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Lokales „Die Demokratie ist größer als wir“ –
Leipzig Lokales „Die Demokratie ist größer als wir“ –
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17:38 01.12.2016
US-Generalkonsul Scott Riedmann stellt sich im „schönsten Saal des Rathauses“ (OBM Jung) den Fragen von mehr als 40 Schülerinnen und Schülern. Quelle: André Kempner
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Leipzig

„Eine Lehrstunde in Demokratie“ nannte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) das, was Donnerstag Mittag im Ratsplenarsaal des Neuen Rathauses stattfand: 44 Schülerinnen und Schüler nahmen hier Platz, um dem OBM und dem in Leipzig ansässigen US-Generalkonsul Scott R. Riedmann Fragen rund um die Präsidentschaftswahl in den USA zu stellen.

Anlässlich des 190. Jubiläums diplomatischer Repräsentanz in Mitteldeutschland hatte sich Riedmann an Leipzigs Bürgermeister gewandt und damit den Anstoß für die Gesprächsrunde gegeben. Eingeladen wurden angehende Abiturienten des Brockhaus- und Reclamgymnasiums, überwiegend Teilnehmer des Leistungskurses Englisch, darunter auch Gemma-Lois Kohnke. Sie gestand, ein wenig nervös gewesen zu sein, weil die Sitzung in der Muttersprache des Generalkonsuls stattfinden solle. Letztlich wurde dann aber doch auf Deutsch diskutiert – Erleichterung bei vielen Schülern.

Die Fragen, die zur Sprache kamen, hatten es in sich: Ob das Wahlsystem in den USA denn verändert werden müsse, da Clinton zwar mehr Stimmen erhalten, aber trotzdem nicht gewonnen hätte? Ob jemand, der im Wahlkampf so impulsiv und aggressiv aufgetreten wäre wie Donald Trump, die Macht über Atomwaffen bekommen solle? Ob es problematisch sei, dass nun Präsidentenamt, Kongress und Supreme Court in republikanischer Hand lägen und dass Trump große Wallstreet-Bänker in sein Kabinett geholt hätte?

Bei seinen Antworten blieb Riedmann diplomatisch: Das Wahlsystem hätte den Zweck, einen Ausgleich zwischen kleinen und großen Bundesstaaten zu schaffen. Trumps Zugang zu Atomwaffen sei kein Grund zur Sorge, da das „Checks & Balances“-Prinzip dem Präsidenten keine absolute Macht gebe. Und über die Folgen der Kabinettsentscheidungen könne man noch kein Urteil fällen – erst einmal müsse man Trumps Regierungszeit abwarten. Trotz kritischer Anmerkungen bemühte sich Riedmann stets um Verständnis für das politische System und die Wertvorstellungen in den USA: Das wirtschaftliche und politische Verhältnis zwischen Deutschland und den USA sei äußerst stark, würde unter Trump keinesfalls zerbrechen.

OBM Jung, der die Diskussion mit einigen spitzen Thesen befeuerte, zeigte sich im Anschluss begeistert. „Die Schüler waren inhaltlich extrem gut vorbereitet und wollten von einem Diplomaten auch mal undiplomatische Antworten hören – das war großartig!“ Ihm sei wichtig, dass dieses Gesprächsformat weitergeführt werde: nicht mehr ausweichend antworten, wie es sich in den vergangenen 20 Jahren etabliert hätte, sondern die direkte Kommunikation vor allem mit jungen Menschen suchen.

Gemma-Lois Kohnke stellte die entscheidende Frage an den Generalkonsul: „Sind Sie mit dem Wahlergebnis zufrieden oder hätten Sie sich lieber Hillary Clinton gewünscht?“ Eine konkrete Antwort blieb Riedmann ihr schuldig: „Als Diplomat – als ’Messenger’ – muss ich neutral bleiben. Meine Hauptaufgabe hier ist es, die USA zu erklären. Deshalb ist meine Meinung nicht wichtig“, so der Mann, der bereits unter Bill Clinton als US-Vertreter tätig war. Auch um seinen Job macht er sich keine Sorgen, denn seine nächste Station steht bereits fest: 2017 geht es für Riedmann nach Bagdad.

Von Christian Neffe

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