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„Das muss man den Schülern erstmal erklären“ – Streik: Unterricht in Leipzig nach Notfallplan

„Das muss man den Schülern erstmal erklären“ – Streik: Unterricht in Leipzig nach Notfallplan

An drei von vier sächsischen Schulen fällt am Dienstag der reguläre Unterricht aus, auch in Leipzig. Die Gewerkschaften haben erneut zum Arbeitskampf der Lehrer aufgerufen, um für mehr Gehalt zu kämpfen.

Leipzig/Dresden. Bei der zentralen Protestveranstaltung in Dresden werden rund 10.000 Lehrkräfte erwartet.

Ein Sitzplatz zwischen sieben und acht Uhr in der Straßenbahn und ein Parkplatz vor der Schule – das ist kein normaler Dienstag. Irgendetwas ist anders. Und vor allem Etwas soll anders werden: Nämlich der Lohnzettel der sächsischen Lehrer. Sie fordern 50 Euro mehr und auf den so erhöhten Sockelbetrag eine zusätzliche dreiprozentige Gehaltserhöhung. Deshalb treten sie in den Streik. Vor allem Mittelschulen und Gymnasien seien laut der Gewerkschaft GEW von dem Arbeitskampf betroffen.

Die Gewerkschaften rechnen damit, dass sich am Dienstagmittag etwa 10 000 Pädagogen an einer Protestkundgebung vor dem Finanzministerium in Dresden beteiligen würden. Im Reclam-Gymnasium herrscht absolute Stille. „Die fahren alle zum Demonstrieren“, sagte eine Sekretärin der Schule. Auch am Kant-Gymnasium heißt es am Dienstag: Diese Schule wird bestreikt, nur „die geplante Pflichtveranstaltung zum Bewerbungstraining für die Jahrgangsstufe 12 findet statt“, steht auf der Homepage. 

In den meisten Klassenzimmern: gähnende Leere. Dann, in der Mitte des Ganges im linken Flügel des Leibniz-Gymnasiums: Stimmen, leises Rascheln. Doch nur zehn Prozent der Schüler haben am Dienstag Unterricht, erklärt Schulleiter Jack Schmidt. Lehrerin Ines Räbiger wirkt da fast wie der letzte Mohikaner. „Ich bin kein Gewerkschaftsmitglied“, sagt sie. Die Forderungen unterstütze sie dennoch und zeigt Solidarität mit den streikenden Kollegen. „Auch wenn es für den Schulbetrieb schwierig ist“, wie sie ergänzt.

„Von normalen Unterricht kann hier keiner sprechen, das funktioniert heute nur nach einem Notfallplan“, so der Schulleiter. 15 bis 20 Prozent der Lehrer seien anwesend. „Aber es geht ja auch nicht, dass ich zu einer Klasse sage: In der ersten Stunde habt ihr Unterricht, dann ist leider niemand da und in der sechsten Stunde müsst ihr wieder eure Bücher herausholen. Die Schüler sollen von ihrem jeweiligen Fachlehrer unterrichtet werden, sagt Schmidt. Einzelne Klassen zusammenzuwürfeln bringe nichts.

„Die Schüler, die da sind, müssen dies auch sein. Da haben wir klar gesagt: Ihr habt Unterricht. Ich bin froh, dass die Eltern ihre Kinder dann auch tatsächlich hergeschickt haben“, so Schmidt mit Blick auf den Besetzungsplan: 5a, 5b und 5c haben frei – nur die 5d bei Ines Räbiger ist in dieser Jahrgangsstufe anwesend. „Das muss man den Schülern auch erst einmal erklären“, so der Schulleiter. Vonseiten der Eltern gebe es zwar nicht immer Verständnis, jedoch auch keine größeren Beschwerden. Man biete zwar die Möglichkeit zur Beaufsichtigung, doch werde diese kaum in Anspruch genommen. 

Allgemein wird die Betreuung der Schüler über Notdienste geregelt, teilte die Lehrergewerkschaft GEW auf ihrer Internetseite mit. „Die Bibliothek war beispielsweise geöffnet. Da waren aber gerade einmal zwei Schüler. Denn auch wenn Streik ist, gilt: Das übrige Personal ist da -  Angestellte der Stadt, Hausmeister, verbeamtete Lehrer“, so Schmidt, der dieses Mal auf Ergebnisse bei den Tarifverhandlungen hofft, damit nicht noch mehr Unterricht ausfällt und Stoff nachgeholt werden muss.

Aber auch so mancher Referendar dürfte hinsichtlich des Streiks ins Schwitzen gekommen sein. Neun Lehrproben  - eine Prüfung der Lehramstanwärter, bei der sie akribisch eine Unterrichtsstunde vorbereiten müssen und benotet werden – sollten am Dienstag stattfinden. Doch die jungen Pädagogen können aufatmen: „Falls eine Lehrprobe nicht stattfinden kann, etwa wenn kein entsprechendes Personal zur Beurteilung anwesend ist, soll die Stunde sobald wie möglich nachgeholt werden, so dass sich niemand umsonst vorbereitet hat“, erklärt Roman Schulz von der Regionalstelle Leipzig der Bildungsagentur.

Es sei kein eigenes Verschulden, deshalb habe man rasch nach einer Regelung gesucht. Normalerweise sei es schwierig, die vorbereitete Stunde nach einer Verzögerung halten zu können, da die Klasse dann mit dem Stoff meist schon weiter ist und das Thema bereits kennt. Es solle aber gegenüber anderen Referendaren möglichst gerecht sein. Man wolle vermeiden, dass jemand zweimal unterschiedlichen Prüfungsstoff vorbereiten muss.

Bereits vergangenen Donnerstag hatten sich etwa 5000 Pädagogen am Arbeitskampf beteiligt. Der Ausstand war hier nicht den ganzen Tag und auch nicht sachsenweit, sondern auf vier Stunden begrenzt und auf Leipzig, Dresden und Chemnitz beschränkt.

Magdalena Froehlich

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