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Lokales „Die Leute wollen sich in die Augen sehen“
Leipzig Lokales „Die Leute wollen sich in die Augen sehen“
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00:30 11.06.2015
Martin Buhl-Wagner (links) und Markus Geisenberger, die beiden Geschäftsführer, mit dem Symbol der Leipziger Messe schlechthin – dem Messemännchen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

LVZ: In der digitalen Welt handeln die Branchen vernetzt. Wozu braucht es da noch klassische Messen?

Buhl-Wagner: Natürlich hat die Digitalisierung Einfluss aufs Veranstaltungsgeschäft. Messen sind aber auch temporäre Plattformen, auf denen sich Interessengruppen und Communities treffen, um sich auszutauschen. Diese persönliche Komponente gewinnt im Zeitalter der Digitalisierung an Bedeutung. Die Menschen haben viele Kommunikationsmöglichkeiten und -wege. Aber irgendwann möchten sie sich persönlich treffen, Inhalte austauschen und Gespräche führen. Beides verknüpfen wir – das ist unsere Chance und für mich das Messeformat der Zukunft.

Wie gelingt es, das traditionelle und digitale Geschäft zu vernetzen?

Geisenberger: In der Gesamtstrategie muss die Digitalisierung von Anfang an bedacht werden. Das geht bei der Anbahnung von Geschäftskontakten los und führt hin zum Informationsangebot auf der Messe, das auch digital flankiert wird. Im Kern steht aber die Live-Kommunikation auf Messen, Kongressen und Fachveranstaltungen. Die Händler wollen ihr Gegenüber mit allen Sinnen wahrnehmen, um Geschäfte mit einem guten Gewissen tätigen zu können. Da sind Messen nach wie vor unschlagbar.

Buhl-Wagner: Die Leute wollen sich bei Geschäften einfach in die Augen sehen. Dass die Bedeutung der Live-Kommunikation wächst, haben übrigens erst kürzlich die Intec oder die Buchmesse mit dem enormen Zuwachs ihrer Communities bewiesen.

Geisenberger: In diesen Communities entstehen ja auch Ideen für Formate und Konzepte, die wir aufgreifen und ausbauen. Die Manga-Comic-Convention ist gemeinsam mit der Community entwickelt und in kürzester Zeit angenommen worden. Oder die „DreamHack“, die im Januar 2016 erstmals in Leipzig stattfinden wird. Hier arbeiten wir eng mit Partnern aus der Gamer-Community zusammen.

Wie sieht eine Messe in 20 Jahren aus?

Geisenberger: Spannende Frage. Ein Kongress der Zukunft findet bereits in Leipzig statt. Das ist der Linc – der Leipzig Interventional Course. Eine weltweit agierende Branche trifft sich an einem Standort, ist aber mit wichtigen Zentren digital verbunden. Da werden Live-Operationen aus der ganzen Welt gezeigt, in Foren vor Ort diskutiert und erläutert. So stelle ich mir die Zukunft in weiteren Branchen vor.

Das Aushängeschild AMI lief im Vorjahr nicht so gut. Große Hersteller wie Renault oder Toyota zeigten Leipzig die kalte Schulter. Und es sind weniger Besucher gekommen. Wie muss sich die bundesweit größte PS-Schau verändern?

Buhl-Wagner: Auf einer Messe findet man nur selten alle Unternehmen einer Branche. Auf der AMI war mal BMW nicht dabei, letztes Jahr Toyota. Jetzt sieht es so aus, dass Toyota seine Einstellung ändert. Eine Automobilmesse der 1990er Jahre war eine zusätzliche Verkaufsausstellung für eine sich noch entwickelnde Infrastruktur, etwa bei Autohäusern. Heute sind Branche und Konzerne viel globaler aufgestellt. Die Rolle des Autos als Statussymbol hat sich verändert. Früher hieß es „Mein Auto“. Heute ist es „Mein Auto, Mein Tablet, Mein Handy“. Insofern muss die AMI nicht nur Neuwagen präsentieren, sondern sich auch als automobile Erlebnismesse entwickeln. Das ist unser Fokus. Natürlich: Wer sich nicht für Autos interessiert, kommt nicht zur AMI. Wir möchten unsere Zielgruppe der Autointeressierten um ihre Familien sowie um die Technikinteressierten erweitern.

2016 läuft der Vertrag mit dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) aus. Wie geht es weiter?

Buhl-Wagner: Wir arbeiten hervorragend zusammen und stellen uns konzeptionell für die Zukunft auf.

Sie haben erfolgreiche Produkte entwickelt wie die Games Convention, die dann nach Köln abgewandert ist, auch wenn 2016 mit der „DreamHack“ ein neues Spiele-Event installiert werden könnte. Aber wie kann Leipzig sich dagegen wappnen, dass hier entwickelte Fachmessen abwandern?

