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Das Vermächtnis eines langen Kerls - Leipziger entdeckt Sold- und Schießbuch des Vaters

Das Vermächtnis eines langen Kerls - Leipziger entdeckt Sold- und Schießbuch des Vaters

Heinz Lohse feierte unlängst seinen 85. Geburtstag. Trotz aktueller gesundheitlicher Probleme lässt sich der ehemalige Lehrer und emeritierte Professor der Berufspädagogik nicht unterkriegen.

Leipzig. So trat er jüngst im Genscher-Haus in Halle-Reideburg auf. Er bot Mädchen und Jungen, um die 13 und 14 Jahre alt, eine Geschichtslektion der besonderen Art. Denn Heinz Lohse hat viel erlebt.

Lohse, 1928 in Leipzig geboren, wurde früh mit Leid und Tod konfrontiert. Als 15-Jähriger prägten sich ihm die schrecklichen Bilder des schwersten Luftangriffs auf seine Heimatstadt während des Zweiten Weltkrieges ein, mit 16 wurde er in den letzten Weltkriegstagen noch zum Arbeitsdienst einzogen, kurz darauf geriet er in Gefangenschaft. Nach Abitur und Studium folgten 40 Jahre standhaften Lebens in der DDR.

Dann, 1989, überkam auch ihn "ein Wunder", die Friedliche Revolution. Wenn Lohse von diesem Ereignis vor fast 25 Jahren spricht, muss er feststellen: "Für die junge Generation sind diese Ereignisse weit weg. Das müssen wir Alten bei unserem Mitteilen immer in Betracht ziehen. So weit weg wie für mich einst die Erzählungen meines Vaters", erzählt er. "Wenn der mir über seine Zeit im Ersten Weltkrieg berichtete, dachte ich mir auch immer: ,Papa ist mal wieder im Mittelalter.'"

Lohse ist ein akribischer Zeitzeuge. Für seine Familie hat er wichtige Daten in einer Chronik festgehalten. Als er jetzt etwas in seinem Arbeitszimmer suchte, stieß er im geschichtsträchtigen Jahr 2014 auf fast vergessene Dokumente seines Vaters Alwin Lohse. Dieser erlebte die erste große Kriegskatastrophe des 20. Jahrhunderts von 1914 bis 1918 in Gänze.

Er diente bei den "langen Kerls von Sachsen" im Grenadier-Landwehr-Regiment 100, nahm teil an den Feldzügen in Frankreich und Russland, erlitt Verletzungen, hatte Glück und fand sich in Lazaretten wieder. Lohse junior entdeckte die "Kriegsbeorderung" des Vaters, dessen Sold- und Schießbuch und vor allem Postkarten, die Alwin einst nach Leipzig sandte. So schrieb er bald nach Kriegsausbruch: "Mit besten Grüßen aus dem Feld."

Lohses Vater trug während und nach dem Ersten Weltkrieg eine umfangreiche Postkartensammlung zusammen, die auch noch 100 Jahre danach einen besonderen Blick in die Zeit von damals gewährt. Der Sohn ist ergriffen, wenn er diese Zeit-Dokumente in den Händen hält. Seinen Lieben in den nachfolgenden Generationen wünscht er, dass sie nie wieder Krieg erleben mögen. Ab und an erzählt er ihnen auch vom Altvorderen Alwin. Der war nämlich eine ziemlich wichtige Person in der hiesigen Zoo-Geschichte, wurde - für Lohse "ein prächtiger Zufall" - in dem Jahr geboren, in dem Leipzigs Zoologischer Garten gegründet wurde - 1878. Alwin arbeitete über Jahrzehnte als erster Raubtierpfleger, er wirkte unter fünf Zoo-Direktoren und leistete seinen Beitrag für die weltberühmte Leipziger Raubtierzucht. Bis zu seinem 73. Lebensjahr war Lohse senior für die Tiere da. Er wurde 91 Jahre alt. Filius Heinz, nun dicht am Wasser gebaut: "Ich hatte einen lieben Vater und denke gern zurück an mein Elternhaus."

Lohses Familienarchiv ist ein Dokumenten-Schatz. Er wird ihn dem Sächsischen Staatsarchiv übereignen, wo die Weltkriegsdokumente so gut aufgehoben sein werden wie die Dokumente über die Löwen in Leipzig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.02.2014

Thomas Mayer

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