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„Der Schädel war zertrümmert“ – Prozessauftakt wegen Mordes an Leipziger Studentin

„Der Schädel war zertrümmert“ – Prozessauftakt wegen Mordes an Leipziger Studentin

Franziska S. hat keine Chance an diesem 9. November 2011. Sie betritt nach einem Einkauf im Supermarkt kurz vor 15 Uhr das Leipziger Studentenwohnheim in der Johannes-R.

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Der Angeklagte versteckt zum Prozessauftakt sein Gesicht.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. -Becher-Straße. Dort will sie hoch in ihr Zimmer in der achten Etagen gehen. Was die Arabistikstudentin aus Brandenburg nicht ahnt: Im Treppenhaus versteckt sich Sebastian T. und lauert ihr auf.

Dann geht alles ganz schnell. Als der 27-Jährige die junge, blonde Frau sieht, gibt er seine Deckung auf und schlägt ihr von hinten mit einem hammerähnlichen Gegenstand immer wieder auf den Kopf. Nach zwei Wochen erliegt Franziska S. auf der Intensivstation ihren schweren Verletzungen. Die Gerichtsmediziner zählen später elf Einschläge.

„Der Schädel war zertrümmert“, sagt Staatsanwalt Torsten Naumann. Vor dem Leipziger Landgericht muss sich Sebastian T. seit Dienstag wegen Mordes für die Tat verantworten. „Er hat sittlich auf tiefster Stufe gehandelt“, erklärt Naumann bei der Verlesung der Anklageschrift. Der Staatsanwalt wirft dem Mann Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen vor. Als Motiv nennt Naumann Rache, weil die 25-Jährige die Zuneigung des gebürtigen Berliners nicht erwidert hat.

Die Vorwürfe des Anklägers nimmt T. im Gerichtssaal regungslos entgegen. Er sitzt neben seinem Verteidiger, trägt eine tiefsitzende Jeans und einen blauen Pullover. Die blonden Haare sind kurz geschnitten. Beim Blitzlichtgewitter der Fotografen versteckt er sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Gerade zehn Minuten dauert der erste von sieben Verhandlungstagen. Dann bekommt T. seine Handschellen wieder angelegt und es geht zurück in seine Gefängniszelle.

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In diesem Wohnheim in der Johannes-R.-Becher Straße lag die schwer verletzte Studentin.

Quelle: Dirk Knofe

Kennengelernt haben sich die beiden Studenten im Wohnheim im Stadtteil Lößnig, dort wo später auch die Bluttat geschieht. Sebastian T. ist an der Universität im Fach Chemie eingeschrieben. „Franziska S. hat mit dem Angeklagten mal eine Zigarette zusammen geraucht und auch ein Glas Wein getrunken“, berichtet Ina Alexandra Tust am Rande des Prozessauftaktes. Sie vertritt die Mutter des Opfers in der Nebenklage.

Schnell habe Franziska S. aber gemerkt, dass ihr Wohnheimnachbar nicht zu ihr passe. „Sie wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben“, so Tust. Studienkollegen hätten den Angeklagten als Einzelgänger beschrieben. 2010 muss er das Wohnheim verlassen. „Nach verpatzten Matheprüfungen hat ihn die Universität exmatrikuliert“, sagt die Opferanwältin. Sebastian T. geht zurück nach Berlin.

Seine Bekannte aus dem Leipziger Wohnheim geht ihm nicht aus dem Sinn. „Mit Anrufen und SMS stellte er Franziska nach“, berichtet Tust. Immer wieder taucht er auch im Wohnheim auf, wird dort von einstigen Kollegen aus der Hochschule gesehen. „T. hat sogar am Türschloss von Franziskas Zimmer manipuliert“, so die Opferanwältin. Die junge Frau erstattet fünfmal Anzeige bei der Polizei. „Vier Verfahren werden mangels Tatverdacht eingestellt“, berichtet Tust.

Warum die Situation gerade an diesem 9. November eskalierte, soll nun der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf mit seiner Kammer herausfinden. Verteidiger Ralf Juhnke kündigt zu Prozessbeginn für den nächsten Verhandlungstag am 21. Mai eine Aussage seines Mandanten an. Ein Geständnis hat er bisher nicht abgelegt. Auch wenn die Tatwaffe bis heute verschwunden ist: Die Indizien belasten den Angeklagten schwer.

Der Hausmeister des Wohnheimes hat ihn am Tag der Tat gesehen. Laut Tust muss der heute 28-Jährige in einem kurzen Zeitfenster von kaum zehn Minuten gehandelt haben. Ein Kassenzettel belege, dass Franziska S. kurz vor 15 Uhr im Supermarkt bezahlt habe.

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Opferanwältin Ina Alexandra Tust und Ankläger Torsten Naumann.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Video-Aufzeichnungen zeigen Sebastian T. rund eine Viertelstunde später in einer Straßenbahn auf dem Weg zum Hauptbahnhof. Dort habe er sich mit einer EC-Karte ein Bahnticket nach Berlin gekauft. In der Hauptstadt nimmt ihn die Polizei einen Tag später fest. Unter seinen Fingernägeln, so Tust, finden die Beamten DNA-Spuren von Franziska S.

Einem ersten Gutachten zufolge ist der Angeklagte voll schuldfähig. Ob Verteidiger Juhnke die Einschätzung des Sachverständigen angreifen wird, ließ er am Dienstag offen. „Warten Sie es ab“, sagt er.

Die Mutter von Franziska S. traute sich zum Prozessauftakt nicht ins Gericht. „Möglicherweise wird sie aber an einem der nächsten Verhandlungstage nach Leipzig kommen“, kündigt Tust an.

Matthias Roth

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