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Die Didi aus Leipzig in Kathmandu

Die Didi aus Leipzig in Kathmandu

Dreißig Jahre arbeitet die Leipzigerin Ines Oßwald als gelernte Verkäuferin Jahr für Jahr unermüdlich. Lebt bescheiden ihr Leben. Gönnt sich außer dem einen oder anderen Urlaub wenig.

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Ines Oßwald, 30 Jahre Verkäuferin in Leipzig, hat ihr Leben geändert und hilft nun bei sozialen Projekten in Nepal.

Quelle: pelzl

Dann trifft sie "die beste Entscheidung meines Lebens, die ich definitiv nicht bereut habe": Praktisch zeitgleich mit dem 30. Dienstjubiläum kündigt sie im Vorjahr ihren Job in der Arbeitsamt-Cafeteria, um sich im kleinen Himalaya-Staat Nepal sozialen Projekten zu widmen - und ihren Freund Rai wieder zu treffen.

"Im Flieger aus Indien zurück nach Deutschland bin ich 2007 mit Holländern ins Gespräch gekommen, die geraden in Nepal waren", erinnert sich die 47-Jährige an den entscheidenden Impuls. Ein Jahr später reist sie in das Land zwischen Tibet und Indien, verliebt sich auf der Stelle in Land und Leute, ganz besonders in Rai. Sechsmal nimmt sie die beschwerliche Anreise auf sich, zweimal bekommt ihr Freund ein Visum für Deutschland, lange denkt sie über ihre Zukunft nach. Den sicheren Job aufgeben? Doch dann steht der Entschluss fest. "Ich wollte noch mal was Neues beginnen, später nicht bereuen, es nicht getan zu haben", erzählt sie in einem kleinen Café mit Blick auf Kathmandus größten buddhistischen Stupa Bodnath.

Haben Kollegen oder die Familie sie nicht ein bisschen für verrückt gehalten? Nein, sagt Oßwald, eher habe sie Anerkennung und Respekt für ihren Mut erfahren. "Mein Chef war auch sehr angetan." In Kathmandu legt sie sich eine kleine Wohnung zu, "ohne warmes Wasser, oft 16 Stunden ohne Strom". Ihr Nepalesisch wird täglich besser, schon bald wird sie in ihrem praktisch touristenfreien Stadtteil als Didi (große Schwester) angesprochen, fällt mit ihren hellen Haaren natürlich auf. "Wieso hast Du so saubere Füße?", wird sie bei einem Besuch im Dorf ihres Freundes in Khotang südlich der Everest-Region gefragt. Sie ist dort die erste Ausländerin überhaupt - es ist "die prägendste Zeit" in ihrem Leben. Vor allem die Arbeit mit den Kindern habe ihr viel gebracht.

In Kathmandu lebt Ines Oßwald von ihrem Gesparten ("sehr gut"), möchte bei ihrer Arbeit für diverse Hilfsprojekte kein Kostenfaktor sein. "Ich wollte mich einfach für Menschen engagieren, die es wirklich brauchen", erläutert sie bescheiden. In einer Suppenküche der Schweizer Hilfsorganisation Rokpa, die auch Kinderheime und Werkstätten betreibt, kümmert sie sich um Straßenkinder und Arme. "Es war wirklich unglaublich zu erleben, wie die Gestalten plötzlich einen Namen bekommen und Geschichten haben", erinnert sich die Leipzigerin. Jeden Tag verbringt sie in der Suppenküche, wird zum Dank zum Tee in einen Slum eingeladen, hilft zudem in einem Heim für alte Frauen, bastelt mit Rai, der eine Trekking-Agentur gegründet hat, an der künftigen Internetseite www.nepal-trek-tours.de.

Doch die Zeit in Nepal hat für die Didi aus Leipzig ein (nahes) Ende. "Das Visum kann erst mal nicht verlängert werden, am 29. Mai werde ich mich wohl früh im Arbeitsamt melden", blickt Oßwald voraus. Gern würde sie einen Job finden, in dem sie zwischen beiden Ländern pendeln kann. Ihr weiteres Lebens in Deutschland verbringen - "das kann ich mir nicht vorstellen".

Jetzt heißt es zunächst bye-bye Kathmandu. Im Gepäck: Domino-Steine ihrer Straßenkinder, Tee und alle Khatas (tibetischer Seidenschal), die es zum Dank gab. Vermissen werde sie die Sonne, die Herzlichkeit der Nepalesen trotz deren Armut - und natürlich ihren Freund. Aus Leipzig wiederum habe ihr in Nepal die saubere Stadtluft, Bratwurst, Schwarzbrot sowie "Familie und Freunde auch in Zeiten von Skype" (Internettelefonie) gefehlt. Wie auch immer. Fest steht: Aus Didi wird nun wieder Ines.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2013

Pelzl, Martin

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