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Das ist Leipzigs neuer High-Tech-Operationssaal - Patientendaten in digitalen Modellen

Das ist Leipzigs neuer High-Tech-Operationssaal - Patientendaten in digitalen Modellen

Das Streben Leipziger Kliniken nach modernster Ausstattung ist ungebrochen - und gleicht wohl hier und da auch einem "Wettrüsten". Selbst Spezial-Kliniken tragen dazu bei, dass sich Leipzig zum Chirurgie-High-Tech-Standort mausert.

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Die jüngste Version des "OP-Saals der Zukunft": Für Interessierte gibt es am 27. September einen Tag der offenen Tür in der Käthe-Kollwitz-Straße 64.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Erst jetzt gab es in der Acqua-Klinik in der Käthe-Kollwitz-Straße eine Weltpremiere.

Dort ging das neueste Modell des "Surgical Deck OR1-340" in Betrieb. "So wird heute der Arbeitsplatz für den Chirurgen und Anästhesisten bezeichnet, der inzwischen nur noch wenig mit dem altehrwürdigen Operationssaal zu tun hat", klärt Iris Gollnick auf. Sie ist als Leiterin des Internationalen Referenz- und Entwicklungszentrums für Operationstechnologien (IRDC) für Neuerungen dieser Art zuständig - und für die Kooperation mit der Acqua-Klinik.

In der Klinik würden inzwischen jährlich mehr als 3000 Patienten mit Hals-, Nasen- und Ohren-Leiden behandelt. "Unsere Partner setzen auf High-Tech im OP-Saal und pflegen dafür Kooperationen mit der Medizintechnik, so auch im jüngsten Fall", sagt Gollnick. Der OR1-340 - knapp eine Million Euro teuer - sei bereits das dritte Modell eines neuartigen Konzepts, das vor allem die Unterstützung des OP-Teams durch automatische Assistenzsysteme fokusiert.

Dieser "neueste aller HNO-OPs der Zukunft" kommt schon recht außerirdisch daher. Der Laie mag sich so das Cockpit eines Raumschiffes vorstellen: Infrarotkameras und elektromagnetische Messsysteme. Instrumente, die gleichzeitig Sensoren sind und Signale zur Erkennung von Nerven geben. Technik, die Videosignale aus dem menschlichen Körper zwecks umgehender Analyse abgibt. Monitore der neuesten Generation, die Kontraste verstärken, Gefäße sichtbar machen - noch ehe dünne Schleimhäute verletzt werden. Grenzzonen von Tumoren werden besser ausgelotet, Blutungsquellen fixer ausgemacht. Im OR1-340 empfehlen Computersysteme dem Operateur das geeignete Instrument. Eine Computerstimme informiert in Situationen, die eine besonders hohe Konzentration erfordern, über die aktuelle Position. Und erstmals gibt es im OR1-340 auch einen Operationsrekorder, der alle beim Eingriff anfallenden Daten aufzeichnet. "Der OR1-340 eröffnet einfach völlig neue Möglichkeiten für die Sicherheit und Qualität eines Eingriffs", schwärmt Gollnick.

Susanne Modemann absolviert als Leitende Oberärztin im Surgical Deck täglich bis zu zehn OPs - und trainiert inzwischen schon Nachwuchschirurgen am Gerät. Los geht die Arbeit für sie bereits mit jenem Computer, der vor dem Eingriff alle Patientendaten in Form von digitalen Modellen sammelt. Diese bilden den Erkrankten und den geplanten Eingriff detailgetreu ab.

"Autochirurg" entlastet die Mediziner

Bei den vielen anstehenden Routine-Aufgaben während einer OP könne mittlerweile auch ein computergestützter "Autochirurg" den Operateur zuverlässig entlasten, erklärt Modemann. Etwa beim Verschluss von Gefäßen, die anderenfalls zu Blutungen und Komplikationen führen könnten.

Zudem gebe es Eingriffe, die ohne Unterstützung eines digitalen OP-Saals gar nicht möglich seien. Und wofür der OR1-340 ein System bereithalte, das Operationen unter reiner Computernavigation erlaube. Wird es für den Chirurgen mal knifflig oder kann er sich nicht mehr orientieren, weil das OP-Areal für ihn nicht mehr sichtbar ist, müsse er den Eingriff nicht mehr abbrechen. Er könne sich voll auf besagtes System verlassen.

"Das bedeutet nicht zuletzt weniger Stress für die chirurgische Crew, weniger Gewebeschäden im OP-Gebiet und letztlich eine kürzere Behandlungsdauer", lobt der an der Entwicklung beteiligte HNO-Spezialist Gero Strauss, zugleich Chefchirurg im chirurgischen Cockpit.

Der neue OP-Saal sei überdies steter Ort für weitere Innovationen, so dass sich laut Gollnick das IRDC mittlerweile von der reinen Referenzinstallation zum Entwicklungs- und Trainingszentrum etabliert hat. Allein 300 Chirurgen aus aller Welt besuchten es pro Jahr - und übten nunmehr auch in der allerneuesten Version des "Operationssaals der Zukunft".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.08.2014

Angelika Raulien

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