Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Das Muldental kommt in Fahrt – und auch Leipzig soll profitieren
Leipzig Lokales Das Muldental kommt in Fahrt – und auch Leipzig soll profitieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 13.07.2017
Betriebsaufnahme der neuen Busline 613 zwischen Colditz und Bad Lausick am 11.12.2016 auf dem Markt in Colditz (Sachsen). Quelle: Christian Modla
Anzeige
Leipzig

Vom 7. August an wird es im Landkreis Leipzig einen regelrechten Quantensprung geben: Das Modellvorhaben „Muldental in Fahrt“, mit denen der Landkreis Leipzig, der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) sowie diverse Partner den öffentlichen Nahverkehr in dieser Region neu ausrichten möchten, startet. Im Kern geht es darum, die Bewohner der ländlichen Region per Bus besser zu den Zügen und zurück zu bringen. Das verbesserte Angebot hat auch Auswirkungen auf die Pendler, die zur Arbeit nach Leipzig oder ins Umland wollen.

Immerhin: Rund 7500 Menschen pendeln werktäglich aus der Modellregion nach Leipzig, etwa 1900 in die entgegengesetzte Richtung. Der MDV hofft, dass viele von ihnen aufs Auto verzichten, wenn der öffentliche Nahverkehr besser ausgebaut ist. Aber auch Erholungssuchende und Touristen können einige Ziele künftig bequemer ohne eigenes Gefährt erreichen.

Einfacher nach Leipzig kommen

Bewohnern der Modellregion wiederum wird es leichter gemacht, zum Samstag-Shopping ohne Auto nach Leipzig zu kommen. Nicht zu vergessen: die vielfältigen Freizeitangebote in beiden Regionen. „Wir wollen den Verkehrsraum deutlich besser erschließen, als es schon mit dem S-Bahn-Netz gelungen ist“, so Steffen Lehmann, der Geschäftsführer des MDV: „Das ist unser Zukunftsmodell.“

 Die Ausgangslage: Derzeit sind viele Linien im Umland auf den Schulverkehr ausgerichtet. In den Ferien oder an den Wochenenden ist oft „tote Hose“. Dabei machen Schüler nur zehn Prozent der Einwohner der Modellregion um die Kernstädte Bad Lausick, Brandis, Grimma und Colditz aus. Ab August soll sich das für alle ändern. „Wir möchten ein ganztägig vertaktetes Angebot“, so Ron Böhme, Fachbereichsleiter Verkehrsplanung beim MDV.

60 statt 30 Orten

Linien sollen im Ein- oder Zwei-Stunden-Takt bedient und ideal vernetzt werden – auch mit der S-Bahn und Regionalzügen. Mit vier Linien wurde „Muldental in Fahrt“ bereits im Dezember 2016 gestartet. 29 der 35 Linien bekommen nun einen neuen Lauf, die Anzahl der Haltestellen erhöht sich von 270 auf 336. Die Anzahl der Plus-Bus-Linien, die stündlich fahren, verdoppelt sich von 6 auf 12. Fast 60 Orte werden im Taktverkehr auch am Wochenende angebunden, bislang waren es 30.

Regionalbus Leipzig hat 18 zusätzliche Busse verschiedener Größen gekauft sowie die notwendigen Fahrer eingestellt. Künftig werde es auch Rufbusse geben. „Der Freizeitverkehr spielt zunehmend eine größere Rolle, deshalb sind gute Verbindungen an den Wochenenden notwendig“, so Lehmann. Ein Beispiel: Mit der S-Bahn kommen die Leute zwar gut nach Grimma, Von dort aus geht es allerdings oft schlecht weiter – etwa zum Muldentalradweg.

Ausflugsziele leicht erreichbar

Leipzigs Tourismuschef Volker Bremer, der auch die Region vermarktet, bestätigt dies. So decke der MDV acht S-Bahn-Linien, 29 weitere Zuglinien im Nahverkehr, 33 Straßenbahnlinien und mehr als 500 Buslinien ab. „Das ist ein sehr weitreichendes Angebot, wenngleich davon vor allem die Städte profitieren, deren Ausflugsziele am S-Bahn-Netz liegen und die auch am Wochenende mit Bus und Bahn zu erreichen sind.“ Für viele Orte im ländlichen Raum, die unzureichend angebunden sind, gebe es aber noch erhebliche Potenziale.

Mit einer Verbesserung des Nahverkehrs will die Region ebenfalls vom Bevölkerungswachstum des Oberzentrums Leipzig profitieren, wo beispielsweise preiswerter Wohnraum knapp wird. Es geht aber auch um Arbeitsplätze. „Viele Unternehmen bekommen keine Fachkräfte mehr, da viele kein Auto haben“, so Landrat Henry Graichen (CDU).

Ein Beispiel sei aber auch der Freizeitpark Belantis, der Servicekräfte braucht. Auch der Auenhain hatte Probleme, Azubis zu finden. Ein positives Beispiel sei nun die Buslinie 106, die in der Saison Cospudener, Markkleeberger und Störmthaler See abdeckt. Geplant ist, das Projekt auf weitere Verbundräume auszuweiten. „Jetzt müssen wir aber erst einmal Ergebnisse liefern“, so Lehmann.

Mathias Orbeck

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Leipzig bekommt sein Luftverschmutzungsproblem einfach nicht in den Griff. Seit Jahren reißt die Stadt die Grenzwerte, besonders für gesundheitsgefährdende Stickoxide. Nun könnte ausgerechnet der Bauboom auf lange Sicht zu besserer Luft beitragen, durch besondere Dächer.

13.07.2017

Nach Streiks im Einzelhandel ruft die Gewerkschaft Verdi erneut zum Ausstand auf: Sachbearbeiter bei Versicehrungen wollen am Dienstag in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ihre Arbeit niederlegen. Schwerpunkt soll Leipzig sein.

10.07.2017

Heftige Gewitter mit Starkregen haben am Montag in Leipzig Straßen und Keller überflutet. Die Feuerwehr musste zu vielen Einsätzen ausrücken. Die Polizei sperrte die Auffahrt zur B2 an der Richard-Lehmann-Straße.

11.07.2017
Anzeige