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Dessauer Ruderchef sieht Verantwortung für Regatta-Unfall in Leipzig

Dessauer Ruderchef sieht Verantwortung für Regatta-Unfall in Leipzig

Auch am dritten Prozesstag um das tödliche Regatta-Unglück hat Jens G. sein Schweigen nicht gebrochen. Im Gegensatz zu den beiden Mitangeklagten Dessauer Trainerinnen Ines M.

und Yvonne S. macht der Rennveranstalter des RV Triton Leipzig seit dem Auftakt der Verhandlung vergangene Woche Donnerstag von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Dabei hatte sein Verteidiger Peter Manthey am frühen Donnerstag Richterin Birgit Riedel eine Erklärung für den Nachmittag angekündigt. Diese blies er aber wieder ab.

Das sei "aus internen Gründen" geschehen, wollte Manthey seine Taktik auch auf Nachfrage nicht näher erläutern. Es werde aber in jedem Fall eine Stellungnahme seines Mandanten geben. "Wahrscheinlich nächste Woche." An anderer Stelle sah sich der in Dresden ansässige Anwalt jedoch dazu genötigt, etwas klar zu stellen. Dies betraf die Aussage des Zeugen Rainer S. Denn darin schob der Chef des Rudervereins Dessau den Regatta-Veranstaltern um G. die Verantwortung für das Unglück zu, bei dem am 13. April 2008 ein Zwölfjähriger starb und vier weitere Kinder zum Teil schwer verletzt wurden, nachdem sie mit ihrem Boot das Palmengartenwehr heruntergestürzt waren. Für ihn sei der Knackpunkt, dass der Ausrichter über seine Gewässer am besten Bescheid wisse und darüber hätte informieren müssen. Weder er noch die beiden Trainerinnen hätten das Wehr und die Elster gekannt.

Darauf erwiderte Manthey: "Diese Verteidigungsrede sollten wir getrost vergessen und uns auf objektive Zeugen konzentrieren." Zudem stelle sich die Frage, ob der Vereinschef nicht selbst hätte über die Besetzung des Bootes mit unerfahrenen Kindern informiert sein müssen, was auch der Kern des Anklagevorwurfs sei. "Damit ist er nah an den Angeklagten und könnte sogar selbst einer sein." Deshalb habe ihn die Richterin auch über sein Zeugnisverweigerungsrecht belehrt.

Zu den weiteren Zeugen des dritten Prozesstages gehörten Diemo Trepte und Dietmar Richter. Der Betriebsleiter für Fließgewässer bei der Landestalsperrenverwaltung und der Sachgebietsleiter bei der Unteren Wasserbehörde der Stadt erklärten technischen Details zu Wehranlage und Pegelständen. Übereinstimmend sagten sie aus, dass man den Abfluss am Wehr optisch kaum wahrnehme.

"Erfahrene Leute können an der Trübung des Wassers vielleicht eine veränderte Fließgeschwindigkeit erkennen, aber mehr nicht", so Trepte. Richters Angaben zufolge hat die Fließgeschwindigkeit am Morgen des 12. April 50 Kubikmeter pro Sekunde, am Abend jedoch bereits 90 Kubikmeter pro Sekunde betragen. Dieser Zustand habe im Umfeld des Wehres auch am Tag des Unglücks geherrscht. Weil an den Messpunkten flussaufwärts in Böhlen und Kleindalzig die Tendenz schon wieder fallend gewesen sei, habe man zur Regatta nicht die erste Warnstufe ausgerufen.

Kurz vor dem Wehr sei aber ein roter Warnball gezogen gewesen, so Richter weiter. Das geschehe bereits bei einer Fließgeschwindigkeit von 30 Kubikmetern pro Sekunde. Der Ball entfalte aber wegen fehlender Vorschriften keine Rechtswirkung und diene nur als Hinweis. Das könnte sich aber durch die Ergebnisse der eigens dafür eingesetzten Arbeitsgruppe ändern. Diese sollen heute zunächst intern beraten und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Thomas Haegeler

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