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Die Bagger können rollen - Stadtrat gibt grünes Licht für RB-Trainingszentrum am Cottaweg

Die Bagger können rollen - Stadtrat gibt grünes Licht für RB-Trainingszentrum am Cottaweg

Rasenballsport Leipzig hat die nächste Hürde auf dem Weg zum modernen Trainingszentrum am Leipziger Cottaweg genommen. Mit großer Mehrheit befürworteten Leipzigs Stadträte am Dienstagnachmittag einen 50 Jahre währenden Erbbaurechtsvertrag mit dem derzeitigen Fußball-Regionalligisten und die Errichtung des etwa 30 Millionen Euro teuren Nachwuchs- und Trainingszentrums auf dem Areal zwischen Elsterbecken und Auenwald.

Leipzig. Vor allem Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) war die Erleichterung nach der Entscheidung anzusehen. „Jetzt müsst ihr nur noch die Tore schießen“, rief Jung euphorisch in Richtung des anwesenden RB-Geschäfstführers Dieter Gudel und fügte an: „Auf gute Zusammenarbeit!“

Wenige Minuten zuvor war die Stimmungslage im Saal weit weniger entspannt. Denn vor dem Gang an die Wahlurne nutzen einige der Abgeordneten die letzte Gelegenheit, ihren Unmut über die Art und Weise des Zustandekommens der Vereinbarung kund zu tun und auf die Risiken des Vertragswerkes hinzuweisen.

Norman Volger von den Grünen richtete seine Kritik vehement gegen die Kommunikationspolitik der Stadtverwaltung in Person des Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Linkspartei). In den vergangenen Wochen konnten anfängliche Zweifel der Grünen-Fraktion an der Umweltverträglichkeit des Projektes ausgeräumt werden. „Dafür ist jedoch einzig der Investor verantwortlich und ausdrücklich nicht die Stadtverwaltung“, sagte Volger. Rosenthals Verhalten sei unprofessionell und unkommunikativ gewesen, schimpfte der Grünen-Stadtrat und ließ sich gar unter dem Raunen der Versammlung zu Polemik hinreißen: „Ihr Politikstil gleicht dem von vor 20 Jahren!“

Volgers Parteikollege Ingo Sasama blieb etwas sachlicher, begrüßte das Engagement des Rasenballsport-Geldgebers Red Bull erst einmal als „Hoffnungsschimmer am tristen Fußballhimmel der Stadt“, um danach trotzdem ins Vorwurfsvolle zu wechseln. Nach seiner Ansicht müsse nicht unbedingt das naturnahe Gelände am Cottaweg als RB-Baufläche herhalten. Die mehrheitlich leerstehenden Verwaltungsräume in der Red-Bull-Arena und das Internatsgelände am Westplatz hätten auch Alternativen für die Rasenballsportler sein können.

Deutlicher wurde Sasama mit seiner Kritik im Hinblick auf das vorgelegte Erbbaurechtsvertragswerk, das RB Leipzig nach dem ersten Bauabschnitt und später im Zehnjahres-Rhythmus einen Ausstieg aus dem Projekt Bundesligafußball in Leipzig ermöglicht. In solch einem Fall müsste Leipzig für die getätigten Investitionen finanziell gerade stehen. „Das wird die Stadt nie bezahlen können“, mahnte Sasama. Das Eigentum der Kommune sei damit für immer verloren – ähnlich wie es einstmals mit dem Bruno-Plache-Stadion in Probstheida geschehen sei.

Auch Christian Schulze, Mitglied der SPD-Fraktion, meldete vor allem ob der Ausstiegsklauseln des Erbbaurechtsvertrages heftige Bauchschmerzen an. Sollte die Umweltveträglichkeitsprüfung nach dem ersten Bauabschnitt kein weiteres Baurecht ermöglichen, habe die Kommune trotzdem schon bis zu 400.000 Euro investiert – um Leitungen umzulegen und Altlasten zu entsorgen.

Ebenso sei bisher offen, ob die einstmals für den nun vakanten Parkplatz am Cottaweg geflossenen Fördermittel in Höhe von 125.000 Euro zurückgezahlt werden müssen. Nicht zuletzt rief Schulze mit Blick auf den derzeitigen sportlichen Erfolg von RB Leipzig in der vierten Fußball-Liga auch noch einmal die kostenintensive Wegbereitung für FC Sachsen Leipzig und 1. FC Lokomotive in früheren Tagen in Erinnerung, die letztendlich nur zu unterklassigem Fußball geführt habe.

Vor allem Leipzigs Linke und Liberale stellten sich dagegen schützend vor Sportbürgermeister Heiko Rosenthal, der als Amtsleiter maßgeblich an der Einfädelung des Vertragswerkes mit den Rasenballsportlern Anteil hatte. „Die Linksfraktion steht zum Trainingszentrum“, sagte Siegfried Schlegel und sein Parteikollege Jens Hermann unterstrich die detaillierte Einbeziehung aller zuvor geäußerter Bedenken gegen das Projekt innerhalb der Arbeit in den Ausschüssen. Die Linksfraktion traue Red Bull zu, eine Mannschaft zu entwickeln, die Leipzig als Metropole gerecht werde, hieß es.

In eine ähnliche Kerbe schlug auch FDP-Mann Reik Hesselbarth. „Wir wollen erfolgreichen Fußball in Leipzig und der braucht Geduld“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Leipziger Stadtrat. Hesselbarth lobte ausdrücklich den Stand, den die Leipziger Stadtverwaltung mit ihrer Unterstützung für die geplanten Investition des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull im Leipziger Sport erreicht habe und beschloss seine Wortmeldung mit einem: „Wir wünschen RB viel Erfolg!“

Matthias Puppe

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