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Lokales Hobby-Meteorologe: Natur bringt sich mit mehr Niederschlag wieder ins Gleichgewicht
Leipzig Lokales Hobby-Meteorologe: Natur bringt sich mit mehr Niederschlag wieder ins Gleichgewicht
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16:11 11.01.2019
Hobby-Meteorologe Peter Noack analysiert seit Jahrzehnten akribisch Leipzigs Wetterdaten, die bis ins Jahr 1829 zurückreichen. Quelle: Andreas Döring
Leipzig

Obwohl es im vergangenen Jahr meteorologisch gesehen extrem viele heiße und tropische Sommertage gab (die LVZ berichtete), war es im gesamten Jahr 2018 in Leipzig nicht so heiß wie im gesamten Jahr 2000. „Im Jahr 2000 hatte Leipzig eine Jahresmitteltemperatur von 11,2 Grad“, sagt Hobby-Meteorologe Peter Noack, der Leipzigs Wetterdaten bis zum 1829 analysiert hat und sich auch auf die aktuellen Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes stützt. Diese sogenannte meteorologische „Gesamtmitteltemperatur“ wird täglich über 24 Stunden ermittelt, indem alle stündlichen Temperaturen zusammengezählt und dann durch 24 geteilt werden. Die so entstehenden Werte werden nach dem selben Schema auch über Monate errechnet, so das eine offizielle „Jahresmitteltemperatur“ entsteht.

2000 und 1934 gab es ähnlich heiße Tage

„Im Jahr 2018 lag diese Jahresmitteltemperatur bei 11,1 Grad Celsius – also noch unter dem Wert von 2000“, berichtet der Hobby-Meteorologe. Dies habe allerdings auch daran gelegen, dass die Nachttemperaturen im Sommer 2018 besonders niedrig waren – weil die Niederschläge extrem gering und der Boden dadurch sehr trocken war. „In dieser Gesamtbetrachtung liegt das sehr heiße Jahr 2018 aber trotzdem nur an zweiter Stelle in der Leipziger Wetterbilanz seit 1830“, betont Noack. „Im Jahr 1934 gab es außerdem auch schon einmal eine Jahresmitteltemperatur von 11,1 Grad Celsius. In Leipzig gibt es also zwei zweite Plätze bei den wärmsten Jahren 1934 und 2018.“ Auf Platz drei liege das Jahr 2014 mit 11,0 Grad Celsius.

Auch Noack – der eigentlich immer davon spricht, dass es in Leipzigs Wetter alle 30 bis 35 Jahre eine „Wiederholungsneigung“ gibt – räumt ein, dass sich Leipzig wie ganz Deutschland derzeit in einer „Hochphase der Erwärmung“ befindet. „Dieser deutliche Temperaturanstieg ist in Leipzig seit 1989 nachweisbar“, sagt er und belegt dies mit den offiziellen Wetterdaten. „Seitdem erleben wird die wärmste Phase, die Leipzig seit 1830 hatte – bislang 19 Jahre mit einer Jahresmitteltemperatur von mehr als 10,0 Grad Celsius.“

Experte spricht von „Ausreißern“

Der Senior betont allerdings auch, dass es in Leipzigs Wettergeschichte immer mal wieder solche „Ausreißer“ gegeben habe. Zum Beispiel im 19. Jahrhundert: Damals wurde im Jahr 1834 mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,6 Grad Celsius ebenfalls ungewöhnlich hohe Temperaturwerte gemessen; 1859 wurden 10,1 Grad ermittelt und 1868 ebenfalls 10,1 Grad.

Auch im 20. Jahrhundert habe es ähnliche Phänomene gegeben. „1911 wurde in Leipzig eine Jahresmitteltemperatur von 10,5 Grad gemessen, 1921 von 10,0 Grad und 1934 von 11,1 Grad“, so Noack. „Auch 1945 betrug das Jahresmittel 10,1 Grad, 1948 waren es 10,1 Grad, 1949 10,0 Grad, 1951 ebenfalls 10,0 Grad und 1953 10,2 Grad“. Diese Aufzählung ließe sich noch fortführen.

Obwohl es in diesen Perioden nicht ganz so warm war wie in den Jahren 2000 und 2018, sieht Noack durch sie seine These bestätigt, dass es in Leipzigs Wetter „einen Rhythmus“ gibt. „Man kann deshalb aus meiner Sicht nicht davon ausgehen, dass sich die extrem hießen Sommer, die wir im Jahr 2000 und 2018 hatten, ständig wiederholen.“

Wasserstände der Flüsse steigen wieder

Dies gelte auch für Leipzigs Niederschläge: Nachdem im vergangen Jahr nur eine Niederschlagsmenge von 379 Millimeter gefallen ist – rund 60 Prozent des Mittelwertes von 1981 bis 2010, dem sogenannten „30-jährigen Mittel“ – könnte sich jetzt durchaus wieder eine unbeständige Sommerwitterung mit deutlich mehr Niederschlägen einstellen, glaubt der 82-Jährige. „Die Tendenz scheint wieder zu niederschlagsreicherem Wetter zu gehen“, sagt er mit Blick auf die bisherigen Januar-Niederschläge. „Diese Niederschlagswerte sind für einen Januar durchaus beachtlich. Die Natur bringt sich gerade wieder mit erhöhten Niederschlägen ins Gleichgewicht.“ Dies betreffe ganz Mitteldeutschland. „Auch das Erzgebirge, der Thüringer Wald und der Harz bekommen gerade wieder Starkniederschläge ab“, betont er. Dies wirke sich bereits auf die Wasserstände der hiesigen Flüsse aus. „Sie werden dadurch wieder in ihre Normalzustände versetzt.“

Von Andreas Tappert

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