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Lokales Der freie 89er: Maler Sighard Gille setzt im Einheitsdenkmal-Streit auf einen Bus
Leipzig Lokales Der freie 89er: Maler Sighard Gille setzt im Einheitsdenkmal-Streit auf einen Bus
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08:33 15.11.2016

Im Jahr 2016, wenn er 75 wird, ist ihm bereits jetzt eine repräsentative Jubiläumsausstellung im Museum der bildenden Künste versprochen. Vielleicht ist seine neueste Idee bis dahin sogar schon umgesetzt. Sie hat mit dem geplanten Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal zu tun.

 Die Debatten über das Denkmal riefen den bekennenden und kritischen Leipziger Gille schon vor geraumer Zeit auf den Plan. Und auch jetzt denkt er über dieses Thema nach. "Der Denkmal-Wettbewerb muss neu ausgeschrieben werden", lautet seine Forderung. Die Stadt habe doch bereits signifikante Erinnerungsmale: die Nikolaikirche mit der "herausgewanderten" Säule, der Kirchhof mit dem Überlaufbrunnen, das goldene Ei am Augustusplatz. Das Leipziger Denkmal zum Herbst '89 müsste also "etwas vollkommen Ungewöhnliches und dennoch Praktikables sein". Da Gille aber nicht nur meckern möchte, äußert er nun eine Idee, die ihn, wie er erklärt, schon seit geraumer Zeit umtreibt: "Es existiert in unserer Stadt die Buslinie 89. Wie wäre es, wenn der 89er-Bus kostenlos zu nutzen wäre, vielleicht sogar über 89 Jahre, außen und innen mit Insignien der unblutigen Revolution ausgestattet? Der Bus würde selbstverständlich die Orte der Montagsdemonstrationen nicht auslassen. Ein Denkmal also, das nicht rumsteht und das niemanden stört, an dem sich aber viele erfreuen könnten."

 In dieser Zeitung hatte Gille die drei preisgekrönten Entwürfe vor einigen Monaten kategorisch abgelehnt. An seiner Haltung hat sich nichts geändert. Gille: "Alle kritischen Stimmen insistieren auf die spezielle Leipziger Situation in den Oktobertagen des Jahres 1989, der keines der Entwurfsprojekte gerecht wird. Der 9. Oktober war ein Demonstrationstag voll begründeter Angst und getragen von einem unbeschreiblichen, einmaligen Hochgefühl der Gemeinschaft. Erstmalig und solitär tauchte der Slogan ,Wir sind das Volk' auf. Eine kurze Zeitspanne haben wir träumen können von einem neuen, autarken, wunderbaren Staat, sogar besser noch als die Bundesrepublik, ohne Bettler und ohne Multimillionäre. Ein lustiges Denkmal für den Leipziger Oktober? Das geht gar nicht." Lustig passe nach Berlin, findet Gille und meint die Denkmal-Schaukel, die dort bekanntlich entstehen soll. Die Idee vom "freien 89er" will er hingegen als einen überdenkenswerten Vorschlag verstanden wissen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.01.2014

Mayer, Tom

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