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Das Rezept der Riekewalds: Oma, Opa, Online-Kalender

Das Rezept der Riekewalds: Oma, Opa, Online-Kalender

Der Urlaub ist vorbei, der Alltag kehrt zurück. Stella mit ihren drei Lenzen sitzt noch beine-baumelnd auf dem Balkon im Waldstraßenviertel und pustet verträumt Scharen bunter Seifenblasen in die Abendsonne.

Bruder Brian (6) zeigt sich indes gerüstet für eine anbrechende Schulkarriere - er schreibt schon mal perfekt seinen Namen aufs Papier. Und die Großen - Mutter Franziska (32) und Vater Jens (34) - organisieren bereits wieder. So ein Familienunternehmen will gemanagt sein. Vater Jens feixt: "Terminkalender haben wir nicht, aber online wird laufend aktualisiert".

Für gewöhnlich fliegen alle werktags 7 Uhr aus: Jens Riekewald radelt dann gen Lindenthal, wo er als Planungsingenieur in einer Anlagenbaufirma arbeitet. Und Ehefrau Franziska, Assistentin der Geschäftsführung in einem Forschungsinstitut in Heiterblick, macht sich mit dem Nachwuchs auf den Weg. "Wir haben beide Kinder in einer Kita in Paunsdorf, drei Autominuten von meiner Arbeit entfernt", sagt sie. "Wir hatten Glück. Erst bekamen wir dort, am Rande der Stadt, für Brian den Platz, und 2008 auch problemlos für Stella. Von Kollegen weiß ich, wie schwer es in der City ist, die Kinder unterzukriegen."

Die Riekewalds sind zufrieden mit der Einrichtung der Volkssolidarität. Auch wegen der Öffnungszeiten bis 18, freitags bis 17 Uhr. "Das müssen wir oft voll ausnutzen", sagt Franziska Riekewald. "Vor allem machen die keine Sommerpause wie andere Kitas, so dass man dann da steht und mit den Kindern nicht weiß wohin", fügt ihr Mann hinzu.

Zusammen sitzt die Familie normalerweise wieder beim Abendbrot. Doch die Organisation des gemeinsamen Feierabends ist oft eine Herausforderung: Franziska Riekewald ist ehrenamtlich im Stadtbezirksbeirat aktiv. "Da findet ab Spätnachmittag Etliches statt", erzählt sie. Vater Jens ist ein- bis zweimal die Woche in Sportvereinen unterwegs. Er spielt Volleyball, ist Sportschütze. Bei Engpässen im Kinderhüten springt eine Babysitterin aus dem Bekanntenkreis ein. "Meist wochentags, weil die Großeltern noch berufstätig sind", sagt Franziska Riekewald. Ansonsten kommen natürlich auch Oma und Opa zum Einsatz. "Meine Eltern wohnen in Halle, die von Jens im Saalekreis. Das geht, das ist nicht allzu weit. Und auch ein Grund für uns, in Leipzig zu bleiben, nicht weiter weg zu ziehen. Denn wenn es dicke kommt, lässt sich ja doch innerhalb der Familie was regeln."

Diese Beziehungen werden deshalb nach Kräften gepflegt. Die Wochenenden sind oft mit Familienbesuchen ausgefüllt. "Für die Kinder sind Großeltern schließlich wichtig", findet die 32-Jährige. Oft nutzen Franziska und Jens die freien Tage aber auch, um selbst mit dem Nachwuchs etwas zu unternehmen. "Wir treffen Freunde, die ja meist auch Kinder haben. Wir haben eine Dauerkarte für den Zoo - da gehen wir manchmal nur wegen der Spielplatzmöglichkeiten hin", erklärt Franziska Riekewald. "Hier im Waldstraßenviertel, wo es so viele Kinder gibt, mangelt es daran. Wir fahren auch gern mit den Fahrrädern." - "Ich habe selbst eins!", beeilt sich Brian zu sagen. Seine Mutter schränkt ein: "Naja, aber wenn wir einen Ausflug zum Cospudener See machen, ist das noch zu weit für ihn. Also nutzen wir zwischendurch öffentliche Verkehrsmittel. Da fände ich es familienfreundlicher, wenn wenigstens Kinderfahrräder kostenlos befördert würden. So ist ein Ausflug ist für eine mehrköpfige Familie samt der Räder schon recht teuer."

Während die Jüngste, Stella, vorerst noch mit einer Portion Seifenblasen und kleinen Süßigkeiten im Himmel der Glückseligkeit schwebt, hätten die größeren Familienmitglieder aktuell ein paar gewichtigere Wünsche. "Einen eigenen Garten zum Spielen!", platzt Brian heraus. "Eine größere Wohnung, denn in der jetzigen sind die Räume viel zu klein", sagen die Eltern. "Aber große, bezahlbare Vierraumwohnungen sind im Waldstraßenviertel selbst für zwei Normalverdiener wie uns entweder nicht da oder nicht erschwinglich", erzählt Franziska Riekewald. "Dabei ist die Infrastruktur hier für uns sehr gut. Beide Kinder gehen hier wöchentlich zum Geräteturnen zur HSG DHfK. Brian kommt in die nahe Lessinggrundschule. Also - im Viertel bleiben wollen wir an sich."

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.08.2013

Angelika Raulien

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