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Der Tod ist ihre tägliche Arbeit – und die macht ihnen Freude

Leipziger Bestatter Der Tod ist ihre tägliche Arbeit – und die macht ihnen Freude

Sie bringen täglich verstorbene Leipziger unter die Erde. Doch ihre Arbeit ist nicht traurig. Denn sie betreuen und beraten die Lebenden, nämlich die Angehörigen. Zwei Leipziger Bestatter erzählen aus ihrem Arbeitsalltag, zu dem auch das Auflösen von Verträgen und sogar das Beenden der Internetpräsenz gehört.

Firmenchefin Doreen Hoensch und Filialleiter Casus Caspari bringen täglich verstorbene Leipziger unter die Erde.

Quelle: André Kempner

Leipzig.

Ein Sterbefall ist für Angehörige eine Ausnahmesituation – sollte man meinen. Aber ganz schnöde interessieren sie sich viele zuerst für eine Frage: „Was kostet bei Ihnen eine Beerdigung?“ Antwort der Bestatter: „Ab 1800 Euro bekommen Sie die billigste Beisetzung. Für 5000 Euro ist eine ordentliche Beisetzung drin, und nach oben sind keine Grenzen gesetzt.“ Was viele Hinterbliebene überrascht: Die Leichenschau des Arztes, die Sterbeurkunde vom Standesamt, die Abholung des Verstorbenen, der Sarg, die Einäscherung, die Grabstelle auf dem Friedhof – all das kostet Geld. Haben die Verstorbenen für ihren Tod gespart, passiert es trotzdem, dass die Angehörigen sich streiten: Die einen wollen alles ausgeben, die anderen möglichst viel für sich übrig behalten. Ist der Mensch schließlich unter der Erde, bleibt die Rechnung: „Leute, die vorn vornherein sagen, dass sie finanziell eng dran sind, bezahlen meist ihre Raten pünktlich. Aber manche andere tricksen, kneifen und erfinden Geschichten, um nicht zu zahlen“, verrät die Chefin, die das Unternehmen 2005 von ihrem Vater übernommen hat.

In Leipzig gibt es 52 aktive Bestattungsfirmen. Deren Mitarbeiter sind nicht nur Berater für die Hinterbliebenen, sondern zugleich Ein- und Verkäufer, Lagerarbeiter, Bürofachkräfte, Gesetzeskenner, Grafiker, Fotografen, Musik- oder Video-Zusammensteller, Computer-Experten, Vermittler, Buchhalter, Versicherungsmakler, Vorsorgedienstleister, Trauerbegleiter und manchmal Sprecher und Redner. Sie waschen, desinfizieren oder rasieren den Toten, verschließen die Körperöffnungen, legen Make-up oder Nagellack an und kleiden ihn vollständig an, inklusive Unterwäsche, Brille und Schmuck. „Vom schicken Kostüm über Motorradkombi, Schützenverein-Uniform oder Schlafanzug hatten wir schon alles“, erzählt Doreen Hoensch. Die Bestatter kündigen auf Wunsch auch Versicherungen, melden Verträge ab und beenden sogar die Internetpräsenz des Toten.

Auf dem Friedhof überprüfen sie das Grab, bringen die Dekoration an, kümmern sich um Streublumen oder Extras wie Tauben und Luftballons. Ruhig bleiben heißt die oberste Devise, wenn etwas schief geht: „Bei einer Erdbestattung bin ich mal ins Grab gestürzt, weil die Verschalung schlecht war“, erzählt Casus Caspari. Er musste mit dem Spaten schnell nachschachten, während am Eingang schon die Angehörigen warteten. Bei einer Beerdigung in Markkleeberg wurde ihm vom Friedhofsmitarbeiter die falsche Grabstelle zugewiesen – so ließ es sich nicht vermeiden, dass die Urne noch mal herausgeholt und ins richtige Grab gebracht werden musste. Caspari bemühte sich, das Beste daraus zu machen: „Da die Verstorbene in ihrem Leben oft umgezogen war, passte es am Ende sogar.“

Dass beim Bücken die Hose platzt, sei es die vom Bestatter oder die eines Angehörigen, kommt gar nicht so selten vor. Ungewöhnlich war der Fall, als die Schwiegertochter eines Verstorbenen zornig am Erdgrab stand, das Handy des Toten samt Netzteil aus der Manteltasche zog und auf den Sarg knallte, mit den Worten: „Hier hast du dein altes Telefon, jetzt hab’ ich endlich Ruhe vor dir!“

Oftmals bekommt der Tote das auf seinen letzten Weg mit, was er am meisten geliebt hat: Skatkarten, Schachspiel, Zigarren, Schnaps, das Taschenmesser oder ein Bild von seiner Frau in Unterwäsche. Oft wird die Urne individuell dekoriert und verziert oder sogar selbst getöpfert. Es muss auch nicht immer der Friedhof sein: Auch in der Ostsee, Nordsee oder im Mittelmeer haben Hoenschs schon Urnen versenkt. Oder die Asche von Verstorbenen auf einer Schweizer Almwiese verstreut.

Von Kerstin Decker

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