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Lokales Das rote Tuch der Roten - Aktion der SPD-Frauen im Leipziger Hauptbahnhof
Leipzig Lokales Das rote Tuch der Roten - Aktion der SPD-Frauen im Leipziger Hauptbahnhof
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23:59 06.03.2015
Katharina Kleinschmidt (links) und Ingrid Glöckner von der Leipziger Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) fordern mehr Führungspositionen für ihresgleichen. Quelle: André Kempner
Leipzig

"Findest Du es in Ordnung, wenn bei dieser Postkarte 22 Prozent fehlen?", lautet die rhetorische Frage auf dem Druckerzeugnis, das sich mit dem Thema Lohnungerechtigkeit auseinandersetzt. Auch bei den Exemplaren zur Gleichstellung und zur Gewalt gegen Frauen gilt es, etwas zu finden: hier den Fehler, dort ein Ventil. Am Sonntag, dem 103. Internationalen Frauentag in Deutschland, werden Kleinschmidt und weitere weibliche SPD-Mitglieder aus der Messestadt ab 13 Uhr im Hauptbahnhof zu finden sein. Dort wollen sie vor allem den arbeitenden Frauen Blumen und das neue, das vierte Stück aus der Politkarten-Reihe überreichen. Thema diesmal: der 8. März. "Finde Dein Motiv!", lautet die Aufforderung an die Damen.

Wie die Herren der Schöpfung das wohl finden werden? "Sie dürfen gern mitsuchen", würde die 53-jährige ASF-Chefin vermutlich antworten. Und Gedanken machen dürfen sie sich auch. Als die Sozialistin Clara Zetkin im Jahr 1910 den Vorschlag eines Frauen(kampf)tages unterbreitete, ging es ihr und den Genossinnen um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen. Letzteres ist eingeführt. "Aber um den großen Rest geht es 100 Jahre später immer noch", moniert Kleinschmidt. Sie und 250 Mitstreiterinnen aus den Reihen der Leipziger Sozialdemokratie müssen leider feststellen: "Einkommen und Macht sind weiterhin ungleich verteilt: Immer noch sind mehr als 70 Prozent der in Armut lebenden Menschen Frauen. Zweidrittel der Analphabeten weltweit sind Frauen und Mädchen. Frauen besitzen nur zehn Prozent des Einkommens und ein Prozent des Vermögens weltweit", heißt es in einer Erklärung der ASF zum Frauentag 2015. Auch in Deutschland sei noch viel zu tun, wenn es um Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Schutz vor Gewalt und Respekt vor weiblichen Lebensentwürfen gehe, betont die Vorsitzende. Eine ausbalancierte Gesellschaft zeige sich "durch die Parität der Geschlechter auf allen relevanten Ebenen" und weise auf das Ungleichgewicht gerade bei Führungspositionen hin. "In diesem Punkt steht Leipzig noch schlechter da als andere Großstädte", beklagt Kleinschmidt, von Beruf PR-Redakteurin und geboren in Göttingen. "In der Verwaltung, in öffentlichen Unternehmen und Beteiligungen der Stadt Leipzig haben wir nur eine Frauenquote von 18,9 Prozent in Spitzenpositionen." Ein ähnliches Bild biete sich bei Firmen auf dem freien Markt. "Das ist viel zu wenig. Unsere Gesellschaft kann auf die Leistungsbereitschaft der Frauen nicht verzichten", sagt sie. Die vom Bundestag am Freitag verabschiedete Geschlechterquote für Großunternehmen sei ein Anfang, "geht aber nicht weit genug".

Kleinschmidts Parteifreundin Ingrid Glöckner, vor 25 Jahren neben der 2014 verstorbenen Ruth Stachorra eine der Mütter der ASF in Leipzig, weiß davon zu berichten, dass das Thema Gleichberechtigung auch in der eigenen Partei eine schwere Geburt war - und mitunter weiter ist. "Unsere Männer sind nicht immer pflegeleicht", resümiert die 62-jährige Glöckner, seit 1999 Stadtratsmitglied und als Frau in der SPD-Fraktion damals wie heute in der Minderheit. "Wir sind zu viert, mit Piratin Ute Elisabeth Gabelmann jetzt zu fünft." Dem Quintett stehen aktuell neun sozialdemokratische Ratsherren gegenüber. Macht, Einfluss und Geld abzugeben, das falle Männern nach wie vor nicht gerade leicht. Trotzdem bescheinigen Glöckner und Kleinschmidt den Enkeln von Willy Brandt, "durchaus lernfähig" zu sein, was die Akzeptanz der Genossinnen anbelangt. Zugleich habe sich beim sogenannten schwachen Geschlecht hierzulande endlich die Erkenntnis durchgesetzt, "dass man als Frau für seine Rechte kämpfen muss. Im Jahr der Wiedervereinigung gab es dafür noch kein Bewusstsein", sagt die gebürtige Dresdnerin Glöckner. Sie erinnere sich noch gut daran, wie Stachorra, erste Frontfrau in der Geschichte der Leipziger ASF, damals beharrlich dafür gerungen habe, dass die Ost-Frauen in der neuen Bundesrepublik "nicht hinten runterfallen". Etwa als es um das Nachtarbeitsverbot für Frauen im gewerblichen Bereich ging, das es zu verhindern galt. In der DDR, so die gelernte Bauingenieurin Glöckner, habe das weibliche Geschlecht für nichts wirklich streiten müssen.

Ein Vierteljahrhundert später befinden sich die hiesigen SPD-Frauen in Habachtstellung. Sie wollen weiter der Stachel im Fleisch des Patriarchats, sie wollen das rote Tuch der Roten sein. "Die Zugeständnisse von Männern gegenüber Frauen sind oft der Tatsache geschuldet, dass ihnen die Muffe geht. Sie sind weniger Ausdruck von Überzeugung." Das müsse sich ändern. Findet ASF-Vorsitzende Kleinschmidt.

http://frauen-leipzig.spd-sachsen.de/

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Dominic Welters

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