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Die Stadt der Imker

Bienenhalter in Leipzig Die Stadt der Imker

In Großstädten wie Leipzig hat die Anzahl der Stadtimker in den letzten Jahren zugenommen. Dabei geht es den Hobbyimkern nicht nur um das süße Gold, denn letztlich profitieren auch die Honigbienen vom neuen Trend.

Imker Andreas Krieck (Foto) bietet mit seinem Kollegen Carsten Feuerstein sechs Bienenvölkern ein Zuhause.

Quelle: André Kempner

Leipzig. In Großstädten wie Leipzig hat die Anzahl der Stadtimker in den letzten Jahren zugenommen. Dabei geht es den Hobbyimkern nicht nur um das süße Gold, denn letztlich profitieren auch die Honigbienen vom neuen Trend.

Das Summen von zehntausenden Bienen ist zu hören. Im Akkord schaffen die umtriebigen Arbeiterinnen Nektar und Pollen zu den rostfarbenen Holzkisten – den sogenannten Magazinbeuten. Hier in einer Gärtnerei im Nordosten Leipzigs haben Andreas Krieck und Carsten Feuerstein sechs Völkern der Rasse „Buckfast“ ein Zuhause gestellt. Die beiden sind Stadtimker und unterhalten insgesamt zwanzig Wirtschaftsvölker, die sie auf drei Standorte in Leipzig verteilt haben. Wenn man bedenkt, dass pro Volk bis zu 50 000 Bienen zusammenkommen, steckt ein enormer Aufwand dahinter.

Dennoch betreuen Krieck und Feuerstein die Bienen neben ihren regulären Jobs. Das Imkern ist ihre Freizeitbeschäftigung: „Das ist ein ambitioniertes Hobby und mit den Jahren ist es mehr geworden“, sagt Andreas Krieck, der hauptberuflich im Gesundheitswesen arbeitet. Vor etwa sechs Jahren wurden die beiden Männer über eine Fernsehdokumentation auf das Stadtimkern aufmerksam. Bevor diese Form der Bienenhaltung in Deutschland in den letzten Jahren populär wurde, gab es bereits in Großstädten wie Paris und New York erste Unternehmungen, Bienen im urbanen Raum anzusiedeln.

Was zunächst nach einer naturnahen Freizeitbeschäftigung für stressgeplagte Großstädter klingt, bringt im Gegenzug einige Vorteile für die Tiere: In den vergangenen Jahrzehnten sind die Honigbienen durch die konventionelle Landwirtschaft unter Druck geraten. Wenn zwischen Mai und Juni die letzten Nutzpflanzen wie etwa der Raps blühen, wird es für die Honigbienen eng: „Jetzt finden sie auf dem Land nichts mehr zu essen“, verdeutlicht Carsten Feuerstein das Dilemma, das die Monokulturen befördern. In der Stadt hingegen finden die Arbeiterinnen in Parks, auf Balkonen oder wie hier in Gärtnereien ganzjährig Nahrung. Außerdem sind die Belastungen durch Pflanzenschutzmittel, die den Bienen zusetzen, weitaus geringer.

Den beiden Stadtimkern sei es deshalb wichtig, über die Tiere aufzuklären. Der Honig ist die eine Sache. Auf der anderen Seite sind die Bienen aber als Bestäuber unerlässlich. Ohne sie würden die Erträge in Landwirtschaft und Obstanbau drastisch zurückgehen. Insofern ist der Mensch auch von der Arbeit der emsigen Arbeiterinnen abhängig. „Mittlerweile beschäftigen sich die Leute damit. Jetzt greifen sie nicht mehr zum Insektenspray, sondern zum Telefon und rufen uns an“, sagt Carsten Feuerstein. Es gebe ein gewachsenes Bewusstsein, immer mehr Leute interessierten sich für die Imkerei und das „obwohl man bis vor ein paar Jahren eigentlich gedacht hatte, der Imker stirbt aus.“

„Das Imkern scheint ein richtiges Modehobby zu sein“, sagt Michael Hardt, Vorsitzender des Imkervereins Leipzig. Mit seinen rund 160 Mitgliedern ist der hiesige Verein der mitgliederstärkste in ganz Sachsen. Für Hardt hat das neue Interesse am Imkern viel mit der aktuellen Berichterstattung und einem gewachsenen Interesse an ökologischen Themen zu tun. Das freut ihn, gleichzeitig warnt Hardt aber: „Wer Bienen hält, muss sie konsequent halten. Man kann nicht sagen: Ich stelle hier einen Kasten hin und gut ist, sondern ich muss sie versorgen und es vernünftig machen.“

In Deutschland haben nur wenige Imker eine dreijährige Ausbildung abgeschlossen: „Die meisten Bienenhalter sind ,selfmade‘, haben sich was angelesen, die Bienenzeitung abonniert und gehen zu Fachvorträgen“, erklärt Hardt. Wer mit dem Imkern anfangen wolle, der solle in jedem Fall eine Schulung besuchen, um die wichtigsten Grundlagen zu erlernen. Der Landesverband Sächsischer Imker etwa bietet solche Kurse an, die an mehreren Wochenenden durchgeführt werden.

Das Stadtimkern, sagt Michael Hardt, sei indes keine Erfindung des 21. Jahrhunderts: „Die Imkerei in der Stadt hat eine lange Tradition.“ Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten fingen die Menschen wieder mit dem Imkern an, um sich selbst zu versorgen oder ein Zubrot zu verdienen. Jetzt sei das Imkern eher ein Hobby, um einen Ausgleich zum Alltag zu finden. Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielten sicherlich auch eine Rolle. Der Imkerverein Leipzig wurde übrigens vor über 150 Jahren gegründet, den Begriff „Urban Beekeeping“ – wie das Stadtimkern heute neudeutsch genannt wird – kannten die Vereinsmitglieder damals allerdings wohl noch nicht.

www.imkerverein-leipzig.de

Von David Knapp

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