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Deutsche Bücherei zu Leipzig: Prachtbau fürs Gedächtnis der Nation vor 100 Jahren eröffnet

Sonderführungen zum Jubiläum Deutsche Bücherei zu Leipzig: Prachtbau fürs Gedächtnis der Nation vor 100 Jahren eröffnet

Nach zwei Grundsteinlegungen wurde vor 100 Jahren das Stammhaus der Deutschen Bücherei in Leipzig eingeweiht. Bei Führungen durch Haus wird am Freitag auch viel Geschichtliches fürs Publikum geboten.

Arbeiten am Gebäude der Deutschen Bücherei, das vor 100 Jahren eingeweiht wurde.

Quelle: Deutsche Nationalbibliothek

Leipzig.

Doch das Herz der DB, die der Deutschen Nationalbibliothek zugehört, schlägt immer noch im altehrwürdigen Kerngebäude mit seiner leicht konkav geschwungenen Fassade. Über dem Portal steht in goldenen Lettern „Deutsche Bücherei“, drinnen verströmt jeder Winkel Geschichte. Auf historische Bezüge wird auch besonders Wert gelegt, wenn am kommenden Freitag öffentliche und kostenlose Führungen durchs Haus starten.

Aus gegebenem Anlass: Am 2. September 1916 wurde das Bauwerk nahe des Messegeländes vollendet und es gab damit endlich einen repräsentativen Aufbewahrungsort, der später als „Gedächtnis der Nation“ bezeichnet werden sollte. Bis zu jenem Moment, als mitten im Ersten Weltkrieg Sachsenkönig Friedrich August III. zum hoheitlichen Rundgang durchs neue Haus startete, existierte kein vergleichbares Domizil für deutschsprachiges Schriftgut. Zehn Jahre zuvor kursierten erste Ideen, wonach der in Leipzig beheimatete Börsenverein der deutschen Buchhändler eine solche Bibliothek ins Leben rufen möge. 1910 wurde in der Denkschrift „Eine Reichsbibliothek in Leipzig“ konzeptionelle Vorarbeit geleistet. Dann ging es Schlag auf Schlag: Am 3. Oktober 1912 signierten Repräsentanten des Börsenvereins, des Staates Sachsen und der Stadt Leipzig die DB-Gründungsurkunde. Fixiert war darin, dass „die gesamte vom 1. Januar 1913 erscheinende deutsche und fremdsprachige Literatur des Inlands und die deutsche Literatur des Auslands zu sammeln, aufzubewahren, zur Verfügung zu halten und nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu verzeichnen sind“.

Aber schnell stellte sich Platznot für all die im Buchhändlerhaus im Gerichtsweg ankommenden Belegexemplare ein. Ein neues Quartier musste her, am 19. Oktober 1913 machte sich Friedrich August III. persönlich am Grundstein zu schaffen. Gelegt wurde er an der damaligen Reitzenhainer Straße – und dann wieder einkassiert. Denn die Baufläche erwies sich als zu klein und der Standort als deplatziert für ein solches Prestigeprojekt. Am 21. Juli 1914 wanderte der Grundstein dann in eine Grube am Deutschen Platz, wo die Stadt ein 18 500 Quadratmeter großes Grundstück dem Börsenverein kostenlos überlassen hatte. Die sächsische Staatskasse übernahm das Gros der Baukosten. In gut zwei Jahren wurde das optisch gefällige Gebäude mit Lesesälen und Magazinen, die rund 1,3 Millionen Bände aufnehmen konnten, hochgezogen.

Von der Eröffnungsfeier an jenem 2. September 1916 sind diverse Dokumente und Fotos überliefert – schließlich gab es damals sogar einen Programmpunkt „Photografische Aufnahmen der Versammlung“. Beim Eintreffen des sächsischen Herrschers ertönten Fanfaren, der Thomanerchor sang ein Ständchen, die Schlüsselübergabe erfolgte, Reden wurden geschwungen. Börsenvereinschef Artur Seemann fabulierte von Büchern als Ewigkeitsware. „Sie sind Mumienweizen der keimfähig bleibt.“ DB-Direktor Gustav Wahl lobte „die reichliche Versorgung mit Aufzug-, Rohrpost- und Telefonanlagen zur sofortigen Ausführung jeder Bücherbestellung“. Nach internem Streit verlor Wahl noch 1916 seinen Posten. Auch der DB wäre es ein paar Jahre später beinahe an der Kragen gegangen. In Zeiten knapper Kassen wurde von 1920 bis 1922 immer wieder über eine Schließung oder Zusammenlegung mit der Universitätsbibliothek diskutiert.

Am Freitag, 2. September, gibt es um 10, 11, 13, 15 und 17 Uhr kostenlose Führungen durch die Deutsche Bücherei/Deutsche Nationalbibliothek am Deutschen Platz 1. Ab 14 Uhr können im Museumskabinett Kartonmodelle des historischen Bibliotheksgebäudes gebastelt werden.

Von Mario Beck

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