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"Das bringt mich noch ins Grab" - Das Erbe ist nicht da, die Steuerforderung schon

"Das bringt mich noch ins Grab" - Das Erbe ist nicht da, die Steuerforderung schon

Margot Ehlert war völlig überrascht, als sie im September 2013 der Brief einer Nachlasspflegerin aus den alten Bundesländern erreichte. Durch dieses Schreiben erfuhr die 95-Jährige zum ersten Mal, dass sie einen Halbbruder in Nürnberg hatte.

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Quillt zum Fristende regelmäßig über: der Briefkasten des Finanzamts. 2014 gibt es zwei Tage mehr Zeit, die Steuererklärung abzugeben.

Quelle: Jan Woitas

Leipzig. Dieser war gestorben, ohne ein Testament zu hinterlassen; weil er keine Kinder hatte, war Margot Ehlert als Erbin in den Fokus gerückt. Die Nachlasspflegerin schrieb, dass ihr die Hälfte der rund 200 000 Euro zustünden, die ihr Halbbruder hinterlassen habe - abzüglich von Kosten wie die, die bei der Recherche der Nachlasspflegerin angefallen seien. Die andere Hälfte des Erbes gehe an vier weitere Verwandte im Nürnberger Raum.

"Von denen kenne ich niemanden", erzählt die Leipzigerin, die bis heute nicht weiß, wie sie zu dem Halbbruder kommt. "Ich bin aus allen Wolken gefallen", sagt sie. "Mein Vater war immer so korrekt." Trotzdem hat sie natürlich das Erbe angenommen und alle erforderlichen Unterlagen nach Nürnberg geschickt.

Aber bis heute ist kein Geld eingetroffen. Denn in Bayern spielen sich offenbar turbulente Szenen ab. Ein Miterbe hat die Nachlasspflegerin verklagt - weil er mit ihrer Arbeit nicht zufrieden war. Ein anderer Miterbe weigert sich, erforderliche Unterlagen wie zum Beispiel die Kopie seines Ausweises zur Verfügung zu stellen - warum er dies ablehnt, hat sich noch nicht nach Leipzig herumgesprochen. Inzwischen hat die Nachlasspflegerin den Fall niedergelegt - seitdem bewegt sich in der Angelegenheit gar nichts mehr.

Dafür hat sich am 8. Oktober 2014 das Finanzamt Amberg bei der Gohliserin gemeldet und ihr Vordrucke für die Erbschaftssteuer geschickt. In einem weiteren Schreiben vom 23. Oktober vorigen Jahres teilte die Behörde der 95-Jährigen mit, dass sie bis spätestens 27. November 2014 insgesamt 19 860 Euro Erbschaftsteuer zahlen müsse. "Ich war entsetzt", schildert Margot Ehlert. "Ich kann doch nicht für ein Erbe zahlen, das ich gar nicht habe."

Der Bund der Steuerzahler muss mit dem Hinweis auf das Gesetz etwas bremsen. "Ein Erbe fällt mit dem Tod des Erblassers an und ab diesem Zeitpunkt ist auch Erbschaftssteuer zu entrichten", sagt Isabel Klocke, Leiterin der Steuerabteilung. Dies setze nicht voraus, dass die Erbschaft auch ausgezahlt ist. "Die Erbschaftssteuer muss nicht aus der Erbschaft bezahlt werden - das geht auch mit anderem Vermögen", so die Expertin. Sollte weiteres Vermögen vorhanden sein, werde das Finanzamt darauf dringen, die Steuerforderung daraus zu begleichen. "Die Rentnerin sollte sich mit dem Nachlassgericht in Nürnberg in Verbindung setzen und darauf dringen, dass ihr Erbe so schnell wie möglich ausgezahlt wird", empfiehlt sie. Gleichzeitig sollte mit dem Finanzamt über eine Einzelfallentscheidung verhandelt werden - zum Beispiel einen Zahlungsaufschub, bis die Erbschaft eintrifft. "Wenn die Seniorin dies nicht mehr selber kann, sollte sie einen Berater beauftragen", empfiehlt Klocke.

Die hochbetagte Leipzigerin konnte das Amberger Finanzamt inzwischen überzeugen, dass der geforderte Erbschaftssteuerbetrag deutlich zu hoch ist. Die Forderung wurde deshalb auf 9930 Euro reduziert. Die Behörde hat ihr die Zahlung auch gestundet, dafür muss die Seniorin aber Zinsen zahlen.

Eine erste Stundungsfrist ist bereits ausgelaufen und wurde bis zum 31. März verlängert. Doch schon jetzt ist absehbar, dass das Erbe auch dann noch nicht eingetroffen sein wird. "Das bringt mich noch ins Grab", befürchtet die Leipzigerin Margot Ehlert und erwägt, einen Rechtsanwalt zu engagieren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.02.2015

Tappert, Andreas

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