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Lokales "Das ist ja wie in Paris" - 360 Komparsen testen Leipzigs City-Tunnel
Leipzig Lokales "Das ist ja wie in Paris" - 360 Komparsen testen Leipzigs City-Tunnel
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15:31 17.07.2015
Unter dem Hauptbahnhof fährt der erste Testzug ein. 360 Komparsen warten auf dem Bahnsteig. Quelle: Wolfgang Zeyen

360 Komparsen tourten zwischen 0 und 2 Uhr in 34 Zügen durchs Streckennetz. Die Bahner wollten Schwachpunkte aufdecken, bevor am 15. Dezember der reguläre Betrieb startet.

"Sie gehören zu den Wenigen, die schon 34 Tage vor dem offiziellen Start durch den Tunnel fahren dürfen", ruft Bahn-Manager Christian Dubiel am Sonnabend kurz nach 23 Uhr den rund 400 Leuten zu, die sich vor dem Zugang Süd der Tunnelstation Hauptbahnhof drängen. "Von diesem Erlebnis können Sie noch Ihren Enkeln erzählen." Dann wird der Zugang geöffnet und die Menge strömt in die Unterwelt. "Wir wollen, dass unsere Fahrer die Bremspunkte für die Züge kennenlernen und Dinge wie die Wendezeiten kontrollieren", sagt Dubiel.

Sieben Minuten vor 0 Uhr trifft der erste Zug ein: Kein Poltern und kein Krachen sind zu hören - nur ein Rauschen und das Surren des kräftigen Elektromotors. Auf der Anzeigetafel ist "S 1 Leipzig-Möckern Leipzig-Plagwitz Miltitzer Allee" zu sehen. Kurze Zeit später düst der Zug wieder davon. "Die elektronische Anzeige ist nicht umgesprungen", bemerkt Markus Engelke vom Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig, der schon fünf Test-Nächte hinter sich hat und mit den Komparsen auf dem Bahnsteig steht. Ein Mitarbeiter ruft die Leitstelle an, die eingreift.

Plötzlich gibt die Rolltreppe zum Bahnsteig den Geist auf - und weil der Fahrstuhl noch nicht zugeschaltet ist, muss ein Gehbehinderter mit Krücken die Treppe hinabsteigen. "Vorsicht an Gleis 1. Einfahrt der S 5 nach Altenburg", hallt es auf dem Bahnsteig aus den Lautsprechern - und die Massen strömen in diesen Zug. An den Eingängen bilden sich Menschentrauben, es geht nur noch im Zeitlupentempo voran. "Bitte treten Sie durch", wird im Zug durchgesagt. Ein Drängen und Schieben setzt ein, am Ende stehen die Komparsen im Zug wie die Heringe. "Das ist ja wie in Paris", ruft ein Mann seiner Frau zu, die es an die andere Wagenseite verschlagen hat. Alle schmunzeln. Dann gehen die Türen zu und der vollgepfropfte Zug fährt an. Weil der Triebwagen trotz der Menschenmenge zügig beschleunigt, greifen Hände nach den Haltestangen. "Im Normalfall würde bei so einem Fahrgast-Aufkommen natürlich eine Doppeltraktion eingesetzt", sagt Dubiel.

Dann ist die Station Markt erreicht. Dort steht auf der Gegenseite schon ein abfahrtbereiter Zug. Viele Komparsen zücken ihre Digitalkameras: Die Tunnelstation Markt ist voller Züge - wann hat es das schon einmal gegeben?

Mit der wartenden Bahn geht es in Richtung Flughafen. Doch am Haltepunkt Leipzig Nord, der an der Berliner Straße entstanden ist, wird ausgestiegen. Dort pfeift der Wind und alle sind froh, als die nächste S-Bahn herandüst, die die Fahrgäste wieder in den Tunnel bringt. Doch diesmal dauert die Fahrt länger. Aus Lautsprechern heißt es: "Der vor uns liegende Streckenabschnitt ist durch einen Zug belegt. Wir setzen unsere Fahrt in Kürze fort." Auch das gehört zum Testprogramm: Es wird eine Verspätung simuliert, um herauszufinden, ob die Leitstelle die richtige Entscheidung trifft und das S-Bahn-System stabil bleibt. Nach fünf Minuten rollt der Zug weiter. Eine Schaffnerin kommt vorbei. "Sie haben sicherlich auch keine Fahrkarte", sagt sie und lacht.

Im Tunnel strömen jetzt an allen Stationen große und kleine Komparsen-Gruppen in die Züge. Gegen 2 Uhr früh treffen sich alle wieder auf den Tiefbahnsteigen unter dem Hauptbahnhof. Dort wird heißer Kaffee an die Helfer ausgegeben. Die meisten stehen auf der Verteilerebene und schwatzen, weil es von dort den besten Blick auf die riesige Tunnelstation gibt, in der ständig Züge ein- und ausfahren. Auch Bahn-Manager Dubiel ist dort. Er wird gefragt, ob er Angst vor dem Wochenende 14./15. Dezember hat, wenn zum ersten Mal Zehntausende Fahrgäste im Tunnel sein werden. "Angst ist das falsche Wort", antwortet er. "Aber es wird sicher aufregend."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.11.2013

Andreas Tappert

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