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Lokales „Die Gesundheitswirtschaft ist ein versteckter Champion“
Leipzig Lokales „Die Gesundheitswirtschaft ist ein versteckter Champion“
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00:39 29.04.2018
Knut Löschke, Aufsichtsratsvorsitzender des Universitätsklinikums Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Knut Löschke, Aufsichtratsvorsitzender des hiesigen Uniklinikums und Mitglied im Uni-Hochschulrat, will der Gesundheitswirtschaft in Leipzig mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Der 67-Jährige kritisiert, dass die Stadt mit dem Pfund, das sie da habe, nicht wuchere.

Welche Bedeutung hat die Medizin für Leipzig?

Eine sehr große. Die Stadt ordnete dem sogenannten Cluster „Gesundheitswirtschaft und Biotechnologie“ 2017 mehr als 42 000 Beschäftigte zu. Die gesamte Automobil- und Zulieferindustrie kommt nicht einmal auf halb so viele. Auch die Logistik-Branche kann mit ihren vielen Niedriglohn-Jobs nicht mit der Gesundheitswirtschaft mithalten. Leider ist die öffentliche Wahrnehmung in Leipzig eine andere.

Und zwar?

Als vermeintlich größte Arbeitgeber werden die Automobilfirmen und die Logistiker hofiert, und es wird vergessen, dass allein die Krankenhäuser Leipzigs – wie das St. Georg, das Uniklinikum, das Herzzentrum und viele andere – genauso viele Menschen beschäftigen, wenn nicht sogar mehr. Die Gesundheitswirtschaft ist ein versteckter Champion, obwohl sie enorm auf die Region ausstrahlt und für alle Menschen von Bedeutung ist. Es liegt vielleicht daran, dass wir hier mit BMW, Porsche, DHL und Amazon sehr bekannte Unternehmen haben. Neben den Krankenhäusern und vielen kleineren gesundheitswirtschaftlichen Unternehmen fehlen aber große, internationale Pharma- und Medizintechnikfirmen. Die Leipziger Wirtschaftsförderung sollte alles dafür tun, dass sich zum Beispiel ein Unternehmen wie der US-Pharmariese Pfizer mit einem Ableger hier ansiedelt. Als Standort bietet Leipzig längst alles, was solche Firmen brauchen: Wissenschaft, Krankenhäuser, Arbeitskräfte, Kultur …

Leipzig – nur Partystadt?

Nicht zuletzt eine Universität mit starkem medizinischen Profil ...

... die sich dazu aber nicht beherzt bekennt. Das lässt sich auch daran ablesen, dass die Uni seit der Wende namenslos ist. Von Wilhelm Ostwald, der 1909 den Nobelpreis für Chemie erhielt, bis Bernhard Katz, Medizin-Nobelpreisträger 1970, haben zahlreiche Nobelpreisträger der Naturwissenschaften, der Geisteswissenschaften und der Medizin in Leipzig geforscht, gelehrt und gelebt. Warum schmückt sich die Uni nicht mit einem von ihnen? Stattdessen wirbt sie bei künftigen Studenten mit dem Hinweis darauf, was für eine tolle Partystadt Leipzig sei. Das mag ja auch stimmen. Aber es sollte doch nicht der Hauptvorzug unserer Universität sein.

Sondern?

Meine Idee wäre, dass sich die Uni als führend in Sachen Lebenswissenschaften profiliert. Zu einem solchen interdisziplinären Rahmen, der spezielle Forschungs- und Lehrgebiete in einem visionären Projekt zusammenführt, würden nicht nur die Medizin und die Naturwissenschaften gehören, sondern auch die Geisteswissenschaften. Die Soziologie beispielsweise, wenn sie erforscht, welche Lebensbedingungen krank und welche gesund machen.

Von Mathias Wöbking

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