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„Deutlich wahrnehmbar“: Leipzig legt Bebauungsplan für 191-Meter-Funkturm vor

„Deutlich wahrnehmbar“: Leipzig legt Bebauungsplan für 191-Meter-Funkturm vor

Jetzt wird es konkret: Leipzigs Stadtsilhouette soll sich spätestens im kommenden Jahr merklich verändern. Die Telekom will an der Richard-Lehmann-Straße einen Funkturm errichten.

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Ein knapp 191 Meter hoher Funkturm soll an der Kreuzung Richard-Lehmann-/Zwickauer Straße entstehen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das Bauwerk soll an der Ecke zur Zwickauer Straße knapp 191 Meter am westlichen Messegrund in den Himmel ragen. In Zentrumsnähe läge die schlanke Stahlkonstruktion dann unangefochten an der Spitze der höchsten Bauwerke.

Zum Vergleich: Das City-Hochhaus am Augustusplatz bringt es mit Aufbauten auf 155,4 Meter, das Wintergartenhochhaus auf 106,8 Meter und das Hotel Westin auf 96 Meter. Nur der Schornstein des Stahl- und Hartgusswerkes Bösdorf in Knauthain misst mit 205 Metern noch etwas mehr.

Die Telekom-Tochter Deutsche Funkturm GmbH hat das Projekt bereits vor zwei Jahren vorgestellt und wollte es auch zügig umsetzen. Spätestens bis 2014 sollte Leipzigs „Mini-Eiffelturm“ auf einer Grundfläche von 25 mal 25 Metern fertig gestellt sein. Zuvor notwendig war allerdings ein Bebauungsplan. „Die Aufstellung dauert zwischen eineinhalb und zwei Jahren“, sagte Jochem Lunebach, Leiter des Stadtplanungsamtes. Das Papier liegt nun vor und steht auch auf dem Themenplan für die Stadtratssitzung am Mittwoch. Kurzfristig könnte die Abstimmung aber noch in den September verschoben werden.

„Es gibt ein luftfahrttechnisches Problem“, berichtete Lunebach. Konkret heißt das: Die Beteiligten ringen darüber, wie weit der lichtgraue Turm an der Spitze einen orange-weißen Sicherheitsanstrich erhält. Laut Lunebach solle die Spitze so gering wie möglich eingefärbt werden, um das Stadtbild nicht zusätzlich zu beeinträchtigen. Dem ständen aber die Sicherheitsvorschriften der Luftfahrt gegenüber. Der Bebauungsplan sieht fünf Farbstreifen von je sechs Metern vor.

Protest aus der Gartenstadt Marienbrunn

Zwei andere Punkte hat den Planern in den vergangenen Monaten besonderes Augenmerk abverlangt: Die Sichtachse in der Stadtsilhouette und die zu erwartende Strahlenbelastung der Anlage. Besonders die Bewohner der nur 300 Meter vom Turm entfernten Gartenstadt Marienbrunn befürchten Einschränkungen. „Nicht nur, dass dieser Turm die sechsfache Höhe der Hochhäuser an der Zwickauer Straße hätte und für das denkmalgeschützte Gartenstadtensemble eine Katastrophe wäre, auch beim Blick vom Stadtzentrum zum Völkerschlachtdenkmal würde er sich ständig in die Sicht drängeln“, formulierte Ronald Börner, Vorstandsmitglied des Vereins der Freunde von Marienbrunn, in seinem Quartalsblatt.

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Montage: So sieht es einmal mit Funkturm aus.

Quelle: André Kempner

Der Bürgerverein hat diese Bedenken auch gegenüber dem Stadtplanungsamt geäußert, sie sind nach dem jetzigen Entwurf des Bebauungsplanes aber nicht berücksichtigt worden. Die Verwaltung gibt zwar zu, dass das Bauwerk deutlich wahrnehmbar sein werde, das ändere aber nichts an der Entscheidung, den Bebauungsplan dennoch aufzustellen.

Bereits genutzte Antennenstandorte für eine mögliche Erweiterung haben die Planer zwar geprüft, sie sind aber allesamt durchgefallen. Zur Auswahl standen der Sender Wiederau bei Pegau, der Funkturm Holzhausen, das Kraftwerk Süd, ein Mast in Stahmeln, das City-Hochhaus und die Deutsche Nationalbibliothek. Einmal war die Entfernung bis nach Leipzig zu groß, ein anderes Mal erwies sich die Statik als problematisch oder eine Installation scheiterte an juristischen Gründen.

Andere Grundstücke für die Neu-Errichtung des Stahlgitters am Plagwitzer Bahnhof, der Brandenburger Straße, der Rackwitzer Straße und der Arno-Nitzsche-Straße ließ die Stadt ebenfalls von ihrer Auswahlliste streichen. Technische Probleme oder ein noch stärkerer Eingriff ins Stadtbild hätten dagegen gesprochen.

Probleme wegen der Strahlenbelastung erwartet Planungschef Lunebach nicht. „Alle Grenzwerte werden eingehalten“, sagte er. Laut Bebauungsplan hat die Bundesnetzagentur bereits die notwendige Standortbescheinigung erteilt. „Es werden keine erheblichen negativen Umweltauswirkungen auf Menschen erwartet“, heißt es in dem von der Ratsversammlung zu beschließenden Papier. Durch den Antennenbetrieb für Mobil- und Richtfunk, Rundfunkdienste und DVB-T, entstehen am Standort elektromagnetische Felder.

Bisher nutzte die Funkturm GmbH den benachbarten Stadtwerke-Schornstein an der Arno-Nitzsche-Straße. Das Bauwerk ist allerdings in die Jahre gekommen. Der Schlot ist zwar noch sicher, reicht dem Betreiber aber nicht mehr aus, weil keine Erweiterungen mehr möglich sind. Der Vertrag mit den Stadtwerken läuft noch bis 2020. Was danach mit der Esse passiert ist unklar. "Derzeit liegen keine Planungen dafür vor", teilte das kommunale Unternehmen mit.

Matthias Roth

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