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Lokales Die 60-plus-Generation entdeckt ihre Spielfreude
Leipzig Lokales Die 60-plus-Generation entdeckt ihre Spielfreude
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13:58 19.05.2015
Stellt sich auf humorvolle Art den wirklich großen Fragen des Lebens: das Leipziger Seniorentheater Wagemut. Quelle: Wolfgang Zeyen

Wagemut - ein Name, der für sich spricht: Die meisten der zwölf Spieler haben nämlich noch nie in einem Stück mitgewirkt. "Ich spielte in der Schule mal die Hauptrolle bei Hans im Glück", erzählt Rolf Karl. Das war es dann aber schon. "Meine Tätigkeit an der Leipziger Handelshochschule und als Regionaldirektor einer Finanzfirma forderten mich voll. Nachdem es mit der Arbeit vorbei war, musste ich mich neu definieren, neue Leute kennenlernen und neue Aufgaben suchen", so der 62-Jährige.

Bärbel Jacob (58) war als Jugendliche mal die Maria im Krippenspiel. "Ich wollte immer schon Schauspielerin werden. Mit der Seniorentheatergruppe erfülle ich mir einen Kindheitstraum", sagt die 58-Jährige, die an der hiesigen Uni künftige Grundschullehrer unterrichtet.

Die breite Palette unterschiedlicher Berufe bringt Spannung ins Ensemble. Anneliese Heisig hat bei Orsta Hydraulik Laborgeräte mit entwickelt und war später Sachverständige bei der Allianz. Erika Meyer arbeitete jahrzehntelang im Gesundheitswesen. Genau wie die Therapeutin Violetta Lahme (66) möchte sie weiter "gebraucht werden". Ob Kindergärtnerin, Kunstwissenschaftler, Journalist oder Bundeswehrangehöriger - die meisten befinden sich im Ruhestand.

Unter professioneller Anleitung der Theaterpädagogin Anja Schwede wurden Texte selber geschrieben, probiert, gesungen und getanzt. Man müsse nur das innere Kind rauslassen, dann kommt die Spielfreude schon, weiß die Regisseurin. Manche seien zu Anfang ganz schüchtern gewesen, haben im Probenjahr aber ihre Stärken erkannt. Inspiriert von Jura Soyfers Stück "Weltuntergang oder die Welt steht auf kein' Fall mehr lang" wurden alle Figuren und Szenen entwickelt.

Was ist, wenn man von einem Moment auf den anderen mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert wird, wenn nur noch vier Wochen bleiben bis zur Apokalypse? Diese trifft im Stück als unheilverkündende Meldung auf Gäste eines Dorffestes: Furcht, Liebe, Bitternis, letztes Vergnügen - die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen wider jede Vernunft brechen sich Bahn.

Kleines Beispiel: "Warum geht die Welt nicht zuerst in Afrika unter, da hat doch alles angefangen", meint Max zynisch. Er sagt zu einer liebenden Frau: "Typisch, ausgerechnet in dieser Scheißsituation kommst Du mir mit Liebe!" Julia lässt sich ihre Verliebtheit aber nicht kaputt machen: "Wir holen uns die Schmetterlinge wieder. Ich bin so leicht, so frei, so stark." Ganz im Sinne Soyfers bringt auch das Schlussbild Texte des im Alter von 26 Jahren verstorbenen Künstlers: "Voll Leben und voll Tod ist diese Erde, in Armut und in Reichtum grenzenlos. Die Nachwuchsmimen vom Seniorentheater haben ihre Spielfreude entdeckt und wollen andere damit anstecken. Und das nicht nur in der Villa. "Unser mobiles Kurzprogramm aus den schönsten, humorvollsten, prickelndsten Momenten bringen wir gegen eine Spende auch gern zu Menschen, die nicht mehr ins Theater können - in Seniorenheime, Hospize oder Begegnungsstätten", verspricht Leiterin Schwede.

Nächste Vorstellung am 4. Juli um 20.30 Uhr im Soziokulturellen Zentrum "Die Villa", Lessingstraße 7; Telefon 0341 355204-0; E-Mail: info@theaterwagemut.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.06.2014
Hildebrandt, Ingrid

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