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Das russische Generalkonsulat in Leipzig erinnert an das Kriegsende

Das russische Generalkonsulat in Leipzig erinnert an das Kriegsende

Ihre Tränen kann Elisabeth Glavatskich nicht verbergen, ihre Erlebnisse auch 70 Jahre nach dem Ende des Krieges schwer in Worte fassen. "Es war eine schwere Zeit.

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Elisabeth Glavatskich

Quelle: André Kempner

Leipzig. " Zu viel Erinnerungen. Zu viel Leid. Die 84-Jährige ist aufgewühlt, ihr Gesicht zeichnet ein Leben, in dem viel passiert ist. Aber es ist gut für sie, an diesem Tag hier zu sein, hier im Russischen Generalkonsulat in Leipzig. Viacheslav Logutov hat dort am Freitag rund 300 Gäste empfangen. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat der Tag der deutschen Kapitulation in Russland weiterhin eine herausragende Bedeutung. Der "Tag des Sieges" ist gesetzlicher Feiertag. Weil die Wehrmacht erst kurz vor Mitternacht aufgab, wird er in Russland wegen der Zeitverschiebung erst am 9. Mai begangen.

Der Hof auf dem Gelände in der Gohliser Turmgutstraße ist voll von Menschen - und voll von Erinnerungen. Viele Veteranen sind gekommen. Generalkonsul Logutov lädt sie jedes Jahr ein. Efim Riplianskij ist 89 Jahre alt. Mit 17 Jahren kam er 1942 als Infanterist zur Armee. Damals war er Soldat in der Nähe von Moskau, nahm 1945 an der Siegesparade teil. Nach dem Krieg blieb er beim Militär, besuchte eine Akademie, war später als Moderator bei Radio und Fernsehen tätig.

Seit zehn Jahren lebt Efim Riplianskij nun in Leipzig. Der rüstige Mann produziert auch im hohen Alter noch Dokumentarfilme. "Wir dürfen nicht zulassen, dass das Gedächtnis über diejenigen verblasst, die von gelb gewordenen Bildern auf uns schauen", sagt Efim Riplianskij. Woran er denkt an Tagen wie diesen? "Ich denke an meine Freunde, die damals an meiner Seite standen", erzählt er, "sie sind immer noch in meinem Herzen. Heute ist ein Feiertag mit Tränen im Auge."

Efim Riplianskij greift mit zum Spaten, als Generalkonsul Viacheslav Logutov und Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) einen Flieder pflanzen - als Symbol der Freiheit und des Friedens. Die Veteranen - sie stehen im Mittelpunkt der Gedenkfeier. Ihre Schicksale, ihre Entbehrungen, ihre Leiden, ihre Verluste, aber auch ihre Verdienste hebt Viacheslav Logutov besonders hervor. "Wir sind Ihnen dankbar - nicht nur heute, sondern jeden Tag", sagt er. "Das Andenken erlischt nicht mit der Zeit. Es wird von Herzen zu Herzen weitergegeben."

Dass das so bleibt, ist Oberbürgermeister Jung besonders wichtig. "Die Erinnerung der Menschen ist manchmal erstaunlich kurz." Gerade die Deutschen müssten sich der Vergangenheit immer wieder stellen, sich mit ihr auseinandersetzen. Auch deshalb sei er dem russischen Generalkonsul dankbar, dass dieser nach der offiziellen Gedenkfeier der Stadt jedes Jahr im Anschluss einlade. Der schlimmste, der grausamste Krieg in der Geschichte dürfe nicht vergessen werden, betont Jung, verweist auf 60 Millionen Tote - davon 27 Millionen in der Sowjetunion. "Die Sowjetunion und Russland haben unglaubliche Opfer gebracht." Vor diesem Hintergrund sei es "immer wieder ein Wunder, dass wir hier in Freundschaft zusammen sind". Krieg sei nicht die letzte Möglichkeit: Für zivilisierte Menschen sei Krieg gar keine Möglichkeit. Wenn es zurzeit etwas schwieriger sei mit dem Frieden, dann dürfe man sich wohl ein offenes Wort sagen und anderer Meinung sein, aber das eine nie vergessen: "Wir wollen Freunde sein."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.05.2015

Björn Meine

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