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Lokales „Der letzte Schrei der DDR“ wird 20 Jahre
Leipzig Lokales „Der letzte Schrei der DDR“ wird 20 Jahre
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11:18 28.09.2010
Sarah Klier mit einem Foto, das kurz nach ihrer Geburt am 2. Oktober 1990 in Leipzig aufgenommen wurde. (Archivfoto) Quelle: dpa
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Zum 20

Denn Klier trägt einen Titel für die Ewigkeit. Sie ist „der letzte Schrei der DDR“, geboren am 2. Oktober 1990 zwei Minuten vor Mitternacht in Leipzig.

Mit dem Medienrummel geht die fast 20-Jährige inzwischen routiniert um. Schließlich kennt sie es nicht anders - ist sie doch schon seit ihrer Geburt eine kleine Berühmtheit. „Eine Fotografin war damals im Krankenhaus und wollte eigentlich das erste Einheits-Baby fotografieren“, berichtet Klier.

Sarah hatte es aber ein bisschen zu eilig. „Da hat eine Hebamme zu der Fotografin gesagt: „Nehmen Sie doch das letzte DDR-Kind. Das ist doch auch was.““ Irgendwie ist Sarah Klier auch stolz drauf. „Es kann kein anderer von sich behaupten, dass er das letzte DDR-Baby ist. Damit bin ich schließlich weltberühmt geworden.“

Die Fotos der DDR-Nachrichtenagentur ADN gingen damals um die Welt. Sarahs Mutter hat Zeitungsausschnitte aufgehoben, es gibt ein Album mit Erinnerungsstücken. Sogar aus Afrika kam eine Postkarte. Ein Student aus Lagos in Nigeria, der zur Wendezeit in Deutschland lebte, hatte sie zum ersten Geburtstag geschickt. „Sarah, ein Kind der Einheit; Sarah ein Kind der Freiheit; Sarah - ein Kind Europas und eine Persönlichkeit der Welt“, hatte Emmanuel Okereke begeistert geschrieben.

Amtlich mit Brief und Siegel hat Klier ihren speziellen Titel zwar nicht, so etwas bestätigt keine Behörde. Aber in all den Jahren hat sich nie jemand gemeldet, um ihr den Rang als letztes DDR-Kind streitig zu machen. Im Alltag spiele das eigentlich keine Rolle, sagt sie. „Man lacht mal drüber. Manchmal gibt es kleine Kommentare von Freunden - aber eigentlich ist es auch ausgeleiert.“

Klier pendelt derzeit zwischen ihrem Heimatort Borsdorf und Wernigerode (Sachsen-Anhalt). Dort studiert sie sieben Semester an der Fachhochschule Harz Tourismusmanagement. Den Wunsch, beruflich etwas mit Tourismus zu machen, hegte sie schon zu Schulzeiten. Ihr Abitur machte sie mit 2,6.

Dass sie von Neugierigen auch oft aufgefordert wird, mal was von der DDR zu erzählen, macht Klier allerdings etwas ratlos. „Ich bin in Deutschland aufgewachsen“, betont sie. „Natürlich habe ich in Geschichte was gelernt, und ich kenne das, was meine Mutti oder Bekannte erzählen. Aber ich persönlich verbinde nichts mit der DDR.“ Auch mit den ewigen Wessi-Ossi-Vorurteilen kann sie nichts anfangen: „Für mich gibt es nur ganz Deutschland.“ Ihren Geburtstag will sie ganz ruhig in der Familie feiern. „Mit Mama, Oma, Tante und Cousinen.“

dpa

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