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Lokales "Der Eisvogel nimmt den Floßgraben an" - weiter Diskussion um Leipzig-Boot
Leipzig Lokales "Der Eisvogel nimmt den Floßgraben an" - weiter Diskussion um Leipzig-Boot
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23:30 29.07.2014
Eisvogel auf Nahrungssuche. Quelle: dpa

Und zwar an Ort und Stelle: am Floßgraben.

Der buntgefiederte Alcedo atthis tut dies ungeachtet der vielen Paddler, die in der sensiblen Fortpflanzungsphase zwischen Mitte April und Mitte August täglich nur zwischen 11 und 13 Uhr respektive 16 und 18 Uhr auf der natürlichen Wasserrinne zwischen der Schleuse Connewitz und dem Waldsee Lauer schippern dürfen. Der kleine Fischfresser geht seinem Selbsterhaltungstrieb selbst dann noch nach, wenn eines der beiden Elektromotorboote der Rana-Boot GmbH über den Floßgraben zuckelt.

Leipzig. So verrückt und schön ist die Welt: Während die Menschen darüber diskutieren, was gut für den Eisvogel ist, wie scharf die Allgemeinverfügung zu seinem und der Brut Schutze ausfallen sollte, macht das Tier, was es will beziehungsweise was es soll: Es produziert Nachwuchs. Und zwar an Ort und Stelle: am Floßgraben.

Die motorbetriebenen Gleiter "Marianne" und "Henriette", in denen 14 bis 18 Passagiere Platz finden, waren einst mit öffentlichen Fördermitteln speziell für den Leipziger Gewässerverbund entwickelt worden. Im Zuge der inzwischen jährlich stattfindenden Eisvogel-Debatte verderben die Leipzig-Boote der Grünen Liga Sachsen regelmäßig die Laune. Weshalb der Dachverband des Ökolöwen in diesen Tagen zum wiederholten Male Widerspruch gegen Entscheidungen des städtischen Amtes für Umweltschutz eingelegt hat, die Rana-Boot GmbH von der Allgemeinverfügung auszunehmen. Begründung der Öko-Aktivisten: Die Fahrten der E-Motorboote durch den südlichen Auwald erschwerten die Brutvorgänge des seltenen Eisvogels nachhaltig. Sie wollen die Wasserfahrzeuge deshalb komplett aus dem Geschäft nehmen.

Quelle: Gunter Pistora

Die Kritik der Grünen Liga kann Angelika von Fritsch, die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, nicht nachvollziehen. Der jüngste Monitoring-Bericht spreche davon, dass Jungvögel gegenwärtig intensiv gefüttert würden. "Wie viele es genau sind, steht noch nicht fest", sagt von Fritsch. Klar sei aber, dass zwei Brutröhren am Floßgraben belegt seien. "Das könnte bedeuten, dass bis 15. August, wenn die Allgemeinverfügung endet, fünf bis sechs, vielleicht sogar sieben bis acht Junge flügge geworden sind." In einem ersten Brutvorgang im Frühjahr sei zudem ein Vogelpaar beobachtet worden, das vermutlich drei bis vier Jungvögeln ins Dasein verholfen habe. Unterm Strich, so die Amtsleiterin, werde es am Floßgraben in diesem Jahr wohl mehr Eisvogel-Nachwuchs geben als 2013. "Das Tier fühlt sich dort offenbar wohl, es nimmt den Floßgraben wunderbar an." Wenn der Vogel seine Ruhezeiten bekomme, verliefen die Bruten erfolgreich. "Von daher ist es sehr wahrscheinlich, dass wir auch 2015 mit einer Allgemeinverfügung arbeiten werden", kündigt von Fritsch an. "Die Möglichkeit der Befreiung eingeschlossen."

Das dürfte die Diskussion um die Leipzig-Boote im kommenden Jahr einmal mehr aufleben lassen. Umweltverbände und Grüne Liga protestieren gegen den Sonderstatus der Rana-Boot GmbH auch deshalb, weil sie Floßgraben und Auwald "vor der Übernutzung mit Motorbooten" schützen wollen. Die Stadt Leipzig verstoße mit ihrer Befreiung von der Allgemeinverfügung gegen eigene Naturschutzanordnungen, heißt es.

Im Moment kann von einer Ausnahmeregelung zugunsten der E-Boote aber nur bedingt die Rede sein. Denn gerade gelten für die Rana-Boot GmbH dieselben Zeitfenster wie für die Kanuten. "Was mitunter zu Staus auf dem Floßgraben führt", wie Geschäftsführer Reiner Kehr leidvoll feststellen musste. "Wäre es dabei geblieben, dass wir schon vor 16 Uhr aufs Wasser dürfen, würden die Tiere weitaus weniger gestört." Und überhaupt, legt der Bootsbauer nach, "die Umweltschützer tun ja so, als ob wir täglich mehrmals dort aufschlagen. Eine Hinfahrt ab Riverboat an der Zeignerallee und eine Rückfahrt ab Cospudener See, das kommt nur an Wochenenden vor." Die Fahrbewegungen im Floßgraben hielten sich wahrlich in Grenzen. "Auf 300 Paddler kommt eine Tour von uns", sagt Kehr.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.07.2014

Dominic Welters

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