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Leipzig Lokales Das wird aus dem Grandhotel Astoria in Leipzig
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19:24 04.05.2018
So soll das Hotel Astoria in Leipzig nach der Sanierung strahlen. Visualisierung: Wolff Architekten Berlin Quelle: Repro Dirk Knofe
Leipzig

Gehofft, gebangt über Jahre – und jetzt steht offenbar das Happy-End bevor: Die ehemalige Nobelherberge „Astoria“ bekommt ein zweites Leben als Hotel in Leipzig. Der Investor hat die Pläne am Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Wir sind sehr froh darüber, dass dieses Hotel nun nach einem Einzelverkauf in Angriff genommen wird“, so die Leipziger Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos). Die Situation sei nicht einfach: „Die Zimmer sind zu klein, die Gänge nicht die Richtigen, das Parken ist problematisch“, beschreibt sie nur einige der Herausforderungen.

„Wir sind sicher, dass es der Stadt Leipzig gut tun wird, wenn wir das Hotel wieder mit Leben erfüllen“, so Stefan Zander als Vertreter der Eigner Intown Property Management. Roland Wolff vom ausführenden Berliner Architekturbüro Wolff sagte, seit Jahren kenne man das Gebäude, habe verschiedene Studien zu dem Hotel erstellt. „Das Haus soll frisch und schick da stehen, aber die Eingriffe sollen dem historischen Erscheinungsbild untergeordnet werden“, erklärte Wolff weiter.

Retro und modern: So könnte künftig ein Zimmer im sanierten Hotel Astoria aussehen. Visualisierung: Wolf Architekten Berlin. Quelle: Repro Dirk Knofe

Denkmalgerechte Sanierung

Die Fassade soll weitestgehend erhalten und denkmalgerecht saniert werden, schildert der Architekt. Auch das hochwertige ovale Treppenhaus solle erhalten bleiben. Den Planungen zufolge zeigt der Haupteingang wieder zum Willy-Brandt-Platz. Die bisher sehr kleinen Gauben werden leicht modifiziert. Der Schriftzug „Hotel Astoria“ soll wieder auf dem Dach angebracht werden, schildert Wolff weiter.

Die Highlights: Eine repräsentative Lobby und das Restaurant mit Elementen von 1913 und 1950 mit einer Verbindungen zur den architektonischen Ansprüchen der Gegenwart sollen erneut für Grand-Hotel-Feeling sorgen. Das Restaurant bekommt außerdem 60 Außenplätze. Von der Bar mit 30 Plätzen hat der Gast einen Blick auf den Bahnhofsvorplatz. Ein Bankettbereich für 1000 Gäste auf rund 800 Quadratmetern soll das Hotel attraktiv für Tagungen machen. „Darauf liegt der Schwerpunkt“, erklärt Wolff. Fünf Ballsäle und sechs Konferenzräume lassen dann keine Wünsche offen. Im Untergeschoss sorgt eine kleine Spa-Anlage für Komfort.

Wasser im Untergeschoss

Die Bauherren müssen einige Widrigkeiten überwinden: im Untergeschoss muss Wasser abgepumpt und die Situation stabilisiert werden. Das zweite Untergeschoss wird deshalb verfüllt, das erste Untergeschoss bekommt einen wasserdichten Trog. Einsturzgefährdete Seitenflügel im Hof werden abgerissen, eine Tiefgarage ist geplant. Der Statiker sei quasi „Tag und Nacht am Arbeiten“, so Wolff. Zander betonte, dass die Baukosten jetzt noch nicht in vollem Umfang abzuschätzen seien.

Abrissarbeiten im Hof und die Beräumung der Innenräume gehören zu den ersten Schritten der Bauarbeiten, die zeitnah beginnen sollen. Innen werden die Räume schon jetzt entrümpelt. Auch müssten Stasi-Abhörleitungen im großen Stil ausgebaut werden. „Im Zuge der Untersuchungen stellten wir fest, dass das Gebäude an sich erhalten werden kann“, sagt Wolff. Das Haus bleibe das Alte. Wenn alles klappt, könnte es Ende 2020 endlich aus dem Dornröschenschlaf geküsst werden.

„Die Vielfältigkeit und Tiefe der Untersuchungen zu dem Gebäude gehört zu den besten, die wir mit Partnern in Leipzig bisher machen konnten“, betonte Dubrau. 1996 wurde das von Interhotel betriebene Haus geschlossen. Seitdem nagte der Zahn der Zeit unbarmherzig an den Mauern.

Das Leipziger Hotel Astoria wird 100! Am 5. Dezember 1915 wurde es eröffnet. Jahrzehntelang galt es als bestes und größtes Hotel in Leipzig. Vom einstigen Glanz ist nichts geblieben, denn seit Jahren verfällt der Bau am Goerdelerring. Foto-Eindrücke aus einer wechselvollen Geschichte.

1915 mit Pomp eröffnet

Ursprünglich öffnete das am Hauptbahnhof gelegene Luxushotel am 5. Dezember 1915 mit viel Pomp seine Tore. Nach Plänen der Architekten William Lossow (1852 - 1914) und Max Hans Kühne entstand es in einer Bauzeit von nur zwei Jahren. Lossow ist auch geistiger Vater des Leipziger Hauptbahnhofs. Ursprünglich war der Hotel-Haupteingang direkt zum Bahnhof ausgerichtet.

Bis zu 200 Gäste konnten dort zunächst logieren, nach Umbauten sogar bis 470 Menschen. Eine exklusive Bar und das Tanzcafé wurden gesellschaftlicher Mittelpunkt. Auch gab es mehrere Restaurants. Markenzeichen: Kein Zimmer glich dem anderen – und illustre Gäste gaben sich die Klinke in die Hand.

lVandalismus und Verfall: Das Astoria in Leipzig ist baulich eine große Herausforderung. Quelle: André Kempner

Glamour und Verfall

Stars wie Adele Sandrock, Enrico Caruso oder Hans Albers logierten hier. Auch Louis Armstrong, Johannes Heesters oder Herbert von Karajan gehörten zu den Gästen.

Bei Luftangriffen im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt. Zuvor hatte der Eigentümer, der jüdische Bauunternehmer Carl Ottokar Cohn, das Hotel weit unter Wert verkaufen müssen. Zu DDR-Zeiten übernahm die Handelsorganisation HO das Haus, später stieg Interhotel ein. Während der Frühjahrs- und Herbstmessen übernachteten SED-Größen wie Walter Ulbricht und Alexander Schalck-Golodkowski im „Astoria“.

Bis zum Kauf durch Intown Property gab es mehrere Veräußerungen, doch die Investoren wagten bisher nicht den Schritt, das ehrwürdige Gemäuer zu sanieren.

Von Evelyn ter Vehn

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