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Lokales Der Sternenkrieger aus der Leipziger Südvorstadt
Leipzig Lokales Der Sternenkrieger aus der Leipziger Südvorstadt
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00:18 25.01.2016
Der Leipziger Lars Winkler macht mit dem Disney-Konzern Geschäfte – er erwirbt Lizenzen für Motive und stellt damit inzwischen 25 verschiedene Produkte her.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

 „Zurzeit ist die Hölle los“, sagt Lars Winkler in seinem Büro in der vierten Etage des Unternehmerhauses Nikolaistraße 47. „Die Kunden sind wie verrückt.“ Der 39-Jährige hat sich vor drei Jahren mit seiner kleinen Firma „BoMaBi“ auf die Produktion von großen Malbildern spezialisiert, die Drei- bis Achtjährige auf dem Fußboden ausmalen können. Seit er Motive wie „Star Wars“ oder „Frozen, Die Eiskönigin“ in seinem Portfolio hat, geht sein Umsatz durch die Decke. In diesem Jahr wird er wahrscheinlich drei Millionen Euro Umsatz machen – nach 400 000 Euro im Vorjahr.

Angefangen hatte alles damit, dass Winkler in seiner Wohnung einen größeren Kalender von der Wand nahm, weil er abgelaufen war. „Mein dreijähriger Sohn nahm ihn und begann auf dem Fußboden die Rückseite zu bemalen“, erzählt der Vater von zwei Kindern. Das brachte ihn auf die Idee, große Ausmalbilder mit beliebten Kinderfiguren wie Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg herzustellen, die Kinder auf den Fußboden ausbreiten können.

Doch es war nicht einfach auch an Disney-Lizenzen heranzukommen – denn Filmkonzerne gestatten die Verwendung ihrer Motive nur mit Auflagen und gegen hohe Lizenzgebühren. „Die sind zum Teil vorab zu entrichten und haben den Wert eines guten Mittelklassewagens“, schildert Winkler.

Er ließ sich einiges einfallen, um den Kids seine Produkte schmackhaft zu machen. „Bei mir sind die Vordrucke meist bunt, das mögen die Kinder“, hat er entdeckt. Auch die Gesichtsfarben der Figuren lasse er deshalb meist schon drucken. Und natürlich wird das Papier handlich aufgerollt und bunt verpackt; Buntstifte werden auch noch gleich dazugelegt. Damit die Kids gleich loslegen können. Doch das ist nicht alles: Müttern ist wichtig, dass hierbei unbedenkliche, naturbelassene Materialien zu Einsatz kommen. Stifte und Papier stammen ausschließlich aus Europa und alle Produkte werden vom TÜV auf ihre Unbedenklichkeit geprüft. „So lassen sich alle unsere Farben bei 40 Grad ohne Rückstände auswaschen.“, erklärt der Unternehmer das Konzept.

Trotzdem dümpelte das Geschäft geraume Zeit vor sich hin. „Ich kam nicht über einen Jahresumsatz von 300 000 Euro hinaus und habe mich immer häufiger gefragt, ob das überhaupt einen Sinn macht“, gesteht er. Die Wende kam im November 2014, als er im Unternehmerhaus in der Nikolaistraße 47 an einem so genannten Pitchboxing-Wettbewerb teilnahm. Bei diesem verbalen Schlagabtausch werden Unternehmer danach bewertet, wie sie in kurzer Zeit ihre Geschäftsidee verkaufen. Winkler gewann und bekam von der Mit-Veranstalterin Anette Ehlers angeboten, in ihr Unternehmerhaus zu ziehen. „Seitdem kann ich die gesamte Infrastruktur nutzen und bekomme sogar unternehmerische Hilfestellung“, sagt er.

Ähnlich wichtig wurde ein Kontakt mit den Inhabern einer Berliner Agentur für strategische Marketingkommunikation, die 49 Prozent von Winklers Firma übernahm und dafür eine Mitarbeiterin abstellte, die alle kaufmännischen Details übernahm – wie zum Beispiel die Abwicklung der Geschäfte mit einem Hamburger Unternehmen, das Winklers Produkte in Europa und Fernost produzieren lässt. Außerdem wurde ein Partner in Regensburg gefunden, welcher die Konfektion und Logistik übernimmt. „In den momentanen Dimensionen ist das allein nicht zu stemmen.“, so Winkler. Dazu kam noch eine Grafiferin, die das Team in Leipzig seit kurzem verstärkt. „Dadurch bekam ich den Rücken frei und kann mich jetzt ganz auf Vertrieb und Produktentwicklung konzentrieren“, sagt der Diplom-Ökonom, der an der Leipziger Uni Volkswirtschaft studiert hat.

Das Angebot von „BoMaBi“ ist seitdem deutlich gewachsen. Inzwischen gibt es 25 Produkte, die Kinder mit Motiven der bekanntesten Filme gestalten können. Es gibt gerahmte Leinwände zum Ausmalen, die in Kinderzimmern aufgehängt werden können. Auch Postkarten zum Selber-Basteln und Bastellaternen für den St.-Martins-Tag, ebenso Schablonenbücher, mit denen die Kinder lernen, wie die Figuren ihrer Filmhelden gemalt werden. Der letzte Schrei ist eine App, die kostenlos auf Smartphones und Tablets geladen werden kann. Mit ihr lassen sich die ausgemalten Figuren sogar digital zum Leben erwecken – also „Color to life“. Dadurch steht der gerade ausgemalte Yoda von Star Wars plötzlich mitten im Zimmer der Kinder“, schildert Winkler. „Und wenn sie an das Smartphone pusten, wehen auf dessen Bildschirm die Haare ihrer ausgemalten Prinzessin im Wind.“ Die App wird voraussichtlich im Sommer 2016 auf den Markt gebracht und für Herbst plant BoMaBi eine Aktion mit einem der größten deutschen Verlagshäuser.

Den Durchbruch hat Winkler Ende vergangenen Jahres durch eine Präsentation bei der Handelskette Netto erzielt. Sie erteilte ihm den Auftrag zum Kindertag 2016, die 4000 Läden des Markendiscounters mit seinen Displays zu bestücken, die jeweils 150 Produkte mit den Helden von „Star Wars“ und „Frozen, Die Eiskönigin“ enthalten. „Das sind insgesamt 600 000 Produkte“, freut sich Winkler.

Inzwischen entdecken auch die anderen großen deutschen Handelsketten die neuen Ideen und Produkte der BoMaBi und klopfen bei dem Leipziger an. „Bis zu zehn Millionen Euro Umsatz sind jährlich möglich“, meint der Familienvater.

Trotzdem hat er noch Zeit für seine beiden Kinder. „Ich mache lieber eine Stunde früher Feierhabend und hole sie aus dem Kindergarten ab, um mit ihnen zu spielen“, erzählt er. „Wenn wir spielen kommen mir die besten Ideen für neue Produkte. Die schreibe ich dann Abends im Bett auf.“

Seinem Jungen will er einmal erzählen, wie seine Geschäftsidee entstanden ist. „Es war seine Idee und er soll sehen: Wenn man die A.backen zusammenkneift und an sich glaubt, kann man was aus sich machen“, meint Winkler.

Von Andreas Tappert

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