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„Der Campus hat Wachstumsbedarf“

Die Rektorin der Leipziger HTWK, Gesine Grande, im Interview „Der Campus hat Wachstumsbedarf“

Seit einem Jahr steht Professorin Gesine Grande (51) als Rektorin an Spitze der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur. Sie hat eine Strategiediskussion angeschoben, um Lehre und Forschung langfristig zu sichern. Ausgelegt war die HTWK für 4000 Studenten , heute studieren dort über 6000. „Der Campus hat Wachstumsbedarf“, sagt Grande.

Seit einem Jahr im Amt: HTWK-Rektorin Gesine Grande.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Seit einem Jahr steht Professorin Gesine Grande (51) als Rektorin an Spitze der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) und hat eine Strategiediskussion angeschoben, um die Wettbewerbsfähigkeit in Lehre und Forschung langfristig zu sichern.

Im Rückblick: Wie ist das erste Jahr als Rektorin gelaufen?

Die Zeit ist unglaublich schnell vergangen, sie war sehr intensiv. Rektorin zu sein, ist eine anstrengende Aufgabe, die aber auch erfüllend sein kann.

Beim Amtsantritt erklärten Sie, an der Hochschule solle eine Kultur der Zuversicht herrschen. Hat sie sich eingestellt?

Zuversicht braucht eine innere Haltung und Visionen, aber auch sich einstellende Erfolge, die motivieren. Bei all dem sind wir, so glaube ich, vorangekommen. Aber es sind natürlich auch anspornende Rahmenbedingungen nötig - und da ist es nach wie vor so, dass noch nicht feststeht, wie der neue sächsische Hochschulentwicklungsplan aussehen wird und inwiefern wir 2016 weitere Stellen abbauen müssen. Die HTWK ist forschungsstark, nötig ist gleichwohl mehr Unterstützung seitens des Landes für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Wie weit sind die Überlegungen zur Weiterentwicklung der HTWK gediehen?

Das wird uns noch eine Weile beschäftigen – im Sinne der künftigen Wettbewerbsfähigkeit, aber ebenso mit Blick auf das Ende des Hochschulpaktes in fünf Jahren. Dann könnten wir etwa 30 Stellen nicht mehr finanziert bekommen. Ob uns das gefällt oder nicht, wir müssen uns im Zuge der langfristigen Planungen auch auf ein solches Szenario einstellen.

In diesem Jahr wurden weniger Studenten immatrikuliert als 2014. Warum?

Die HTWK ist weiter enorm nachgefragt, durchschnittlich kommen etwa acht Bewerber auf einen Studienplatz. Wir dürfen aber nur 1000 Studierende pro Jahr immatrikulieren, die ein erstes Hochschulsemester beginnen. 2014 haben wir trotz aller Bemühungen diese Marke um 50 überschritten. Das wird das HTWK-Budget mit etwa 600 000 Euro belasten. Dieses Jahr sind wir konform mit der Kapazitätsvorgabe, die der großen Nachfrage aber leider nicht Rechnung trägt.

Besonders die Studieneingangsphase ist für viele nicht einfach. Was lässt sich da machen?

Unter anderem müssen wir mehr Flexibilität hinsichtlich der Studienanfänger hinbekommen. Sie haben ja unterschiedlichste Voraussetzungen, kommen direkt vom Gymnasium oder als Späteinsteiger aus dem Berufsleben. Letztere brauchen häufig einfach mehr Eingewöhnungszeit fürs Studium. Und die Mehrzahl der Studierenden jobbt nebenbei – zum Teil auch lukrativ etwa in Ingenieurbüros oder im Informatik-Sektor. Das kollidiert oft mit der Regelstudienzeit. Wir müssen uns also etwas einfallen lassen, um grundsätzlich zu klären, wie wir sie bestmöglich zum Studienabschluss begleiten können.

Die Architekturausbildung findet jetzt im Interim in Markkleeberg statt. Ist der Umzug reibungslos verlaufen?

Es war schwierig, ein Quartier auf Zeit zu finden. Aber es ist dank aller Beteiligten gut hergerichtet worden, auch für die aus Reichenbach zu uns gekommenen Professoren. Wir überlegen, ob perspektivisch an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften und Architektur ein neuer Master-Studiengang an der Schnittstelle dieser beiden Fächer etabliert werden könnte.

Ist die bisherige Fakultätsstruktur in Stein gemeißelt?

Es geht generell um die Frage, welche Optionen wir haben, um die HTWK weiter zu entwickeln. Das ist ein Prozess des Nachdenkens und des Diskurses für den eine Rektoratskommission ein Diskussionspapier vorgelegt hat. Natürlich geht es auch darum, ob es sinnvoll wäre oder nicht, Strukturen anders zu stricken. Aber dahingehende Veränderungen machen nur Sinn, wenn sie für Lehre und Forschung Gewinn versprechen.

In diesem Jahr ist das neue Institutsgebäude der Fakultät für Maschinenbau und Energietechnik eingeweiht worden. Gibt es weitere Bauvorhaben?

Wir sind mit dem Freistaat im Gespräch, wie es baulich weitergehen könnte, denn unser Platzbedarf ist gewachsen. Einst war die HTWK für 4000 Studenten ausgelegt, inzwischen sind es über 6000. Durch die vielen Drittmittel finanzierten Projekte ist die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter auf rund 220 gestiegen. Der Campus hat Wachstumsbedarf. Inwiefern und in welchem Zeitraum sich etwas tun soll, werden die Verhandlungen zeigen.

Was wünschen Sie sich für das nächste Jahr?

Dass der bis 2025 reichende sächsische Hochschulentwicklungsplan als tragfähige Handlungsgrundlage zustande kommt und ebenso die Zuschussvereinbarungen auf einer für die Hochschulen auskömmlichen Basis. Davon hängt viel ab. An der HTWK wünsche ich mir, dass wir gemeinsam ein kluges Konzept zur Weiterentwicklung der Hochschule verabschieden.

Interview: Mario Beck

Von Mario Beck

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