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Die Fahrrad-Verrückten von Plagwitz starten durch: Individuelle Bikes für Weltreisende

Die Fahrrad-Verrückten von Plagwitz starten durch: Individuelle Bikes für Weltreisende

In der Spinnerei waren sie ein Geheimtipp, dann wurde es etwas stiller um sie, jetzt starten sie neu durch: Die Fahrrad-Enthusiasten der Leipziger Marke Rotor Bikes richten in der Erich-Zeigner-Allee 64 A ihr neues Domizil her und wollen dort am Sonnabend zum ersten Mal ihre neuen Geschäftsräume öffnen.

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Carolina Rauh (22) staunt über das Modell "Rotor Amundsen", während Mechaniker Christian Dornbusch (19) die letzten Schrauben nachzieht.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ihre Ziele sind nach wie vor ambitioniert. "Mit jedem Fahrrad von uns soll man um die Welt fahren können", sagt Sebastian Billhardt, dem die Firma seit vier Monaten gehört.

Rotor Bikes ist in Leipzig legendär geworden, nachdem 1996 ein paar Fahrrad-Verrückte auf dem Gelände der alten Plagwitzer Baumwollspinnerei eine Werkstatt der besonderen Art gegründet hatten: Sie schraubten Räder zusammen, die genau auf die Einsatzbedürfnisse ihrer Besitzer zugeschnitten waren - jedes Produkt ein Unikat, bei dem alle Komponenten besonders langlebig und robust sein sollten. "Die Gründer von 1996 hatten sich zusammengefunden, weil sie überall vergeblich nach den Rädern gesucht hatten, die sie sich selber zulegen wollten", beschreibt Rotor-Mitarbeiter Kay Kasperski den Antrieb der Kult-Firma. "Weil sie nichts fanden, haben sie gesagt: Okay, lasst uns die Räder selber bauen."

In der Szene sprach sich dieser ungewöhnliche Ansatz schnell herum und es fanden sich genug Radler, die den Anspruch der Leipziger Fahrrad-Verrückten auf die Probe stellten. Oliver Schmidt zum Beispiel, der mit seiner Frau auf Rotor-Reiserädern unbeschadet Tausende Kilometer am Polarkreis unterwegs war. Oder Thomas Meixner, der erst am 23. Januar von einer Reise durch Amerika zurückkehrte: Er war mit seinem Rotor ein Jahr und acht Monate von Alaska nach Chile unterwegs und legte dabei 41 000 Kilometer zurück. Auch beim Erzgebirgsrennen "Mad East Challenge" - einem großen ostdeutschen Mountainbike-Etappen-Rennen - sowie beim Transalp-Rennen, das quer über die Alpen führt, wurden die Produkte der Plagwitzer regelmäßig härtesten Bedingungen ausgesetzt und belegten häufig vorderste Plätze.

Diese Erfolge haben Kunden aus der ganzen Welt angelockt. Die Räder wurden bis nach Südafrika und in die USA exportiert; inzwischen gibt es eine Fan-Gemeinde aus rund 4000 Stammkunden in aller Welt. "Im Internet gibt es praktisch keinen Markt für Rotor-Räder", hat Billhardt entdeckt. "Unsere Räder werden vererbt. Viele holen sich auch noch ein zweites." Dennoch wäre beinahe ein Vorsatz des Gründer-Teams auf der Strecke geblieben. "1996 wurde erklärt, das Projekt mindestens bis zum Jahr 2046 zu betreiben", berichtet Kasperski. "1996 bis 2046 - das wären 50 Jahre gewesen." Doch ganz so lange hielt der Elan nicht an - in den vergangenen Jahren wurde es um die Werkstatt in Plagwitz immer stiller. Es reiche eben nicht aus, exzellente Fahrräder zusammenzuschrauben, heißt es in der Szene. Dafür sei auch eine solide wirtschaftliche Basis notwendig.

Für die will jetzt Billhardt sorgen. Der 34-jährige Betriebswirt beschreibt sich selbst als "fahrradverrückt". Er hat im Innenhof der ehemaligen Stöhr-Kammgarnwerke preisgünstige Ladenflächen angemietet und will mit sechs Mitarbeitern neu an den Start gehen. "Wir wollen pro Jahr 250 bis 300 Räder zusammenschrauben - jedes speziell abgestimmt auf die Bedürfnisse seines Besitzers." Außerdem werde es regelmäßig Workshops geben, in denen das Einstellen von Bremsen, das Putzen und das Räder-Auswechseln erläutert werden. Auch Vorträge sind im neuen Domizil geplant - unter anderem mit dem Amerika-Fahrer Meixner am 12. März. "Ich will Rotor Bikes einmal meinen Kindern vererben", beschreibt Billhardt seinen Planungshorizont. "Und die sind noch nicht geboren."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.02.2015

Andreas Tappert

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