Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales „Der Reiz ist die Unterschiedlichkeit“: Verein Mosaik Leipzig berät erwachsene Zugewanderte
Leipzig Lokales „Der Reiz ist die Unterschiedlichkeit“: Verein Mosaik Leipzig berät erwachsene Zugewanderte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 23.09.2017
Maike Heinke, Fanny Schubert und Janko Kunze (von links) in der Beratungsstelle des Mosaik Leipzig e.V. Quelle: Dirk Knofe
Anzeige
Leipzig


„Wir haben gesehen, dass die Zielgruppe vielfältige Unterstützung in den verschiedensten Lebensbereichen braucht“, sagt Maike Heinke, seit 2014 beim Mosaik, ehrenamtlich im Vorstand des Vereins und hauptamtlich in der Beratung tätig. Zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitenden schafft die 39-Jährige Orientierung für Neuankömmlinge. Die besprochenen Themen rangieren dabei von der Vermittlung von Deutschkursen über Bildung und Beruf bis hin zu Wohn- und familiären Belangen, aufenthaltsrechtlichen Fragen sowie Freizeitgestaltung.

Die Nachfrage ist hoch, die Kapazitäten jedoch begrenzt. „Zurzeit können wir nicht immer alle Anfragen bedienen“, stellt Heinke fest. Alleine dieses Jahr betreut das kleine Team etwa 400 aus den unterschiedlichsten Gründen Zugewanderte. Mehr als die Hälfte stammt aus dem bürgerkriegszerrütteten Syrien. „Der zweitgrößte Teil kommt aus EU-Staaten wie Spanien, Griechenland, Rumänien oder Bulgarien“, erläutert Heinke. „Migration wird oft mit Flucht gleichgesetzt, aber das ist es eben nicht“, gibt Janko Kunze, der derzeit für den Verein als Projektleiter das Psychosoziale Zentrum für Geflüchtete verantwortet, zu verstehen.

Trotzdem gibt es Problemfelder, die sich überschneiden. Wo kann man Deutschkurse belegen? Was ist der im Ausland erworbene Berufsabschluss in Deutschland wert? Wo kann man Arbeitsstellen recherchieren? Das sind Fragen, die sich die meisten Neuankömmlinge stellen und auf die die MBE Antworten liefern kann. „Bei vielen anerkannten Flüchtlingen steht das Thema Familienzusammenführung an oberster Stelle. Dabei geht es darum, Termine mit Botschaften zu vereinbaren und notwendige Unterlagen zu besorgen“, erklärt Heinke. Auch vermeintliche Kleinigkeiten wie Telefonverträge und Stromabschläge werden besprochen. „Wenn jemand aus einem völlig anderen gesellschaftlichen oder politischen System kommt, ist es viel schwieriger, sich bei uns zu orientieren“, sagt Heinke aus der Erfahrung mit ihren Klienten heraus. Ausgewählte Schwerpunkte werden zudem in Gruppenangeboten zusammengefasst, „um noch mehr Leute zu erreichen, die keine direkte Beratung, sondern lediglich allgemeine Informationen brauchen“, sagt Fanny Schubert, seit 2014 beim Mosaik.

Über die Vereinsstruktur hinaus wird beim Mosaik auf Vernetzung gesetzt. Mit anderen Migrationsberatungsstellen, dem Referat für Migration und Integration der Stadt und anderen Initiativen herrscht reger Austausch. Der Verein nimmt zudem am Arbeitskreis Ost teil.

Finanziert wird die MBE unter anderem mit Geld aus dem Fördermitteltopf des Bundesinnenministeriums. „Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Vollfinanzierung, sodass wir als Träger einen gewissen Anteil der Kosten anderweitig erwirtschaften müssen“, erläutert Heinke. Der Verein ist deshalb vor allem auf Spenden, Sponsoren und Fördermitglieder angewiesen. Wie das läuft? „Durchwachsen“, muss Kunze zu Protokoll geben. „Generell möchten wir von den öffentlichen Mitteln unabhängiger werden, um langfristiger planen zu können“, wünscht sich Heinke. Mit Einnahmen durch Fördermitgliedschaften könne man zudem kurzfristig auf neue Bedarfe reagieren, da diese Mittel an keine Förderrichtlinie gebunden seien.

Viel Geld verschlingt derzeit der Einsatz von Sprachmittlern. „Dafür haben wir ein gedeckeltes Budget, und wir wissen jetzt schon, dass es dieses Jahr nicht ausreichen wird“, offenbart Heinke. Ohne qualifizierte Übersetzung kann das Beratungsteam jedoch nur schwer das eigentliche Ziel erreichen. „Wir wollen die Leute befähigen, die Dinge selber angehen zu können“, macht Kunze für die MBE deutlich. „Als Verein wollen wir die Wertschätzung von Vielfalt stärken“, ergänzt Heinke. „Nicht alle sollen gleich sein. Der Reiz ist die Unterschiedlichkeit.“

Von André Pitz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Bürgerinitiative verteilt Faltblätter - Leipziger begrüßen Bau einer neuen Schnellstraße

Immer mehr Einwohner und immer mehr Autos stellen Leipziger Verkehrsplaner vor immer größere Herausforderungen. Denn gut organisierte Minderheiten aus Radfahrern und Umweltschützern verhindern den Bau neuer Straßen. Jetzt dreht sich der Wind.

20.09.2017

Zwei Gründer bringen einen Tresor für draußen auf den Markt. Er soll Wertsachen sicher aufbewahren und in der Natur schützen. Die Finanzierungskampagne läuft.

23.09.2017
Lokales Wissenschaftsstandort Leipzig - Gentherapie gegen den Krebs

Die Chimäre-Antigenrezeptor-Therapie – für Krebspatienten in Deutschland könnte sie zur großen Hoffnung werden, in den USA ist sie es schon. Bei der Entwicklung dieser neuen Therapieform hierzulande werde Leipzig „eine bedeutende Rolle“ spielen. Das glaubt Dietger Niederwieser, der Chefarzt der Klinik für Hämatologie und klinische Onkologie des Universitätsklinikums Leipzig.

22.09.2017
Anzeige