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Lokales „Der Hut ist Ihnen mindestens zehn Nummern zu groß“
Leipzig Lokales „Der Hut ist Ihnen mindestens zehn Nummern zu groß“
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07:01 28.08.2018
Ihr Markenzeichen sind auffällige Hüte: Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos). Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Das Verhältnis der Leipziger zu der ersten von den Grünen ins Amt gebrachten Bürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) ist ein ganz spezielles. Es gab in den vergangenen Jahrzehnten kaum einen Beigeordneten, der sich so massiver Kritik ausgesetzt sah wie die Berlinerin, die bis 2020 gewählt ist. Doch anders als bisher, steckt die 63-Jährige in der Schlussphase ihrer Amtszeit die Anwürfe nicht mehr klaglos weg, sondern keilt auch mal zurück.

Streit um Wahrener Bauernbrücke: Lügenvorwurf und Warnung vor Verwaltungsbashing

So etwa im Streit um einen Ersatz für die wegen Baufälligkeit gesperrte Wahrener Bauernbrücke. Da hatte Dubrau im April im Stadtrat eine Information des Technischen Hilfswerks (THW) zu Protokoll gegeben. „Das Gewicht der Behelfsbrücke – das liegt uns schriftlich vor – ist 25 Tonnen“, sagte Dubrau. Deshalb ließe sich so ohne Weiteres keine Behelfsbrücke des THW, wie von einigen damals gefordert, auf die vorhandene Basiskonstruktion aufsetzen. Daraufhin bezichtigte CDU-Stadtrat Konrad Riedel öffentlichkeitswirksam die Baubürgermeisterin der Lüge. Ein solches Dokument des THW, auf das sich Dubrau berufe, so Riedel, existiere gar nicht und forderte von ihr eine Stellungnahme. „Weder Stadtrat noch Öffentlichkeit wurden durch mich belogen“, konterte Dubrau jetzt auf die offizielle Ratsanfrage – und verwies dabei auf eine schriftliche Stellungnahme des THW vom 27. Februar. In dieser sei zwar das in Rede stehende Gewicht der Ersatzbrücke des Typs Bailey in der Tat nicht erwähnt worden. Allerdings sei dies bei einem später stattgefundenen Telefonat erfragt und handschriftlich als Notiz auf dem Schreiben vermerkt worden. Dies habe Riedel wissen müssen, da ihm das Dokument vorgelegen habe – was Dubrau zu einer Belehrung ihres Widersachers veranlasste. Sie weise die „wiederholten Unterstellungen, die letztlich nicht mich, sondern die engagierte Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in den Fachämtern diskreditieren und demotivieren“ entschieden zurück, schrieb sie Riedel ins Stammbuch. Und weiter: „Bitte widerstehen sie hin und wieder der oft sehr billig zu habenden Versuchung, politische Auseinandersetzungen und Verantwortungsübernahme in der Kommunikation auch schwierigerer Themen nach Außen, durch bloßes Verwaltungsbashing zu ersetzen. Sie schaden damit vor allem dem Vertrauen in die Selbstverwaltung der Gemeinde und der politischen Ordnung als Ganzem, deren Teil Sie als Stadträte sind.“

Nahverkehrsplan überfällig, Grünauer Bürgerzentrum steht in den Sternen

Was auf der jüngsten Sitzung des Stadtrates aber den Wirtschaftsexperten der SPD-Fraktion nicht von einem Rundumschlag gegen die Baubürgermeisterin abhielt. „Es ist peinlich“, so Bär zu Dubrau, „was sich Ihr Dezernat immer, immer wieder leistet.“ So habe der Juni-Beschluss zu dem von ihr vorlegten Bebauungsplan „Erholungsgebiet Kulkwitzer See“ binnen eines Monats wiederholt werden müssen, weil er sich in einigen Punkten widersprochen, zu Rechtsunsicherheit geführt und vom Stadtrat gewünschte Investitionen für längere Zeit unmöglich gemacht habe. Der Nahverkehrsplan sei seit 2016 überfällig. Ärger scheine es auch mit einem Projekt in Grünau zu geben. „Ich weiß nicht, ob Sie es dem Oberbürgermeister schon gebeichtet haben, was mit dem geplanten Bildungs- und Bürgerzentrum in Grünau ist“, so Bär. Es sei fraglich, ob der dazu gefasste Grundsatzbeschluss des Stadtrates noch zu halten ist. Außerdem warf er der Baubürgermeister vor, ihr Personal „zu verschleißen“. „Frau Dubrau“, fasste Bär schließlich seine Generalkritik zusammen, „der Hut, den Sie hier in der Stadtverwaltung aufhaben, ist Ihnen mindestens zehn Nummern zu groß“.

Von Klaus Staeubert

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