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Lokales Das große Krabbeln: Kopfläuse können im ganzen Jahr auftreten
Leipzig Lokales Das große Krabbeln: Kopfläuse können im ganzen Jahr auftreten
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23:59 28.03.2014

"Doch mittlerweile sind Läuse ganzjährig auf unseren Köpfen, insbesondere bei Kindern, unterwegs", sagt Leipzigs Vize-Gesundheitsamtschefin Ingrid Möller. Ursache dafür könnten veränderte Verhaltensmuster der Spezies Mensch selbst sein.

Freilich lässt sich die Population schwer in amtlich belastbare Zahlen fassen. Doch: "Wir haben es zu jeder Jahreszeit immer wieder mit kleinen Patienten zu tun, bei denen wir neben der eigentlichen Erkrankung auch erst einmal die Köpfe von Läusen befreien müssen", meint etwa auch Leipzigs Uni-Kinderklinikchef Wieland Kiess. Und Roman Schulz, Sprecher der hiesigen Bildungsagentur, bestätigt: "Zurzeit gibt es gerade wieder Signale aus unseren Schulen und Horten, dass das mit den Läusen ein Problem ist. Wenngleich nicht unser größtes!"

Weshalb die kleinen Blutsauger nun gänzlich zwischen Januar und Dezember in der Haarpracht wuseln, dafür, so Möller, "gibt es nur Erklärungsversuche". Roman Schulz meint diesbezüglich schlicht: "Früher saßen wir in der Schule schlicht auf Holz. Heute haben wir in unseren Schulen und Horten Kuschelecken, Entspannungsräume mit Matratzen und Spielzimmer, wo Deckenburgen gebaut werden. Und Mützen oder Bascapes hat die Jugend ja inzwischen auch ganzjährig auf." Wundern müsse einen da solch Ungeziefertourismus wohl nicht.

"Nach sächsischem Infektionsschutzgesetz besteht zwar eine Meldepflicht der Eltern gegenüber Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen, aber es ist davon auszugehen, dass das nicht immer geschieht", denkt Möller. "Das Thema Läuse ist noch zu sehr stigmatisierend, wird häufig mit einem Mangel an Hygiene verbunden. Doch dem ist ja gar nicht so."

Während früher Kinder sieben Tage daheim bleiben mussten und erst wieder in eine Gemeinschaftseinrichtung durften, wenn es das Läusefrei-Attest vom Arzt gab, werde das heute nicht mehr unbedingt so gehandhabt. "Die Apotheken bieten inzwischen freiverkäufliche Mittel gegen die Insekten an, man muss nicht mehr zwingend zum Doktor. Zumal Ärzte diese Bestätigung heutzutage nicht mehr kostenlos ausstellen." Gleichwohl, so Möller, hätten Kitas und Schulen noch das Recht, auf so ein Attest zu bestehen.

Überdies würden manche, die sich im Notfall eines Apotheken-Mittels bedienen, zuhause dann auch nicht immer exakt nach Anweisung verfahren. "Mit einmal Haarewaschen ist es beim Kopflausbefall eben nicht getan", sagt Möller. Selbst seit Generationen kursierende Hausmittel-Tipps könnten eine echte Kopflaus nicht erschüttern: weder der heiße Fön, noch die fette Schicht Olivenöl. Es reiche aus, würden nur ein, zwei der Biester auf dem Haupt überleben - ihre Vermehrung ist nur eine Frage der Zeit.

Wenngleich eine Laus kein Springer ist und auch nicht übern Schreibtisch zum neuen Wirt robbt: "Übertragung findet eben statt, wenn - wie bei Kindern oft der Fall - Köpfe zusammengesteckt, gleiche Kopfkissen, Mützen oder Fahrradhelme genutzt werden", erklärt Möller.

Auch wenn sich viele junge Eltern heutzutage einer wahren Laus noch nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübersahen und manche sie eher als nettes kleines, beim Spielen in freier Natur eingefangenes Käferchen betrachten: Spätestens, wenn sich Tochter oder Sohnemann speziell im Nacken und hinter den Ohren häufig kratzen, sollte ihnen etwas von einer Laus schwanen! "Alle fünf Stunden braucht sie eine Blutmahlzeit", erklärt Möller. "Und das ist es dann auch, was wir spüren." Übrigens basiere auf diesem Fress-Takt-Fakt seit 2014 eine neue Empfehlung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "Hieß es bisher, man solle etwa den Teddy oder ein anderes Plüschkuscheltier der Kinder in einer Plastiktüte verpackt im Tiefkühlfach durchfrieren lassen, so reicht es nunmehr, wenn man das Ganze einfach mal drei Tage luftdicht verpackt in der Tüte lässt. Das überlebt keine Laus - sie bekommt ja kein Blut", so Möllers kleiner Tipp.

Melden müssten Kitas oder Schulen ihre Kopflaus-Fälle ihrer Behörde übrigens nicht. "Doch es kommt schon vor, dass sich Eltern an uns wenden, wenn ihnen das gehäuft in ihrer Einrichtung passiert. Dann gehen wir vor Ort und beraten zum Thema", so Möller.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.03.2014

Angelika Raulien

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