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Das Neue Leipziger Familienorchester startet durch und sucht Mitspieler

„Man muss Musik draus machen“ – Soloschlagzeuger Renè Scipio tauscht Stöcke mit Dirigentenstab Das Neue Leipziger Familienorchester startet durch und sucht Mitspieler

Freude am Musizieren führt sie zusammen. Das Neue Familienorchester Leipzig hat sich gerade gegründet und probt unter der Leitung von René Scipio in der Musikschule Tonicum.

Das Neue Familienorchester Leipzig unter seinem Dirigenten René Scipio bei der Probe in der Musikschule Tonicum.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. „Down by the Riverside“ schallt es aus den geöffneten Fenstern im zweiten Stock der Wittenberger Straße 5. Ein kraftvoller Bläsersound, untermalt mit Schlagzeug-, Gitarren- und Akkordeonklängen, der sich ins Ohr schmeichelt. Auch wenn ab und zu mal ein Ton aus der Spur rutscht.

Hier in der Musikschule Tonicum probt zum zweiten Mal das frisch gegründete Neue Familienorchester Leipzig. Vorn schwingt René Scipio (42) den Taktstock. „Bam, bam, bam – das ist das Tempo. Tim, ist noch etwas unklar?“, fragt er den 14-jährigen Altsaxofonisten. „Heinz, die vier Takte vor Ziffer 3 fallen weg“, erklärt er geduldig dem 82-jährigen Klarinettisten. Der Dirigent, der hauptberuflich 1. Soloschlagzeuger an der Leipziger Oper ist und im Orchester der Musikalischen Komödie spielt, nimmt die Probe sehr genau, wiederholt geduldig, setzt auf Exaktheit. Es dauert lange, bis er lobt. „Fatima, forte blasen, ja, das war prima“, sagt er zu der 15-jährigen Saxofonspielerin. „Mezzoforte, Fortissimo, dann Pianissimo“, gibt er das Tempo vor. „Sehr gut“, lobt er nach dem letzten Ton das ganze Orchester.

Fatima Daffeh  (15)

Fatima Daffeh (15)

Quelle: Andre Kempner

Renè Scipio hat schon reichlich Erfahrungen gesammelt mit einem Laienorchester, in dem sich Musiker aller Altersgruppen und unterschiedlicher Leistungsgrade zusammenfinden. Er baute in seiner Freizeit ab 2008 das Erste Leipziger Familienorchester auf, das im Rahmen des Programms „Musik macht schlau“ im Geyserhaus ins Leben gerufen wurde. Auch die meisten Mitglieder des Neuen Familienorchesters kennen sich bereits durch das gemeinsame Musizieren im Geyserhaus. Scipio schrieb für die einzelnen Orchestermitglieder die Arrangements nach ihren Fähigkeiten, damit sich alles zu einem harmonischen Klangbild zusammenfügte. Bei den öffentlichen Konzerten erwies er sich zudem als talentierter Entertainer und führte unterhaltsam durch die Programme, die von Schumann über Gershwin bis zu Udo-Jürgens-Titeln reichten. 2015 wurde er für sein Engagement mit dem Ehrenamtspass ausgezeichnet. Doch dann kam es zum Zerwürfnis zwischen dem Dirigenten und dem Geyserhaus, so dass er für das Orchester, von dem viele gern unter seiner Leitung weitermusizieren wollten, eine neue Bleibe suchte. Diese fand er in der Musikschule Tonicum. Sie erfüllte die Voraussetzung, dass große Instrumente wie Klavier und Schlagzeug zur Verfügung stehen – ebenso wie die Tontechnik. Zudem spielt Corinna Stieler (32), die die Musikschule zusammen mit Frank-Michael Jirka führt, schon seit längerem als Saxofonistin im Familienorchester mit. Allerdings wird das Neue Familienorchester nicht mehr gesponsert und muss daher 12,50 Euro im Monat von den Mitgliedern verlangen – Tonicum-Schüler zahlen ermäßigt.

Das Neue Familienorchester Leipzig

Das Neue Familienorchester Leipzig.

Quelle: Andre Kempner

Die Trennung Scipios vom Geyserhaus beschert Leipzig nun zwei Familienorchester, das Neue und das Erste. Denn auch das Geyserhaus will die Tradition fortführen. Auch dort ist der Neuaufbau des Klangkörpers aus alten und neuen Mitgliedern in vollem Gange. „Die Idee stammt ja von uns“, sagt Florian Schetelig, der Projektleiter am Geyserhaus. „Wir möchten auch weiterhin allen Menschen, gerade auch sozial Benachteiligten, die kostenfreie Teilnahme am Orchester ermöglichen. Wir bedauern den Weggang von René Scipio sehr. Mit Bernd Brückner, der auch das Musikschulorchester im Muldental leitet, haben wir aber jetzt einen würdigen Nachfolger gefunden, um die Tradition fortzusetzen“, so Schetelig.

