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Lokales Dank des Klimawandels: Gottesanbeterin ist auch in Leipzig angekommen
Leipzig Lokales Dank des Klimawandels: Gottesanbeterin ist auch in Leipzig angekommen
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00:20 13.10.2017
Die Gottesanbeterin hat ihren Namen von den „betenden“ Vorderbeinen, mit denen sie ihre Beutetiere einfängt. Quelle: Foto: Thomas Schmitt, Senckenberg-Institut
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Leipzig

Sie hat den Sprung über die Alpen geschafft und ist eine Gewinnerin des Klimawandels: Die Gottesanbeterin gehört zu den Arten, die sich nach Norden ausbreiten. Ursprünglich stammt das „Insekt des Jahres 2017“ aus Afrika. Laut Senckenberg-Institut für Entomologie dürfte es mit steigenden Temperaturen immer weiter nördlich heimisch werden.

Ihren Namen hat die Gottesanbeterin von ihrer typischen Pose: Mit angewinkelten, „betenden“ Vorderbeinen geht sie auf Nahrungssuche. Langsam pirscht sie sich an ihre Beute heran, meist kleine Insekten, aber auch mal Frösche, Eidechsen oder Mäuse. Ist das Beutetier in Reichweite, wird es mit großen Facettenaugen fixiert, und die beiden dornenbewehrten Fangbeine schnellen auf das Beutetier zu. „Besonders bekannt ist die Gottesanbeterin für ihr außergewöhnliches Paarungsverhalten. Gelegentlich kostet die Fortpflanzung das männliche Tier im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf: Das Weibchen verspeist ihn während oder nach der Paarung“, berichtet Instituts-Direktor Thomas Schmitt. Das passiert jedoch nicht zwingend – oft endet das Liebesleben für beide Partner ohne Schäden.

Im Raum Leipzig sind die ersten Gottesanbeterinnen 2014 gesichtet worden, sowohl erwachsene Tiere als auch Eipakete, sogenannte Ootheken. Gefunden wurden sie im Gebiet des Werbeliner Sees, aber sie dürften im gesamten Nordraum von Leipzig zu erwarten sein. In Ostsachsen tauchten sie sogar schon deutlich eher auf, nämlich 2003.

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist die einzige Vertreterin der Ordnung „Fangschrecken“ in Mitteleuropa. In Sachsen ist sie extrem selten und darf weder gefangen noch gehalten werden. Umso wichtiger ist es für Naturschützer zu wissen, wo sich Vorkommen befinden. In Deutschland sind die Tiere in der Roten Liste der Geradflügler in die Kategorie 3 („gefährdet“) eingruppiert und besonders geschützt.

Besonders wohl fühlen sich die Insekten, die mit keinem anderen Insekt zu verwechseln sind, in locker bewachsenem Offenland. Sie leben an Gräsern, Kräutern, Stauden und kleinen Sträuchern. Die Weibchen haben einen dickeren Hinterleib und werden etwa 7,5 Zentimeter lang, die Männchen etwa sechs Zentimeter. Die Tiere sind grün oder braun gefärbt und meist gut zu erkennen.

Die Eipakete werden ab Ende August an krautigen Pflanzenstängeln oder auf Steinen abgelegt. Sie sind etwa so groß wie ein kleiner Finger und überdauern den Winter. Eine Oothek besteht aus einer schnell erhärtenden Schaummasse mit bis zu 200 Eiern. In diesen Gebilden können die Larven auch sehr kalte Temperaturen überstehen, während die erwachsenen Tiere vor Beginn des Winters sterben. Im nächsten Sommer schlüpfen die sechs Millimeter kleinen Larven aus den Eipaketen. In wenigen Wochen und nach sieben Häutungen sind sie ausgewachsen. Und der Kreislauf beginnt von vorn: Im August bis Oktober legen die neuen Gottesanbeterinnen neue Eier ab. Falls jetzt im Herbst noch ein paar Tage mit schönem Wetter kommen, sind die Gottesanbeterinnen und die ersten Eipakete auf krautiger Vegetation zu entdecken.

Für Funde, am besten mit Foto und Lageskizze, interessiert sich die ehrenamtliche Mantis-Suche. Meldungen bitte an Ralf Mäkert, Naturschutzinstitut Region Leipzig, Bertolt-Brecht-Straße 9, Tel. 0341 23486080, E-Mail: nsi_leipzig@t-online.de

Von Kerstin Decker

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