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Lokales "Das ist nicht zu akzeptieren" - Grünauer ficht Müllgebühren der Stadt an
Leipzig Lokales "Das ist nicht zu akzeptieren" - Grünauer ficht Müllgebühren der Stadt an
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23:59 10.02.2015
Leipzig

"Als die neue Tonne eintraf, schaute ich rein und rief sofort: ,Die ist zu klein!'", schildert der Eigenheimbesitzer. Um sich zu vergewissern, holte er sich ein Litermaß und füllte die Tonne mit Wasser aus seiner Küche. Das Ergebnis: In den Behälter passten nur 54 Liter.

Um ganz sicher zu gehen, brachte er die Tonne auch noch ins Eichamt. "Dort wurde sie auf eine Waage gestellt und mit Wasser gefüllt, die Temperatur gemessen und anhand amtlicher Tabellen der Inhalt festgestellt", schildert Schneider. Das Ergebnis wich nur minimal von seinem ab: Statt 60 Liter passten in die Tonne lediglich 54,2 Liter. "Das sind fast zehn Prozent zu wenig", meint der Grünauer kopfschüttelnd. "Das ist nicht zu akzeptieren."

Als der Senior aus dem Lausner Weg die Gebührentabellen der Stadtreinigung prüfte, fielen ihm noch mehr Ungereimtheiten auf. Zum Beispiel bei der Verwertungsgebühr. "Bei einer 60-Liter-Tonne sind 5,1 Cent für einen Liter Müll zu zahlen, bei einem 80-Liter-Gefäß kostet ein Liter Müll 4,8 Cent und bei 1100-Liter-Behältern werden 4,4 Cent pro Liter berechnet", hat er ausgerechnet.

Ähnlich ist es bei der Leerungsgebühr. Hier werden für einen Liter Inhalt in einer 60-Liter-Tonne 5,9 Cent berechnet, in einem 80-Liter-Gefäß 5,6 Cent und in einem 1100-Liter-Behälter drei Cent. "Ist der Anfahrtsweg bei 60 Litern etwa länger?", fragt der Grünauer jetzt schriftlich bei der Stadtreinigung an. Bis die Antwort eintrifft, zahlt er seine Abfallgebühren nur unter Vorbehalt.

Die Stadtreinigung will sich aus rechtlichen Gründen nicht im Detail äußern. Zum Volumen der 60-Liter-Tonne müsse aber noch "das Volumen des Deckels" addiert werden, heißt es dort. Denn in der Regel höre der Müllbeutel nicht genau an der Oberkante des Behälters auf - auch wenn sich dieser "vollständig schließen lassen muss".

Die Praxis zeige auch, dass in 60-Liter-Gefäßen ganz unterschiedliche Mengen von Abfall eingefüllt werden - je nachdem, ob dieser stark verdichtet wird oder nicht. "Deshalb berücksichtigt unsere Gebührenkalkulation das Gewicht der durchschnittlich in den Behältern bereitgestellten Abfälle", erläutert Sprecherin Ute Brückner. Darum werde in einer repräsentativen Stichprobe jährlich einmal für jede Behältergröße das Durchschnittsgewicht ermittelt. Diese habe ergeben, dass die Dichte der Abfälle in den 60-Liter-Tonnen durchschnittlich fast doppelt so hoch ist wie in den 1100-Liter-Behältern - deshalb sei auch die Gebührenstaffelung so unterschiedlich ausgefallen.

Die Kostenermittlung werde auch deshalb nach Gewicht durchgeführt, weil sich die Deponiekosten der Stadtreinigung nach der Tonnage - also dem Gewicht - berechnen. "Es gibt Kommunen wie zum Beispiel Chemnitz, die wiegen deshalb jeden einzelnen Behälter, wenn sie ihn kippen", so Sprecherin Brückner. "Die Anschaffung dieser Technik hätte in Leipzig die Restabfallentsorgung beträchtlich verteuert. Deshalb haben wir uns mit dem Stadtrat für eine repräsentative Stichprobenentnahme entschieden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.02.2015

Andreas Tappert

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