Tim Engelhardt (14)

Tim Engelhardt (14)

Quelle: Andre Kempner

Heidrun Mehr, die zu den Gründungsmitgliedern des Familienorchesters im Jahr 2008 gehörte und die nun in der Musikschule Tonicum ihr Akkordeon zum Klingen bringt, erzählt, wie viel Freude ihr das Musizieren mit Jung und Alt macht. Sie erinnert sich, wie Scipio „aus einer zusammengewürfelten Gruppe ein Orchester geformt hat, das auch anspruchsvolle Titel spielen kann“. Das muss er nun wieder schaffen. „Und das wird er“, ist die 72-jährige ehemalige Akkordeonlehrerin überzeugt, weil er mit viel Liebe und Temperament an die Arbeit gehe. Für sie, die im Orchestervorstand ist, bedeuten der Zusammenhalt und das gemeinsame Musizieren sehr viel.

Ähnlich geht es Heinz Eisenhardt, der 2008 aus der LVZ von der Gründung des Familienorchesters erfuhr, sich seine Klarinette schnappte und ins Geyserhaus fuhr. „Nach dem Tod meiner Frau habe ich dadurch einen neuen Lebensinhalt gefunden. Und ich habe noch nie so exakte Proben erlebt wie bei René“, sagt der Laienmusiker, der seit seiner Jugend in zahlreichen Bands musiziert hat. Der Älteste im Orchester ist der fast 83-Jährige aber nicht mehr. Denn seit einem halben Jahr verstärkt der 84-jährige Werner Hänze mit seiner Posaune den Klangkörper. Die beiden Senioren kennen sich aus gemeinsamen Jahren bei den Plagwitzer Musikanten.

Werner Hänze (84)

Werner Hänze (84)

Quelle: Andre Kempner

Ganz neu ist das Musizieren im Orchester für Fatima Daffeh und Tim Engelhardt. Beide lernen erst seit rund einem Jahr bei Tonicum das Saxofonspiel, sitzen nun neben ihrer Lehrerin Corinna Stieler und versuchen, gut mitzukommen. Ein Orchester gab es bisher nicht an der Musikschule. Die 15-jährige Fatima sieht das Mitspielen daher als gute Chance, auch wenn sie, wie sie einräumt, noch Schwierigkeiten habe, mitzukommen. Tim stimmt zu und findet die Lieder, die gespielt werden, ganz gut. Ihre Lehrerin lobt beide als „sehr begabt“.

Hat das Familienorchester schon mal jemanden weggeschickt, der mitspielen wollte? „Ja, eine singende Säge“, lacht Musikschulchef Jirka, der die allererste Probe 2008 leitete und dann an Scipio übergab. Das war gleich am Anfang. „Da kam jemand mit einem größeren Fuchsschwanz und einem Geigenbogen, das klang gut, aber es war schwer, das zu arrangieren, wie soll man das schreiben“, erzählt er.

Inzwischen erklingen Weihnachtslieder. Ein buntes Medley von „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ über „Lasst uns froh und munter sein“ bis zu „O du fröhliche“ füllt den Probenraum. Die Musiker des Orchesters – etwa 20 von 25 sind da – proben für ihr Weihnachtskonzert am 4. Dezember in Schönefeld. „Ich packe nicht gleich die Peitsche aus, wenn etwas nicht stimmt“, meint Scipio. Gerade auf die Neuen nehme er Rücksicht. „Aber sich einfach hinzusetzen und etwas abzuspielen, das reicht nicht. Man muss Musik daraus machen“, so der Leiter des Klangkörpers. Die Dynamik, die wechselnde Lautstärke, das mache ein Orchester aus. „Und wenn dann mal jemandem im Konzert ein Ton wegrutscht, dann ist das halt so. Die Hauptsache ist doch, dass das Musizieren Freude bereitet und man das Feuer der Musik spürt“, gibt er sich der Profi-Musiker dann geradezu nachsichtig.

*

Beide Familienorchester suchen engagierte Mitspieler zwischen 9 und 90, die ein Instrument nach Noten spielen können.

Beim Ersten Leipziger Familienorchester werden besonders Bass-Gitarristen und Schlagzeuger gesucht. Auch Streicher, Blechbläser und Holzbläser sind gefragt. Geprobt wird jeden zweiten Sonnabend von 9.30 bis 12.00 Uhr im Geyserhaus in Eutritzsch.

Ansprechpartner: Florian Schetelig

Tel.: 0341/912 74 97

E-Mail: mms@geyserhaus.de

Beim Neuen Familienorchester Leipzig sind besonders Streicher, Holzbläser und Blechbläser sowie Keyboard- und Klavierspieler gefragt. Geprobt wird jeden zweiten Sonnabend von 9.30 bis 13.00 Uhr in der Musikschule Tonicum in Eutritzsch.

Ansprechpartner: Corinna Stieler

Tel.: 0341/2273036

E-Mail: info@tonicum.net

Von Anita Kecke

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