Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales "Die Kinderbande gibt es nicht mehr": 15-Jähriger muss nicht ins Gefängnis
Leipzig Lokales "Die Kinderbande gibt es nicht mehr": 15-Jähriger muss nicht ins Gefängnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:00 14.06.2013
Vier Mitglieder der berüchtigten Leipziger Kinderbande vor Gericht. Quelle: André Kempner

(15) der Knast erspart. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde er jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Zwischen den Bildern liegt ein halbes Jahr: Im Oktober 2012 sitzt Jürgen W. auf der Anklagebank im Amtsgericht, guckt aufmüpfig in die Kamera, brüstet sich mit Überfällen auf "zehn bis 20 Läden an einem Tag". Im April 2013 wirkt er fast schon brav, spricht von seinem Schulabschluss.

Es war ein halbes Jahr, in dem viel passiert ist im Leben des gebürtigen Kubaners: Im Oktober 2012 wird er wegen schweren Bandendiebstahls in fünf Fällen zu anderthalb Jahren Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt. Am Tag der Urteilsverkündung ist er untergetaucht, in der darauffolgenden Nacht wird er schon wieder straffällig. Anfang Dezember kommt er in Untersuchungshaft, Ende Januar hebt ein Ermittlungsrichter den Haftbefehl auf, ordnet die Unterbringung in einer Jugendhilfeeinrichtung an.

Der kriminelle Teenager muss in eine Spezialeinrichtung in einem Wald bei Mühlhausen, weit weg von seiner Clique. Er geht wieder zur Schule, nachdem er in Leipzig wegen aggressiven Verhaltens suspendiert worden war. Im April verwirft das Landgericht seine Berufung gegen das Amtsgerichtsurteil, die anderthalb Jahre Jugendstrafe sind damit rechtskräftig, es droht Gefängnis. Ende Mai geht es am Landgericht in nichtöffentlicher Verhandlung um eine weitere Anklage der Staatsanwaltschaft wegen räuberischen Diebstahls und mehrfachen schweren Bandendiebstahls. Es handelt sich um Taten, die Jürgen W. vor und nach seiner Verurteilung im Oktober 2012 begangen hat. Das Gericht fasst sämtliche bisherigen Verfahren und Urteile zusammen, bildet eine Einheitsjugendstrafe: zwei Jahre - jedoch ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung.

Inzwischen steht fest: Das Urteil ist rechtskräftig, der 15-Jährige muss nicht in den Jugendknast. Mindestens ein Jahr soll Jürgen W. in der Jugendhilfeeinrichtung bleiben, hat zudem innerhalb der Bewährungszeit Arbeitsstunden zu leisten, bekommt für zwei Jahre einen hauptamtlichen Bewährungshelfer. Es sei davon auszugehen, dass Jürgen W. auch ohne Jugendstrafvollzug keine weiteren Straftaten begehe, heißt es. Die Jugendhilfeeinrichtung und die Herauslösung aus seinem kriminellen Umfeld hätten einen sehr positiven Einfluss.

"Neue Straftaten sind aus dem Jahr 2013 nicht bekannt", sagt Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz. Vor Monaten waren bereits die Zwillinge Paul und Phillip S. (14) - mutmaßliche Rädelsführer der Gang mit jeweils mehr als hundert Straftaten allein 2012 - in Jugendhilfeobjekte gebracht worden. "Die sogenannte Kinderbande", so Schulz, "gibt es nicht mehr."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

Frank Döring

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Viele Christdemokraten unterstützen die Kandidatur von Peggy Liebscher (36), die Sozialbürgermeisterin im Rathaus werden will. "Sie bringt die nötige Führungs- und Verwaltungserfahrung für das große und wichtige Sozialdezernat unserer Heimatstadt mit", sagt Thomas Plotzki, der Vizechef der CDU-Sozialausschüsse.

14.06.2013

Der Bowlingtreff ist ungeeignet als Standort für das Naturkundemuseum. Zu diesem Schluss kommt der Arbeitskreis Museum im Forum Bürgerstadt. Er favorisiert einen Verbleib am jetzigen Standort am Goerdelerring.

17.01.2017

Die Radfahrer Jörn Pregel und Andreas Bucher radeln im Sommer für den guten Zweck die Route des Grandes Alpes. Der berühmte Weg führt durch die Alpen bis zum Mittelmeer.

13.06.2013
Anzeige