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Lokales Der Pyramidenbauer von Sellerhausen - 85-Jähriger werkelt weiter
Leipzig Lokales Der Pyramidenbauer von Sellerhausen - 85-Jähriger werkelt weiter
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10:58 24.12.2015
Werner Füller baut auch mit 85 Jahren noch Pyramiden. Quelle: Jens Rometsch
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Eigentlich wollte Werner Pfüller aus Sellerhausen sein Hobby gerade an den Nagel hängen. Schließlich ist er jetzt schon 85 Jahre alt – und die ganze Familie bis hin zu den Enkeln mit Weihnachtspyramiden Marke Eigenbau von ihm versorgt. Hinzu kommt: Das Basteln in seiner Keller-Werkstatt erfordere sehr viel Fingerspitzengefühl und gute Augen, sagt er. „Mit der Laubsäge fertige ich jede einzelne Öffnung in den Seitenverkleidungen von Hand an. Erst wird dazu ein Loch ins Sperrholz gebohrt und dann gesägt.“

Natürlich hat es der frühere Maschinenbau-Ingenieur auch schon mal mit elektrischen Feinsägen probiert. Doch diese würden ihm bei Weitem nicht jene Qualität ermöglichen, die sich Pfüller für seine Pyramiden wünscht. „Es sind alles Unikate –  gefertigt in verschiedenen Größen nach einem Vorbild, das noch vom Anfang des 19. Jahrhunderts stammt“, verrät er. „Meine Vorfahren lebten einst in Großolbersdorf im Erzgebirge.“ Also mitten in jenem Landstrich, wo die karussellartig aufgebauten Gestelle mit den zumeist christlichen Motiven von Handwerkern und Bergleuten erfunden wurden. Diese schnitzten sie lange Zeit komplett von Hand. Erst mit der Wiederentdeckung von Verfahren zur Sperrholz-Produktion (etwa ab 1850) setzte sich dieses Material für den Adventsschmuck durch.

Der erfahrene Baumeister aus Sellerhausen wuchs jedoch in Altenhain bei Grimma auf. „In der gesamten Zeit des Zweiten Weltkrieges bewahrte mein Vater dort in unserem Haus eine Pyramide aus altem Familienbesitz in einer Kiste unter dem Bett auf. Dieser Schatz war ihm sehr wich- tig. Nur leider funktio- nierte dessen Drehmechanismus nicht mehr.“

Nach Kriegsende konnte der Sohn, der in Machern Metallflugzeugbauer lernte, den Schaden beheben. Er schraubte mehrere 24-Volt-Motoren aus kaputten Kampfflugzeugen ab, die in einem Waldstück nahe dem Flugplatz Polenz dahinrosteten; zudem ein Kegelradgetriebe, durch das ein ruhiges Drehen der Figuren auf den Plattformen gesichert wurde. Zum Herstellen eigener Pyramiden fand Pfüller erst mit dem Beginn der Rente 1990. Ein 1,20 Meter großes Exemplar kann zwei Jahre dauern. Zehn Stück hat er inzwischen an Verwandte verschenkt.
Das Besondere an seinen Arbeiten, so der sehr nette Senior, der sich unter keinen Umständen fotografieren lassen wollte und entscheidende Baudetails (wie die unsichtbare Kabelführung zu den zahlreichen Elektrokerzen) als Familiengeheimnis hütet, sei die Vorlage. „Ich habe von der Original-Pyramide aus dem Erzgebirge Schablonen in verschiedenen Größen angefertigt. Deshalb zum Beispiel steht in der Krone der Satz: Ehre Gott in der Höhe.“

Nußknacker, Waldtiere und andere Figuren kaufte Pfüller nach der Wende im Fachhandel. Das Krippenspiel aus jenem historischen Modell, das sein Vater unterm Bett bewahrte, ziert heute das Modell in der guten Stube der Pfüllers. Sie wohnen seit etlichen Jahren bei der Baugenossenschaft Kontakt.

Im vergangenen Sommer beschloss Pfüller, die Laubsäge wegzuhängen. Als er dann eine neue Kiste für die nächste Generation zusammenstellte, fiel ihm aber auf, dass heutzutage von vielen Dingen nur noch Zehnerpacks verkauft werden – egal ob Sicherungen, Lampen oder Schalter. „Ich hatte noch so viel Material, das konnte ich nicht einfach wegwerfen.“ Nun geht er also doch wieder regelmäßig hinunter: in den Pyramidenbastelkeller.

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