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Denkmal mit Telefonnummer - Die Leipziger Löffelfamilie feiert 40. Geburtstag

Denkmal mit Telefonnummer - Die Leipziger Löffelfamilie feiert 40. Geburtstag

Welches Denkmal hat schon eine eigene Telefonnummer und ein eigenes Hörspiel? Die Leipziger Löffelfamilie - Relikt aus DDR-Zeiten und heute Kult auf der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße - hat das.

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Quelle: André Kempner

Leipzig. Die um einen Tisch verteilte löffelnde Familie warb von 1975 bis 1990 in der Leipziger Südvorstadt für die Produkte des VEB Feinkost. 1973 wurde sie von zwei Grafikern entworfen.

Gebaut wurde die Leuchtreklame von der früheren Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Neontechnik. Heute ist das die NEL Neontechnik GmbH. Deren Chef, Uwe Teichert, ist auch Vorstandsmitglied des Vereins Löffelfamilie. Der 40. Geburtstag der Neonreklame soll zum Tag des offenen Denkmals am 8. September mit einem Bühnenfest gefeiert werden.

Die löffelnde Familie - Mutter, Vater und zwei Kinder - gibt es noch, weil Leipziger Bürger für den Erhalt der kultigen Reklame eintraten, darunter Falk Elstermann, Chef des Kulturzentrums nato.

Seit 1993 steht das leuchtende Trio unter Denkmalschutz. Bis 1999 dauerte es, bis die Leuchtreklame detailgetreu wiederhergerichtet war. Dann leuchtete sie zehn Jahre lang. 2011 musste erneut saniert werden. Auch der Giebel, an dem sie montiert ist, war schadhaft.

Heute leuchtet die Löffelfamilie nach Sonnenuntergang für 90 Minuten. „Für mehr reicht das Geld nicht, das wir als Verein einsammeln“, sagte Teichert. Deshalb haben er und seine Mitstreiter sich eine pfiffige Idee einfallen lassen. Die Leuchtreklame kann per Anruf eingeschaltet werden. Davor gibt es ein kleines Hörspiel, das der Schauspieler Michael Trischan („In aller Freundschaft“) zusammen mit seiner Frau eingesprochen hat.

Die ursprüngliche Idee war, dass die Abrechnungszeit für das Hörspiel als Spende an den Verein geht. Allerdings gilt das Hörspiel als Warteschleife, erläuterte ein Sprecher des Telefonanbieters Vodafone. Und die sind laut Gesetz seit einiger Zeit kostenlos. Deshalb habe der Anbieter keine Spenden an den Verein abrechnen können. Es habe sich gezeigt, dass dieses Geschäftsmodell so nicht funktioniere. Als Ausgleich habe das Unternehmen dem Verein eine Spende über 1500 Euro überwiesen. Jetzt werde überlegt, ob sich eventuell ein anderes Modell finden lasse.

Die Löffelfamilie sei einmalig. „Sie ist Stadtbild prägend und identitätsstiftend, sie ist wieder ein beliebter Treffpunkt auf Leipzigs Kneipenmeile“, sagt Teichert. „Es ist ein Denkmal, das lebt, weil die Bürger dahinter stehen“.

Neues Projekt seiner Vereins: Eine Webcam und eine eigene App für das Denkmal. Ein Scheinwerfer, der die Familie anleuchtet, sei bereits montiert, erklärt Teicherts Vorstandskollege Peter Dorsch. Die Kamera komme demnächst. „Nur die Entwicklung der Software dauert ein wenig länger, als wir geplant haben“, sagt er. Wenn das Vorhaben fertig ist, soll man das aktuelle Kamerabild der Familie auf dem Handy sehen können. „Wenn man dann die 0900-LOEFFEL wählt, kann man den dreien beim Löffeln zu sehen, egal, wo auf der Welt man gerade ist“, freut sich Dorsch.

„Zu DDR-Zeiten sollte die Messestadt Leipzig ein gewisses weltstädtisches Flair bekommen, deshalb wurden viele Gebäude mit Leuchtreklamen ausgerüstet“, sagt Teichert. Überhaupt, die ganze DDR sollte nachts mit bunten Neonreklamen einen gewissen Glamour-Effekt haben. „Plaste und Elaste aus Schkopau“, diese Reklame prangte etwa an der Autobahn.

„Tradition und Fortschritt für modernes Wohnen“ leuchtet heute noch am Leipziger Roßplatz, betrieben vom Hauseigentümer. Die Reklame der Pinguin-Eisbar wird von der hiesigen Wohnungsgesellschaft betrieben. Und das Doppel M auf dem Wintergartenhochhaus in der City dreht sich im Auftrag der Leipziger Messe.

Sogar bis ins  Museum der Bildenden Künste hat es die Zündkerze „Isolator“, geschafft, die einst für eine DDR-Zündkerzenfirma warb. In Dresden hat der Getränkehersteller Margon die alte DDR-Reklame für das Getränk wiederbelebt. Doch vielerorts wurden die Neonreklamen auch abmontiert, wie Teichert sagt. Ungewiss ist in der Messestadt noch das Schicksal der ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Leuchtreklame mit dem berühmten Goethe-Zitat „Mein Leipzig lob ich mir“.

Einst hatte es von den Hochhäusern direkt am Leipziger Ring Gäste und Einheimische gegrüßt. Doch die Hochhäuser gibt es nicht mehr. Stattdessen laden die „Höfe am Brühl“ zum Shoppen ein. Auf das Dach des Einkaufszentrums sollte der schnörkelige Schriftzug auch wieder kommen. Doch dagegen läuft ein benachbartes Hotel Sturm wegen möglicher Beeinträchtigungen für seine Gäste. Ausgang noch offen.

Der Löffelfamilienverein dagegen kann am Sonntag Freunde und Förderer ehren, die sich um die Familie verdient gemacht haben. Eingeladen zum Festakt ist unter anderem Jürgen Mau, einer der beiden Grafiker, die sich die drei Löffler ausdachten. Auch Harry König ist angekündigt, der die Familie installierte. Und schließlich wird nato-Chef Falk Elstermann erwartet, der die Reklame 1993 wieder zum Leben erweckte.

dpa/chg

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