Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Denkmalschützer protestieren: GRK-Holding will Mietergärten im Waldstraßenviertel bebauen
Leipzig Lokales Denkmalschützer protestieren: GRK-Holding will Mietergärten im Waldstraßenviertel bebauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 11.07.2013
Idylle pur im Waldstraßenviertel - noch. Quelle: André Kempner

Die Mietergärten - die damals für die Selbstversorgung der Hausbewohner angelegt wurden - sollen jetzt bebaut werden.

Die beiden Häuser gelten als erster sozialer Wohnungsbau in Leipzig. Frege verfügte 1849 in seinem Testament die Gründung einer Stiftung, die preiswerte Wohnungen für Geringverdienende schaffen sollte. Er stellte für den Bau solcher Häuser 20.000 Taler bereit, die Grundstücke steuerte die Stadt Leipzig bei. 1864 wurden so die beiden Häuser mit jeweils sechs Wohnungen errichtet.Sie hatten Innentoiletten und sehr große Küchen. Damit die Bewohner zur Selbstversorgung eine eigene Kleinstwirtschaft betreiben konnten, gab es für jede Wohnung am Haus eine Art Schrebergarten - insgesamt zwölf Stück.

Auch zu DDR-Zeiten waren die Wohnungen gut vermietet. Das änderte sich erst nach der Wende, als die beiden Baudenkmale an die Bürgerstiftung Leipzig gingen, die sie 2008 im Paket mit anderen Häusern verkaufte. Nach mehreren Besitzerwechseln sind die unter Denkmalschutz stehenden Häuser heute nur von außen saniert und nur teilweise belegt. Das ist auch den historischen Mietergärten anzusehen.

Noch gravierender ist, dass das Grundstück inzwischen geteilt wurde. Der neue Besitzer - die GRK-Holding - betrachtet das Gartenland jetzt als eigenständiges Grundstück und behandelt es wie eine Brache, die nicht unter Denkmalschutz steht. Es wurde ein Bauantrag für das Gartenland gestellt, ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage soll darauf entstehen. Das Rathaus hat das Neubauvorhaben schon planungsrechtlich genehmigt - doch das Landesamt für Denkmalpflege wehrt sich dagegen. Das Gartenland sei nicht bebaubar, weil es denkmalrechtlich zum Einzeldenkmal Fregestraße 1 und 3 gehöre, heißt die Begründung. Die Landesdirektion hat der Bebauung nicht stattgegeben, jetzt klagt die GRK-Holding vor dem Verwaltungsgericht.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landeskultur hat sich eingeschaltet (DGGL). Sie sieht in der Einheit von Haus und Mietergärten die historische Bedeutung als Gartendenkmal. "Wir wehren uns gegen das Aushebeln der seit 150 Jahren in Leipzig entstandenen sozial-orientierten Idee des Wohnens", sagt Michael Berninger, Vorstand des sächsischen Landesverbandes der DGGL. Denn Freges Idee sei nach wie vor aktuell. "Ein Garten der sozialen Zwecken dient, dient den Zielen einer nachhaltigen Gesellschaft", so Berninger. Außerdem sei die Flächenversiegelung inakzeptabel und der Fall ein Beispiel dafür, wie in Leipzig "die baukulturelle Qualität und damit auch die Lebensqualität Stück für Stück ausgehebelt wird".

GRK-Chef und Investor Steffen Göpel sieht das anders. Im Verwaltungsgericht führt er für die Genehmigung seines Bauantrags unter anderem ein Gutachten an, das Wolfgang Hoquèl angefertigt hat, Geschäftsführer der Kulturstiftung Leipzig und ehemaliger oberster Denkmalschützer der Landesdirektion. "Der Garten ist kein Denkmal, sondern eindeutig Bauland", sagt der Projektentwickler und pocht auf einen Gleichheitsgrundsatz. "In 500 Meter Luftlinie hat die Stadt wegen Olympia ein stadtbildprägendes Baudenkmal wegreißen lassen, aber hier soll eine verwilderte Wiese bewahrt werden. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.07.2013

Tappert, Andreas

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kein Saal, kein Festredner: Leipzigs Burschenschaftler stehen für ihren Jahreshöhepunkt aktuell mit ziemlich leeren Händen da. Der geplante Festkommers am 12. Oktober sollte eigentlich im Preußischen Wartesaal des Hauptbahnhofs stattfinden - doch der Raum wurde gekündigt.

11.07.2013

Im Sommer treibt es wieder Massen an den Cospudener See. Viele kommen mit dem Auto über die Dieskau- und die Brückenstraße. Bei erster Gelegenheit biegen sie rechts in den Lauerschen Weg, weil sie Parkmöglichkeiten in Ufernähe vermuten.

11.07.2013

Ein Glückspilz aus der Messestadt hat am Mittwoch 77.777 Euro im Lotto gewonnen. Wie die Sächsische Lotto GmbH am Donnerstag mitteilte, hatte bundesweit kein Mitspieler die komplette Gewinnzahl im Spiel 77 richtig, so dass nun für die Ziehung am Samstag bei Spiel 77 in der ersten Gewinnklasse eine Million Euro zu gewinnen sind.

11.07.2013
Anzeige