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Lokales Darmkeim-Ausbruch: Keine Ermittlungen gegen Leipziger Uni-Klinik
Leipzig Lokales Darmkeim-Ausbruch: Keine Ermittlungen gegen Leipziger Uni-Klinik
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01:00 05.10.2013
Untersuchung von Bakterienkulturen an Leipziger Universitätsklinik. (Archivfoto) Quelle: dpa

Nach dem Vorliegen von zwei Gutachten und intensiven eigenen Recherchen hat die Justiz jetzt den Prüfvorgang zu dem zwischen 2010 und 2012 am Leipziger Uni-Klinikum (UKL) erfolgten Darmkeim-Ausbruch abgeschlossen. Auf LVZ-Anfrage erklärte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz gestern, es werde "mangels zureichender Anhaltspunkte für eine Straftat" kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Wie berichtet, hatte die Behörde im Juni vorigen Jahres von Amts wegen Vorermittlungen aufgenommen, nachdem bekannt geworden war, dass es am UKL die deutschlandweit größte Infektionswelle mit dem weitgehend gegen Antibiotika resistenten Bakterium Klebsiella pneumoniae (KPC) gegeben hatte. Wenn der Erreger in die Blutbahn gelangt, kann er verheerend wirken. Nach dem KPC-Erstnachweis im Sommer 2010 griff der Erreger um sich, bis zum Juni 2012 traten mehr als 70 Fälle auf, die mit dem Tod von zahlreichen Patienten in Verbindung gebracht wurden. Wegen verspäteter Meldung der KPC-Problematik an das hiesige Gesundheitsamt leitete dieses ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen das UKL ein.

Ein eingeschalteter externer Infektiologe hatte im Juni dieses Jahres in seinem Gutachten darauf verwiesen, dass bei den von ihm analysierten 39 Sterbefällen sieben offenbar in einem unmittelbaren Zusammenhang mit KPC stehen. Alle Patienten hätten an schwersten Grunderkrankungen gelitten, hieß es in dem Dossier. Auch das bundesweit agierende Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) war in die Aufklärung eingeschaltet worden. Die Fachleute übermittelten ihren Abschluss- bericht vor einiger Zeit an das sächsische Sozialministerium, das UKL und die Staatsanwaltschaft. Details sind unter Verschluss, die Zusammenfassung liegt der LVZ aber vor. Demnach nahmen die Spezialisten 72 Fälle unter die Lupe, bei denen rund die Hälfte der Betroffenen eine "klinisch manifeste Infektion" entwickelten und "47 Prozent der Patienten verstorben sind". Fest stehe, dass bei den Schwerstkranken, die KPC hatten, ein deutlich höheres Sterberisiko bestand, als bei jenen ohne Infek- tion - und zwar unabhängig von Alter und Geschlecht.

Kritisiert wird, dass die rektalen Screening-Untersuchungen, also bestimmte Tests auf KPC, nicht systematisch über den gesamten Ausbruchszeitraum durchgeführt und die Screening-Kriterien "erst sehr spät erweitert" und damit dem Ausmaß des Geschehens angepasst wurden. Auch eine Reihe von Laborbefunden sei zunächst falsch gewesen. Erst durch den Einsatz einer spezifischeren und schnelleren Nachweismethode habe sich die Situation geändert. Hintergrund: Die betreffenden Keime sind solche, die ein Enzym namens Carbapenemase bilden und damit viele Antibiotika unwirksam machen.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft liegen weder Anhaltspunkte für einen strafrechtlich relevanten Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz noch für den Anfangsverdacht einer fahrlässigen Körperverletzung beziehungsweise fahrlässigen Tötung vor. "Ein strafrechtlich relevanter Kausalitätsnachweis zwischen den Beanstandungen des RKI und den eingetretenen KPC-Infektionen konnte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht erbracht werden", so Schulz. Von der Eröffnung eines Emittlungsverfahrens werde abgesehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.10.2013

Mario Beck

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