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Der Preuße ist ein Sachse: Soldaten-Gemälde in der Thomaskirche Leipzig restauriert

Der Preuße ist ein Sachse: Soldaten-Gemälde in der Thomaskirche Leipzig restauriert

Als Preuße verkannt, verblasst und mit Klebestreifen bandagiert – und jetzt dieses Comeback als Sachse. Wenn die Leipziger zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag den Turm der Thomaskirche besteigen, können sie ihn sehen: Behutsam gereinigt und restauriert, endlich auch als sächsischer Fußartillerist aus der Zeit der Völkerschlacht erkannt, schmückt sein Bildnis die Tür eines Holzverschlags.

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Restauratorin Claudia Nicolaisen-Luckenbach erklärt die Besonderheiten des restaurierten Soldaten-Bildnisses im Turm der Thomaskirche.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Den Anstoß zur Wiederherstellung des um 1813 entstandenen Bildes gab die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die in Sachsen insgesamt mehr als 700 Projekte fördert. Kurz vor dem Jubiläum „200 Jahre Völkerschlacht“ kümmerte sich die Stiftung um einen Sponsoren, und fand ihn in Christian Olearius, Nachfahre einer Leipziger Theologenfamilie. Als die 4000 Euro Kosten gesichert waren, konnte Restauratorin Claudia Nicolaisen-Luckenbach die Arbeit aufnehmen. Sie stellte das Gesicht des Uniformierten wieder her, retuschierte, kittete und entfernte ältere Übermalungen. Bis schließlich klar war, dass die Jacke des Militärs ursprünglich grün war – und nicht blau.

Nicht jedes Detail passt ins historische Puzzle

„Wir hatten Uniform-Experten hier vor Ort, und Stefan Riedel von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat viel Recherchearbeit geleistet“, so Ortskuratorin Brigitte Kempe-Stecher am Donnerstag zur Präsentation des frisch restaurierten Uniformierten, der offenbar keinen preußischen Jäger darstellt. Noch immer passt nicht jedes Detail ins historische Puzzle. Doch nahezu alles weist darauf hin, dass das über zwei Meter hohe und unvollendete Bild einen sächsischen Fußartilleristen zeigt.

Vielleicht wurde der Verschlag auf dem ersten Podest der Turm-Wendeltreppe, 52 Stufen über der Straße, als Wachstube genutzt, in der sich die Soldaten aufhielten, wenn sie nicht verletzte französische Gefangene in der Kirche bewachten. Nach Napoleons Niederlage in Russland nutzten flüchtende Truppen der Grande Armée das Gotteshaus als Lazarett, erläutert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zum Gemälde. Zeitweise waren in der Thomaskirche bis zu 1500 Verwundete untergebracht.

Genau zu datieren sei das Gemälde nicht, so Ortskuratorin Kempe-Stecher. Und auch die Identität des Soldaten bleibt im Dunkeln. Ins Umfeld der historischen Ereignisse passe aber, so Kempe-Stecher, dass in der Entscheidungsschlacht am 18. Oktober 1813 reihenweise sächsische Soldaten zu den Russen übergelaufen seien. So sei es zumindest möglich, dass in der Thomaskirche Soldaten in sächsischer Uniform über französische Verwundete wachten, auch wenn diese gerade noch ihre Alliierten waren.

"Es wird gebeten, den Soldaten nicht zu bemalen"

Selbst die Identität des Künstlers wird in den Wirren jener Tage verborgen bleiben. Lange Zeit glaubte man, dass ein F. Markert mit den Ölfarben hantiert und sich auf der Uniform des Soldaten in einem Schriftzug verewigt habe. „Aber das ist vom Tisch. Die Schrift stammt von jemandem, der die letzte Übermalung gemacht hat“, so Restauratorin Nicolaisen-Luckenbach. Auch das Datum ist auf dem Soldatenrock vermerkt, nämlich 1911. Damit mit weiteren Kritzeleien Schluss sei, schrieb der besorgte Maler neben das Bild mit der schmutziggelben Farbe, die er noch am Pinsel hatte: „Es wird gebeten, den Soldaten nicht zu bemalen.“

Das Gemälde kann am Sonntag, 9. September, zum Tag des offenen Denkmals besichtigt werden, Turmführungen um 14 und 15 Uhr. Außerdem bietet die Thomaskirche regulär Turmführungen an, April bis Ende November, samstags um 13 Uhr, 14 Uhr und 16.30 Uhr, sonntags um 14 und 15 Uhr (2 Euro, Kinder unter 12 Jahren frei).

Evelyn ter Vehn

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