Buhl-Wagner: Die Games Convention ist ein prominentes Beispiel, weil es das Format vorher nicht gegeben hat. Wir haben aber auch andere Themen in den Markt gebracht, die wir nicht dauerhaft weiterbetrieben haben. Weil es nicht so funktioniert hat, wie erhofft. Das ist wie in anderen Firmen: Wenn sich der Artikel nicht verkaufen lässt, wird er angepasst oder aus dem Sortiment genommen. Vor Veränderungen ist niemand gefeit. Oft sind wir aber auch Nutznießer, weil Messen zu uns gewandert sind. Das ist die normale Marktsituation.

850 Jahre – Leipzig und seine Messe haben sich immer wieder neu erfunden. Wo steht der Messeplatz Leipzig heute?

Geisenberger: Wir sind eine Unternehmensgruppe, fest verankert am Messeplatz Leipzig, aber auch ein international ausgerichteter Veranstalter. Da agieren wir in Deutschland unter den Top 10, weltweit unter den Top 50. 2013 war ein besonders erfolgreiches Jahr, da lagen wir im internationalen Ranking beim Umsatz auf Platz 30. Die Leipziger Messe ist also in der Spitzengruppe der Veranstalter weltweit unterwegs.

Buhl-Wagner: Wir sind ein Dienstleister, der einen Großteil seines Geschäftes über die Vernetzung von Leistungen erbringt. Damit haben wir in den 90er-Jahren begonnen und sind längst international ein Vorreiter. Alles aus einer Hand – das klingt natürlich salopp. Andere Messeplätze sind da aber längst nicht so weit. Wir haben früh auf die Anforderungen der Kunden reagiert, um Leipzig möglichst weit oben zu positionieren. Wie die Mustermesse 1895 eine Rolle für die Branche spielte, ist jetzt die umfassende Verzahnung von Dienstleistungen die Strategie für die Messe der Zukunft.

Inwieweit bleibt Leipzig da noch das „Tor zur Welt“, wie der Slogan in der Vergangenheit suggerierte?

Buhl-Wagner: Die Leipziger Messe von damals öffnete für Westfirmen den Osten und umgekehrt. Für viele Menschen war sie ein Schaufenster hinter dem eisernen Vorhang. Die Welt hat sich verändert, diese Messe gibt es so nicht mehr. Aber in Leipzig treffen sich Communities und Branchen mit Themen, die weltweit bewegen.

Geisenberger: Wir bieten natürlich ein Tor in beide Richtungen. Für die Region ist die Messe als Plattform wichtig, um Angebote und Themen nach außen zu transportieren. Es ist schon entscheidend, eine Heimatbasis zu haben, um wachsen zu können. Zum Beispiel: Der sächsische Maschinenbau, einstmals Weltmarktführer, ist wieder erstarkt. Daraus hat sich die Intec mit großem Erfolg entwickelt. Da sind wir ein wichtiges Schaufenster, um zu zeigen, welche Kompetenzen und Technologien in der Region entwickelt worden sind.

Buhl-Wagner: Ein anderes Beispiel: Die OTWorld – die Weltleitmesse für Orthopädie und Rehabilitation – öffnet das Tor zur Welt dieser Branche. Alle großen internationalen Firmen sind hier.

Dieses Jahr bieten sie 39 Messen an, darunter Neuentwicklungen wie die Fachschau „Iss gut“ für Gastgewerbe und Ernährungshandwerk. Reicht das, um das Messegelände auszulasten?

Buhl-Wagner: Entscheidend ist die Flexibilität unserer Infrastruktur für verschiedene Veranstaltungen und Formate. Da sind wir mit unserem Gelände gut aufgestellt. Es wurde vor gut 20 Jahren hervorragend geplant. Wenn ich auf die 850 Jahre Geschichte zurückblicke: Das Thema Innovation scheint schon in unserer DNA verwurzelt zu sein. Die „Iss gut“, die einzige Fachmesse für den Außer-Haus-Markt in den neuen Bundesländern, ist eines der jüngsten Beispiele.

Die Messe ist weltweit aktiv. Wo sind da die Schwerpunkte?

Geisenberger: Alles, was wir an verschiedenen Standorten der Welt tun, muss eine positive Rückkopplung auf Leipzig haben. Ziel ist es, ein größeres Netzwerk zu spannen – etwa mit Satelliten wie der Denkmalsmesse in Moskau und in Jinan. In solchen Aktivitäten liegen enorme Chancen.

Wo liegt der Fokus?

Geisenberger: Auf Europa und den angrenzenden Ländern. Wir sind bewusst offen, wenn wir im Ausland mit einem Format die richtigen Zielgruppen erreichen können. Das setzt immer die richtigen Partner voraus, da wir nicht überall mit einem eigenen Team hingehen können.

Interview: Mathias Orbeck/ Björn Meine

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