wurden, existiert noch ein Exemplar, das zum 100. Jahrestag 2015 wieder gezeigt werden soll.

Die ersten Montagsdemos nach 1989 richteten sich Mitte der 1990er-Jahre gegen den Umbau samt geplanter Verwandlung der Gleise 25 und 26 in ein Parkhaus.

Nach dem Krieg wurden die Dächer der Lichthöfe als Gemüsegärten genutzt, rund 40 Wohnungen unterm Dach sowie eine Turnhalle befanden sich in dem weitläufigen Gebäude.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.04.2014

Karsten Kammler, Martin Pelzl

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