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Der Riesenalk sucht dauerhafte Bleibe

Der Riesenalk sucht dauerhafte Bleibe

Er ist Leipzigs heimliche Mona Lisa: der Riesenalk. Der präparierte Star aus dem Naturkundemuseum weiß aber nicht, wo er künftig zu Hause ist.

Die Stadtverwaltung will ihn in den ehemaligen Bowlingtreff schicken. Das ist zumindest ihr Favorit bei der Suche für ein neues Domizil für das Museum. Die hat aber gerade erst begonnen. Die CDU hat allerdings bereits signalisiert, dass sie diesen Vorschlag ablehnt.

 Das Verfahren weicht deutlich vom üblichen Vorgehen der Stadtverwaltung ab. Wie berichtet, haben Susanne C. Meyer (Berlin) und Peter Gössel (Bremen) als Gemeinschaftsprojekt im Auftrag der Stadtverwaltung einen 150-seitigen Masterplan erarbeitet, der mögliche Szenerien für die Zukunft des  Naturkundemuseums untersucht. Dabei wurden sieben Standorte näher beleuchtet, die jeweiligen Vor- und Nachteile abgewogen. Im Fachausschuss Kultur wird das Papier heute erstmals beraten - auch Vertreter vom Freundeskreis des Museums sind eingeladen. Der Plan soll am 28. Juni in der Volkshochschule öffentlich vorgestellt werden - danach ein Konsenspapier für den Stadtrat entstehen. "Wir werden alle Hinweise aufnehmen und bewerten", kündigt Kulturamtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat an. Wahrscheinlich ist, dass eine Entscheidung frühestens nach der Sommerpause des Stadtrates im September fällt.

 Fakt ist aber, dass die Verwaltung den ehemaligen Bowlingtreff favorisiert und vorschlägt, diesen auf seine Eignung als Museum näher zu untersuchen. Dafür sind im Etat 2013 bereits knapp 100 000 Euro vorgesehen.

 Grundsätzlich, so die Erkenntnis, sei der 1985 bis 1987 errichtete Bowlingtreff als Standort fürs Museum geeignet. Das seit 1997 leerstehende Gebäude befindet sich in städtischem Besitz, weist aber starke Vandalismusschäden auf. Es besteht aus zwei Hallen, wobei sich der Eingangsbereich als Verteilergebäude eignet. Vorgesehen ist, zwei Untergeschosse der Westhalle für die Dauerschau zu nutzen. In der Osthalle wäre Platz für Sonderschauen, die ehemaligen Gastronomie- und Lagerbereiche können als Magazine dienen. Obergeschosse können als Büros dienen, heißt es. Im Erdgeschoss wäre Platz für die Restauratorenwerkstatt.

 Im Eingangsbereich ist aber zu wenig Platz, um ein Café oder einen Museumsshop unterzubringen. Deshalb müsste ein Anbau erfolgen - den die Denkmalpflege aber so nicht genehmigt. Es wird daher vorgeschlagen, die Osthalle über einen Tunnel mit einem etwas entfernteren, markanten Neubau zu verbinden. Dort könnte - möglicherweise auch privat finanziert - zusätzlich die Museumsbibliothek sowie ein Café einziehen, das einen Blick über den Leuschnerplatz ermöglicht. Die Kosten für den Umbau des Bowlingtreffs werden auf 12,29 Millionen Euro beziffert. Der jährliche städtische Zuschuss fürs Museum soll bei rund einer Million Euro liegen.

 Gegenwind kommt bereits jetzt von der Leipziger CDU: "Warum das unterirdische Bowlingcenter mit seinen feuchten und vor allem dunklen Räumen sowie mangelnden Möglichkeiten für Lager und Magazin für ein Museum mit sensiblen Exponaten geeignet sein soll, leuchtet nicht ein", sagt Stefan Georgi, Ortsverbandschef der CDU-Mitte. Derzeit steht im vierten Untergeschoss des Hauses sogar Wasser. Woher es kommt, ist derzeit unklar. Möglicherweise ist nur ein Wasserrohrbruch Schuld daran. Das muss jedoch ein Gutachter klären, heißt es. Das Ergebnis soll vor der endgültigen Entscheidung vorliegen. Kucharski-Huniat: "Es ist doch klar, dass wir verantwortungsbewusst mit unseren Sammlungen umgehen." Es gibt aber auch Untergeschosse in den "Tiefen" des einstigen Umformwerkes Mitte, die gar nicht genutzt werden sollen.

 Die CDU favorisiert ohnehin ein Verbleib am jetzigen Standort. Zusätzlich soll aber das Alte Landratsamt am Tröndlinring in Betracht gezogen werden. CDU-Fraktionsvizechefin Sabine Heymann nennt den Investitionsbedarf überschaubar. "Die Argumentation der Stadtverwaltung, es sei zu groß für das Naturkundemuseum, kann nicht überzeugen. Wie beispielsweise Das Tietz in Chemnitz zeigt, kann sich eine gelungene Mischung aus städtischem Museum und öffentlichem Kulturzentrum zum Publikumsmagneten entwickeln", sagt sie. Die "Masterplaner" haben das ehemalige Bankgebäude - auch auf Wunsch des Fördervereins - in ihre Prüfung einbezogen. Sie halten die Immobilie für Museumszwecke durchaus geeignet - die Stadt müsste sie aber kaufen und umbauen. Veranschlagte Kosten: 21,9 Millionen Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.06.2013

MMathias Orbeck

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