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Leipzig Lokales Der Frust fährt mit: Straßenbahner attackieren LVB
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18:48 21.07.2015
Ein Teil der Straßenbahnenfahrer bei den LVB ist unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Rolf H. (*) arbeitet seit knapp 30 Jahren als Straßenbahnfahrer bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB). Gemeinsam mit fünf Kollegen hat er sich nun entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Denn für ihn und die anderen Straßenbahner sind die Zustände bei den LVB „nicht mehr zumutbar.“ Seinen Namen möchte er nicht nennen, die Angst vor Konsequenzen ist zu groß.

Die Hauptkritikpunkte von H. an seinem Arbeitgeber: Überwachung von Mitarbeitern, ein schlechtes Klima und eine Bezahlung, die nicht angemessen ist. 1800 Euro netto bekommt er. Berufseinsteiger müssten allerdings mit etwa 1100 Euro leben. „Die Einstiegsgehälter liegen knapp über dem Existenzminimum“, erklären die sechs LVB-Angestellten in einem Brief, der LVZ.de vorliegt. Mit den Vorwürfen konfrontiert, argumentieren die LVB auf Anfrage: „Als tarifgebundenes Unternehmen bieten wir sichere Arbeitsplätze und mit den Gewerkschaften ausgehandelte Tarifverträge, die regelmäßige Lohnsteigerungen vorsehen. Diese Vergütung ist branchenüblich.“ 1.137 Mitarbeiter sind aktuell im Fahrdienst der LVB angestellt.

Schlechtes Betriebsklima

Nach Überzeugung der Straßenbahnfahrer sei die Leipziger Stadtverwaltung mitverantwortlich für die Misere bei den LVB. „Obwohl diese zur Grundversorgung verpflichtet ist, sollen nach ihren Vorstellungen die Verkehrsfinanzierungsbeiträge, trotz wachsender Einwohnerzahlen und stetig dichter werdendem Verkehr, kontinuierlich nach unten geschraubt werden“, meinen H. und seine Kollegen. Frank Viereckl, Leiter Konzernkommunikation der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV), gibt zu: „Der Betrag wurde in den vergangenen Jahren heruntergeschraubt“, und erklärt weiter: „Die LVB arbeiten immer effizienter, daher ist der Zuschussbedarf geringer geworden.“ Statt einstmals 60 Millionen bekommen die LVB inzwischen noch 45 Millionen Euro pro Jahr. Dieser Betrag soll laut Viereckl künftig konstant bleiben.

Als große Belastung empfinden die Fahrer auch das Betriebsklima. Laut H. versuchen die LVB ihre Mitarbeiter unter Druck zu setzen, indem bei Fehlern sofort eine Abmahnung drohe. „Das macht uns krank“, sagt der Betroffene und verweist auf einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand seiner Kollegen.

Unternehmen dementiert Spionage

Ein konkreter Vorfall brachte jetzt laut H. das Fass zum Überlaufen. Es existiere ein geschlossenes Internetforum, in dem sich rund 150 Straßenbahnfahrer über betriebliche Dinge austauschen. Diese Plattform sei von den LVB ausgespäht worden. Er selbst sei mit einem Screenshot seines Beitrags konfrontiert und der Störung des Betriebsfriedens verdächtigt worden. „Von unserer Seite gibt es niemanden, der in geschlossenen Internetgruppen ausspioniert wurde. Daran haben wir kein Interesse“, sagt Viereckl und ergänzt: „Wir versuchen mit den Mitarbeitern zu reden und so Probleme zu lösen.“

Die Straßenbahnfahrer haben nach eigenen Angaben kaum die Möglichkeit, etwas an der Situation zu ändern. Laut H. könnten die Mitarbeiter nicht auf die Hilfe des Betriebsrats bauen, da dieser der Geschäftsführung nahe stehe. Zudem dürften die Straßenbahnfahrer der LVB im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen nicht streiken. Das wurde im Rahmen eines Arbeitspaktes im Jahr 2002 beschlossen, der den Mitarbeitern auf der anderen Seite eine Jobsicherheit garantiert.

Höhere Fahrpreise Dorn im Auge

Weitere Kritikpunkte der Fahrer, die selbst einen gut funktionierenden Nahverkehr vermissen, sind marode Gleisabschnitte mit nicht mehr akzeptablen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Flickschustereien, die nur von kurzer Lebensdauer sind, sowie vergeudete Millionenbeträge wie zum Beispiel beim neuen Technischen Zentrum Heiterblick.

Nicht zuletzt sind die im August erneut steigenden Ticketpreise ein Dorn im Auge der LVB-Mitarbeiter, denn damit würden vor allem sozial schwache Kunden zunehmend zur Benutzung anderer Verkehrsmittel gezwungen. Diesem Fakt pflichtet auch die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat bei: „Die Preiserhöhungen stehen in keinem Verhältnis zur Entwicklung der Gehälter der Leipzigerinnen und Leipziger. Mobilität ist Daseinsversorge und sollte für alle Menschen bezahlbar sein“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin Franziska Riekewald. Erst am Montag hatte der MDV eine Preiserhöhung für Einzelfahrscheine in Leipzig um 10 Cent, auf 2,50 Euro, verkündet.   

*Name von der Redaktion geändert

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